Brunftzeit im Wildparadies: Vier Wochen Dauerstress – Besondere Zeit für die Hirsche in Tripsdrill

Exkursion zur Brunft im Wildparadies: Der zweijährige Sechsender-Rothirsch war neugierig, aber die Besucher vorsichtig.
Martin Kalb- Im Wildparadies Tripsdrill hat Mitte September die Brunft der Rothirsche begonnen.
- Röhren zeigt Präsenz und schreckt Rivalen ab – Kämpfe kosten Energie und bergen Risiko.
- Dominante Hirsche halten ein Weibchenrudel zusammen und fressen kaum in dieser Zeit.
- Laut Tierpfleger verlieren sie in vier Wochen etwa 20 bis 25 Prozent an Körpergewicht.
- Exkursionen zeigen Rufe, Imponierverhalten und herbstliche Stimmung im ganzjährig offenen Park.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein tiefes Röhren hallt durch das Wildparadies Tripsdrill. Nur wenige Augenblicke später folgt der nächste Ruf. Wer in diesen Tagen im Gehege der Rothirsche unterwegs ist, muss nicht lange auf die beeindruckende Geräuschkulisse warten: Mitte September hat die Brunft begonnen.
Für die männlichen Tiere bricht damit die anstrengendste Zeit des Jahres an. Bei einer Exkursion unter dem Titel „Wenn die Hirsche röhren“ führte Tierpfleger Benedikt Stirblies Besucher durch den Park, um das Verhalten der Tiere während der Paarungszeit genauer zu beleuchten.
Das weithin hörbare Röhren hat eine klare Funktion: Die Hirsche machen auf sich aufmerksam, zeigen Präsenz und versuchen, mögliche Konkurrenten auf Distanz zu halten. Je kräftiger ein Tier auftritt, desto eher signalisiert es seinen Rivalen, dass sich ein Kampf nicht lohnt.
An diesem Abend bleibt es bei einer akustischen Machtdemonstration. Die Hirsche rufen zwar intensiv, ein ernsthafter Nebenbuhler zeigt sich jedoch nicht. Für den dominanten Platzhirsch ist das ein Vorteil – denn jeder direkte Kampf kostet wertvolle Energie.

Cheftierpfleger Benedict Stirblies gab viele Geschichten über die Hirsche zum Besten.
Martin KalbNähert sich dennoch ein Konkurrent, kann aus den Drohgebärden schnell ein körperlicher Kampf werden. Die Hirsche senken die Köpfe und verhaken ihre Geweihe, um den Gegner zurückzudrängen. Solche Duelle wirken auf Beobachter spektakulär und sind für die Tiere tatsächlich mit erheblichem Verletzungsrisiko und extremem Kraftaufwand verbunden. Deshalb wird ein Großteil der Rangordnung schon vorher geregelt: Zeigt sich ein Hirsch durch Röhren und Imponierverhalten deutlich überlegen, zieht sich der Schwächere meist kampflos zurück.
Hirsche verlieren Viertel des Gewichts
Während der rund vierwöchigen Brunft versucht der dominante Hirsch, sein Weibchen-Rudel zusammenzuhalten und andere Männchen fernzuhalten. Das bedeutet Dauerstress: „Die Hirsche sind fast ständig in Alarmbereitschaft. Sie haben die Weibchen im Blick, achten auf Konkurrenten und kommen kaum zur Ruhe. In den vier Wochen verlieren sie etwa 20 bis 25 Prozent ihres Körpergewichts, weil sie in dieser Zeit nahezu nichts fressen“, erklärt Tierpfleger Benedikt Stirblies. Die Nahrungsaufnahme, die sonst den Großteil des Tages einnimmt, rückt komplett in den Hintergrund.
Für Besucher bietet die Brunft eine seltene Gelegenheit, Verhaltensweisen zu beobachten, die im restlichen Jahr kaum zu sehen sind. Die Kombination aus den tiefen Rufen, dem Imponiergehabe und der herbstlichen Atmosphäre macht diesen Zeitraum zu einem besonderen Naturerlebnis. Das Wildparadies mit seinen mehr als 60 Tierarten ist ganzjährig geöffnet.
