Bundestagswahl
: Reaktionen aus Kreis Ludwigsburg – „Parteien müssen sich zusammenraufen“

Schnell eine stabile Regierung – das werde jetzt gebraucht. Davon sind Menschen in verschiedenen Funktionen und Berufen im Landkreis Ludwigsburg überzeugt.
Von
Elke Rutschmann
Ludwigsburg
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Auch das Landratsamt in Ludwigsburg diente am Sonntag als Wahllokal.

Werner Kuhnle

Die Hochrechnungen zur Bundestagswahl am Sonntag auf Bundesebene waren unter anderem für Jürgen Kessing, OB von Bietigheim-Bissingen und SPD-Kreisrat, keine Überraschung. Auch in seinen Gesprächen in den vergangenen Monaten habe sich ein solches Bild gezeichnet. „Die Menschen hatten die Ampel satt.“ Jetzt brauche es schnell eine stabile Regierung.

Aus Sicht von Kreis und Stadt erhofft er sich von der Bundespolitik möglichst schnell ein Einhalten des Prinzips: „Wer bestellt, der bezahlt.“ Zu viel sei in den vergangenen Jahren auf die Kommunalebene übertragen worden, um mit Personalkosten oder den Kosten für Krankenhäuser zwei Beispiele zu nennen. „Für die Energiewende zum Beispiel ist bei uns kein Geld mehr vorhanden.“

Eine Novellierung des Sportstättengesetzes, wettkampftaugliche Sportstätten und eine angemessene Olympiabewerbung: Jürgen Scholz, der Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg, nennt diese Punkte, die er sich von der neuen Regierung wünscht. Scholz ist als Bürgermeister von Sersheim auch in der Lokalpolitik verwurzelt und freut sich vor allem über die hohe Wahlbeteiligung, die sich auch in seiner Gemeinde mit 86,3 Prozent widerspiegelt. Beim Blick auf eine mögliche Koalitionsbildung hofft er, „dass sich die Parteien über die Parteigrenzen hinweg zusammenraufen, um nach Lösungen zu suchen“. Die Arbeit in den Gemeinderäten könnte dabei als Vorbild dienen. „Und ich wünsche mir, dass anstehende Themen von Anfang bis Ende durchdacht und diskutiert werden, auch wenn es am Ende länger dauert.“

„Der Klimaschutz muss weitergehen“

Stefan Flaig, der Vorsitzende des BUND in Ludwigsburg, der sich und seine Organisation als Naturschützer versteht, wünscht sich eine stabile Regierung, die „die Menschen informiert und nicht Gefühlen und Ängsten nachgibt“. Er setzt zudem darauf, dass die künftige Bundesregierung weiter an der sozialökologischen Transformation festhält und sie beschleunigt.„Dabei muss auch ein sozialverträglicher Umbau möglich sein. Der Klimaschutz muss weitergehen.“

In Freiberg am Neckar sind die Flaggen gehisst.

Foto: Werner Kuhnle

Thomas Walker, Sprecher der Bürgerinitiative Schanzacker, könnte sich eine Koalition aus CDU und SPD vorstellen. Aber unabhängig, auf welche Konstellation es hinausläuft, setzt er auf eine Regierung „die die aktuellen Probleme löst und an einem Strang zieht“. Da sich der Zulauf an Migranten zuletzt deutlich abgeschwächt habe und es genügend Bestandsimmobilien für die Aufnahme von Geflüchteten gebe, könnte für das Projekt Schanzacker gar kein Bedarf mehr sein. „In kleinen Einheiten wäre die Integration auch einfacher als in einem großen Getto“, sagt Walker.

Entwicklung sei absehbar gewesen

Dass jetzt „ein gemeinsamer Nenner“ gefunden und das Land „gut durch die Krise geführt“ wird hofft auch Onur Deniz. Der 34-jährige Gastronom betreibt in Ludwigsburg das Restaurant Viva, in Bietigheim-Bissingen das Vita. Das Wahlergebnis sei keine Überraschung. Die Richtung, in die es sich entwickelt, sei absehbar gewesen. Mit Blick auf das Aufkommen der rechten Seite betont er, dass er sich, in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger, hier wohl und heimisch fühle, nicht als Ausländer. In der Türkei, wo seine Eltern herkommen, sei er Tourist. Er hoffe generell, dass sich Deutschland gut entwickle und den guten Ruf behalte.

Wie hat der Wahlkreis Ludwigsburg gewählt?

Als junger Gastronom habe er sich informiert, welche Partei sich dafür ausspricht, die Gastro-Steuer auf sieben Prozent zu senken. Seine Gefühlslage macht er vom Wahlergebnis aber nicht abhängig. „Was bringt mir eine Steuerentlastung, wenn es dem Volk nicht gut geht. Dann kommen auch keine Gäste mehr.“ Egal ob Selbstständiger oder Arbeitnehmer, es müsse allen gut gehen.

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