COM-Netzwerk „Nefarious Maniac Cult“
: 17-Jähriger aus dem Kreis Ludwigsburg soll Jugendliche gequält haben

Ein 17-Jähriger aus der Region soll als Mitglied des „Nefarious Maniac Cults“ online mehrere Gleichaltrige zur Selbstverletzung und sexuellen Handlungen getrieben haben.
Von
Julia Amrhein
Kreis Ludwigsburg
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Social Media: Eine junge Frau liegt mit ihrem Handy auf der Couch und blickt auf das Display. (zu dpa: «Viele Jugendliche sehen Social-Media-Sucht im Umfeld»)

Die Täter erschleichen sich das Vertrauen ihrer Opfer und erpressen diese dann teilweise mit Videos und Fotos (Symbolbild).

Elisa Schu/dpa
  • Anklage gegen 17-Jährigen aus dem Kreis Ludwigsburg: Vorwurf der NMK-Mitgliedschaft.
  • Ihm werden u.a. schwerer sexueller Missbrauch, Herstellung von Kinderpornografie und Gewalt vorgeworfen.
  • Kontakt über Gaming und soziale Medien – Vertrauen, Erpressung und Zwang zu Selbstverletzung.
  • Opfer 12 bis 16 Jahre alt, Fälle in Kanada, den USA, Schweden; ein weiteres Opfer aus Australien.
  • Festnahme am 9. Oktober, zunächst U-Haft, nun Jugendhilfeheim – LG Heilbronn prüft Anklage.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Sie sind eine der erschreckendsten Entwicklungen, die es in jüngster Zeit im Internet gegeben hat: COM-Netzwerke. Dabei handelt es sich um Chat-Gruppen von Sadisten, oft selbst noch Jugendliche, die im Netz andere junge Menschen zur Selbstverletzung animieren und teils bis in den Tod quälen. Auch ein 17-Jähriger aus dem Kreis Ludwigsburg soll Mitglied einer solchen Gruppierung namens „Nefarious Maniac Cult“ gewesen sein. Gegen ihn wurde nun vonseiten des Cybercrime-Zentrums Baden-Württemberg Anklage erhoben.

Dem 17-Jährigen werden in der Anklageschrift in jeweils mehreren Fällen unter anderem der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, die Herstellung kinder- und jugendpornografischer Inhalte, gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft sowie die Mitgliedschaft in einer ausländischen kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

Kontaktaufnahme über Online-Spiele

Der Angeschuldigte steht im Verdacht, zumindest im März und April 2025 Mitglied der Gruppierung „Nefarious Maniac Cult“ (NMK) gewesen zu sein und für diese neue Mitglieder rekrutiert zu haben. Bei NMK handelt es sich um eine Gruppierung aus dem COM-Netzwerk, die durch das US-Netzwerk „764“ und den „Maniac Murder Cult“ (MKY/MKU) aus Osteuropa inspiriert wurde.

„Die jedenfalls seit 2023 bis Ende 2025 existente NMK-Gruppierung hat sich ein eigenes Logo beziehungsweise ein eigenes Symbol gegeben und verfügt über ein Organigramm, aus dem sich die Hauptmitglieder sowie die jeweilige Position dieser Personen ablesen lassen“, heißt es vonseiten der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe. Die Mitglieder standen in regelmäßigem Kontakt und tauschten sich in internen Chats über mögliche Opfer und geplante Vorgehensweisen aus.

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Es bestehe der Verdacht, dass die Mitglieder dieser Gruppierung das Ziel verfolgten, möglichst viele Opfer durch gezielte Manipulation psychisch zu kontrollieren und diese dazu zu bringen, sich selbst zu verletzen. Die Kontaktaufnahme erfolgte in der Regel insbesondere über Gaming-Plattformen, in Online-Spielen sowie in den sozialen Medien.

Nach einer Verlagerung der Kommunikation auf einen Messenger-Dienst erlangten die Mitglieder des Netzwerks durch das subtile und langsame Aufbauen einer scheinbaren Freundschaft oder einer romantischen Beziehung das Vertrauen der Opfer und gelangten so an intime oder anderweitig kompromittierende Bilder und Videos. Diese Aufnahmen wurden dann wiederum teils dafür genutzt, die Opfer zu extremeren Handlungen zu nötigen, um die Verbreitung des Materials zu verhindern.

So besteht laut Generalstaatsanwaltschaft der Verdacht, dass die Opfer gezwungen wurden, sich selbst mit Messern oder Rasierklingen Symboliken der Gruppierung, den Nutzernamen des jeweiligen Mitglieds und Botschaften in die Haut zu ritzen oder diese mit ihrem Blut an eine Wand zu schreiben. Fotos und Videos mussten dann als Beweis wiederum an die Peiniger verschickt werden: „Die erhaltenen Videoaufnahmen seien in der Folge als Trophäe in den intern geführten Chatkanälen der Gruppierung veröffentlicht worden.“

Opfer in Kanada, den USA und Schweden

Dem 17-Jährigen aus Ludwigsburg wird unter anderem vorgeworfen, in mindestens 12 Fällen den Kontakt zu potenziellen Opfern gesucht zu haben. In sechs Fällen kam es daraufhin zu erheblichen selbstverletzenden Handlungen und in vier Fällen zur Vornahme sexueller Handlungen durch die Opfer. Die weiblichen sowie männlichen Betroffenen waren zur Tatzeit zwischen 12 und 16 Jahren alt. Sie sind in Kanada, den USA und Schweden wohnhaft. Dem Ludwigsburger wird darüber hinaus vorgeworfen, zwei weitere 13 und 15 Jahre alte Mädchen zur Vornahme sexueller Handlungen gezwungen zu haben, wobei eine Australierin identifiziert werden konnte.

Der Jugendliche wurde am 9. Oktober vorläufig festgenommen, befand sich zunächst in Untersuchungshaft und ist nunmehr in einem Heim der Jugendhilfe untergebracht. Über die Zulassung der Anklageschrift muss nun das Landgericht Heilbronn entscheiden. Der Angeschuldigte war zur Tatzeit erst 16 Jahre alt. Sollte es zu einer Verhandlung kommen, wird diese also auf jeden Fall unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.