Digitaler Rundgang in Ludwigsburg
: Im Internet lebt das alte Stadtbad weiter

Das alte Stadtbad in Ludwigsburg wird zur Mensa umgebaut und ist seit zwei Jahren geschlossen. Nun ermöglicht ein digitaler Rundgang eines Architekturfotografen ein Wiedersehen.
Von
Philipp Obergassner
Ludwigsburg
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  • Online kann man immer noch das Jugendstilgebäude von innen erkunden. Auf Heiko Stachels Homepage kann man die Ansichten auch drehen, zoomen und von Bild zu Bild spazieren. Weitere Bilder finden Sie in unserer Bildergalerie.

    Heiko Stachel
  • So sah das Stadtbad unter dem Dach aus.

    Heiko Stachel
  • Und so war der Blick auf das Becken vom Obergeschoss aus.

    Heiko Stachel
  • Besonders spannend, weil unbekannt, sind die Blicke in die Katakomben des Stadtbads im Untergeschoss.

    Heiko Stachel
  • Und so sieht ein dreidimensionales Foto aus, wenn alle Bilddaten in ein Bild gegossen werden.

    Heiko Stachel
  • Gerade Linien werden bogenförmig verzerrt.

    Heiko Stachel
  • Und so soll das Stadtbad aussehen, wenn es in eine Mensa umgebaut wurde: Eine Bodenplatte soll das Becken abdecken, darauf soll Platz sein für 170 Plätze.

    Stadt Ludwigsburg
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Ludwigsburg - Seit Februar 2016 ist das alte Stadtbad in Ludwigsburg geschlossen, Bauzäune vor dem Eingang erinnern Passanten daran, dass das Jugendstilgebäude derzeit von innen umgebaut wird in eine Mensa. Der Architekt und Fotograf Heiko Stachel erweckt das alte Gebäude nun online wieder zum Leben: Auf seiner Homepage können Besucher einen digitalen Rundgang durch das Bad starten – vom staubigen Dachfirst bis zum Röhrenlabyrinth im Keller kann man Klick für Klick jeden Raum in einer 360-Grad-Ansicht begutachten. Ein beigefügter Grundriss mit allen Fotostationen erleichtert dem Nutzer die Orientierung

Die Aufnahmen entstanden quasi in letzter Minute: „Am Tag darauf wurde das letzte Mal das Wasser abgelassen“, sagt Stachel. Seit 2012 fotografiert der in Gerlingen aufgewachsene und nun in Botnang lebende 45-Jährige Gebäude, die es bald nicht mehr geben wird oder die nicht mehr zugänglich für die Öffentlichkeit sind. So hat er beispielsweise schon das Stuttgarter Wilhelmspalais vor dem Umbau zum Stadtmuseum oder die alte, von Egon Eiermann errichtete IBM-Zentrale sowie das Träuble-Areal in Gerlingen digital konserviert.

Vom Stadtarchiv Stuttgart gab es ein Empfehlungsschreiben

Stachel legt seinen Fokus auf Gebäude, zu denen viele Menschen einen Bezug haben. Er selbst wird beim Fotografieren der Anlagen immer ein wenig wehmütig: „Ich komme an Orte, die ich meinen Kindern nicht mehr zeigen kann“, sagt er. Jedenfalls nicht mehr in der analogen Welt. Dafür aber auf dem Bildschirm.

Je nach Größe der Gebäude benötigt Stachel zwischen einem und drei Tagen für die Aufnahmen. Mit dem Eigentümer ist immer alles abgesprochen. Das Stadtarchiv Stuttgart hat ihm eine Empfehlung geschrieben, die sei sehr hilfreich beim Öffnen von Türen. Sein Hobby hat dem Botnanger mittlerweile auch den ersten gewerblichen Auftrag eingebracht: Für das Haus der Geschichte in Stuttgart hat er einen digitalen Ausstellungsrundgang erstellt.

177 Bilder in sieben Stunden

Für die Nachbearbeitung der Bilder benötigt Stachel meist viermal so viel Zeit wie fürs Fotografieren. Mit zwei verschiedenen Programmen setzt er zuerst die Bilder eines Standpunkts zum Panorama zusammen, ehe er sie mit der anderen Software zu einem Rundgang zusammenbastelt. Beim Stadtbad in Ludwigsburg sind so in sieben Stunden 177 Bilder entstanden. Stachel bekam eine ungeschönte Sicht auf das renovierungsbedürftige Gebäude: In den Umkleiden kann man verdreckte PVC-Böden sehen, im Untergeschoss blätternden Putz oder gesprungene Fliesen. Auch ein Pin-Up-Kalender im kleinen Kabuff des Bademeisters hängt noch.

Badewannen im Stadtbad

Ein Augenöffner hingegen sind die weitwinkligen Aufnahmen der historischen Schwimmhalle mit ruhendem Wasser. Und mit dem Untergeschoss und seiner veralteten Technik hat Stachel einen Teil des Bads zu Gesicht bekommen, den wohl kaum ein Besucher gesehen hat.

Überrascht haben Stachel kleine Räume im Erdgeschoss des Gebäudes: Dort standen einsame Badewannen. „Hier haben sich offenbar in früheren Zeiten Leute, die kein eigenes Badezimmer hatten, zum Baden eingemietet.“

Wieder ganz analog zugänglich für Besucher soll das alte Stadtbad nach Angaben der Stadt übrigens wieder Anfang 2019 sein. Dann aber als Mensa.

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