Bilanz im Kreis Ludwigsburg
: „Hätte die schönste Ernste gegeben“ – Hagel sorgt bei Streuobst und Gemüse teils für Totalschaden

Das Unwetter Ende August mit Sturm und riesigen Hagelkörnern hat im Kreis Ludwigsburg nur sehr lokal auf Streuobstwiesen und Äckern gewütet – welche Ernte in der Region ist betroffen?
Von
Bigna Fink
Kreis Ludwigsburg
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Christian Elser auf seiner Streuobstwiese in Markgröningen: „Die meisten Äpfel haben Macken durch den Hagel erlitten, sind höchstens für Mus oder Saft noch zu verwenden.“

Christian Elser auf seiner Streuobstwiese in Markgröningen: „Die meisten Äpfel haben Macken durch den Hagel erlitten, sind höchstens für Mus oder Saft noch zu verwenden.“

Oliver Bürkle
  • Heftiges Unwetter am frühen 28. August traf lokal Streuobst und Gemüse im Kreis Ludwigsburg.
  • Markgröningen stark betroffen – Äpfel und Trauben beschädigt, Notlese rettete Teil der Ernte.
  • Gärtnereien in Bissingen und Ingersheim meldeten große Schäden, teils Totalschaden bei Streuobst.
  • Gewächshäuser wurden zerhagelt, Reparaturen dauern; hohe Verluste, wenig Versicherungsschutz.
  • Große Obstbetriebe blieben verschont, Äpfel kleiner, aber geschmacklich sehr gut in diesem Jahr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am frühen Freitagmorgen des 28. August zerstörte ein heftiges Unwetter in Minuten Ernten in Teilen des Kreises Ludwigsburg. Und das kurz vor der Erntezeit von Äpfeln, Trauben oder Zucchini.

Betroffen von den Hagelschäden sind einige Obst- und Gemüse-Betriebe sowie private Streuobstwiesen- und Gartenbesitzer. Anderes Obst in der Region, darunter die großen Betriebe regionaler Apfelbauern wie etwa vom Talhof in Erligheim blieben von diesem Gewitter mit Hagel, Sturm und Starkregen verschont. Die Unwetterlinie zog sehr lokal dahin, von Markgröningen über Tamm und Bietigheim-Buch, -Wilhelmshof, Freiberg, Ingersheim bis hinter Murr.

Schnelle Fäulnis durch die Macken

„Wir sind leider sehr stark betroffen“, sagt Christian Elser, erster Vorstand des Obst-, Wein- und Gartenbauvereins (OWG) Markgröningen. Er und viele seiner Mitglieder sind Besitzer von Streuobstwiesen und Weinbergen in und um Markgröningen. Die Äpfel auf den Stückle, die den Hagel abbekamen, hätten alle Macken, seufzt der 36-Jährige. „Das ist ein großes Eintrittstor für Insekten und damit für schnelle Fäulnis.“ Ein Teil davon könne man als Saft verwenden. Deshalb wurde die alljährliche Apfelsaftaktion des Vereins mit mobiler Saftpresse zwei Wochen vorgezogen und findet am 21. September für alle Hobby-Obstbauern mit Anmeldung auf dem Hardt- und Schönbühlhof statt.

„Bitter war vor allem, dass wir dieses Jahr schöne Trauben hatten. Die waren dann alle angemackt.“ Die Wengerter starteten eine Notleseaktion am Samstag nach dem Unwetter. Das war ausgerechnet der Tag, an dem der Verein sein Weindörfle auf dem Schäferlauf veranstaltete – die Schichten der knapp 100 Helfer wurden deshalb umorganisiert. Die Lembergerland Kellerei Rosswag in Vaihingen, wohin die Trauben der Markgröninger gelangen, hätten bereits einen Verlust von 70 Prozent an Trauben durch den Hageleinschlag am 16. Juli zu verzeichnen. Durch die Hagelschäden im Juli und August in Kombination mit der starken Trockenheit im Sommer konnten die Markgröninger Wengerter zudem weniger als die Hälfte der erwarteten Menge lesen, so Elser. Auch fast sein gesamter privater Gemüseanbau war nach dem Hageleinschlag im August für die Tonne: „Es hätte die schönste Ernte gegeben, Paprika, Tomaten, Zucchini, zum größten Teil unverwertbar.“

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Heiko Mattes vom Gemüsehof Mattes in Unterriexingen ist froh, dass er seine Felder auf verschiedene Standorte verteilt hat: „Das ist zwar betriebswirtschaftlich nicht ideal, aber ansonsten – das hat mein Opa schon geraten – die beste Hagelversicherung.“ So hielten sich die Schäden für seinen Betrieb in Grenzen, denn schon 300 Meter entfernt sei sein Gemüse nicht betroffen gewesen. Zwar wären die Bohnen alle beschädigt, „aber die wachsen schnell wieder nach“.

Gewächshäuser stark beschädigt

Östlich von Unterriexingen, in der Gärtnerei Kiemle in Bissingen, hat das Unwetter dagegen ziemlich gewütet. „Der Hagel hat bei uns große Schäden verursacht“, berichtet Andrea Kraus. Die Gärtnerei ist auf regionalen Gemüse- und Kräuteranbau, spezialisiert. Die kompletten Freilanderzeugnisse wie Zucchini, Salate, Kräuter, seien geschädigt, „und die Kräuterfelder sahen aus wie gemäht“. Freiland-Zucchini und Kräuter seien zudem aufgrund der immens hohen Beiträge nicht gegen Hagelschäden versichert. „Unzählige Scheiben unserer Gewächshäuser wurden zerhagelt,“ so Kraus, zudem gab es einige Überschwemmungen. „Bei älteren Gewächshäusern wissen wir noch gar nicht, ob sich das zu reparieren lohnt.“ Die Schadensbehebung werde noch einige Wochen dauern, meint die Kiemle-Mitarbeiterin.

Die Gewitterlinie führte weiter über das südliche Bietigheim nach Freiberg-Geisingen, wo etwa die Öko-Gärtnerei Strehnisch, angrenzend an Bietigheim-Buch, vor allem an den Gewächshäusern Schäden von den großen Hagelkörnern abbekam.

Viele Helfer für das Mostobst

In Ingersheim schließlich wütete das Unwetter auch enorm, wie etwa der Biohof Schäfer zu spüren bekam, der nun mit mehr als 100.000 Euro finanziellem Verlust rechnet. Heinz Schaaf, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Großingersheim, sagt bezüglich der Stärke des Gewitters: „So etwas habe ich noch nie erlebt“. Viele der alten Obstbäume im Gebiet „In den Beeten“ nahe dem Bietigheimer Forst hätten Äste verloren oder seien gar in der Mitte gespalten. „Beim Streuobst haben wir Totalschaden.“ Oft wären die Bäume allerdings sowieso verwaist, die Erben wüssten zum Teil gar nichts von ihnen, fügt der 73-Jährige seufzend hinzu.

Wie in Markgröningen hat auch zur Freude von Schaaf in Ingersheim die Notlese der beschädigten Trauben am Tag nach dem Unwetter sehr gut funktioniert. „Mit vielen Helfern und sechs Vollerntern haben wir die Trauben gelesen und so vor der Fäulnis gerettet.“

Auch die Gärtnerei Holderhof in Ingersheim verzeichnet starke Verluste durch das Hagelunwetter. „Für unsere Äpfel, die wir sonst über einen Euro das Kilo verkaufen, bekamen wir nun gerade mal 13 Cent“, sagt Karl Zentmaier. Eine Woche nach dem Gewitter hätte seine Tochter einen Aufruf gestartet: „Mehr als 20 freiwillige Helfer haben die Äpfel als Mostobst zusammen gesammelt.“ Im Hofladen kann nun frischer Apfelsaft davon gekauft werden.

Kleinere und süßere Äpfel in diesem Jahr geerntet

Verluste durch Trockenheit Die größeren Obstbestriebe in der Region, die aktuell mitten in der Obsternte sind, hat das Unwetter Ende August nicht getroffen. Allerdings gebe es Verluste vor allem durch die extreme Trockenheit und Hitze im Sommer, betont Meik Sartorius vom Apfelland in Bönnigheim. „Die Birnen haben die Hitze deutlich besser verkraftet.“ Die Äpfel seien etwas kleiner, hätten dafür deutlich mehr Zucker.

Guter Geschmack Auch wenn die Ernte geringer ausfalle: „Die Qualität der Äpfel ist dieses Jahr hervorragend“, schwärmt Frank Braun von der Obsthalle Kirchheim. „Die Früchte sind geschmacklich sehr gut, mit vielen Inhaltsstoffen“, sagt auch Thomas Häberle vom Erligheimer Talhof.