Ditzingen: Plötzlich fehlte der Wirt: Was wird jetzt aus dem Ratskeller?

Der Ratskeller ist geschlossen.
Simon GranvilleRatskeller. Allein das Wort hat immer noch einen Wohlklang. Es schwingen Tradition und der Gedanke an gutbürgerliches Essen mit. Doch das Restaurant in der Ditzinger Ortsmitte ist seit wenigen Jahren geschlossen. Kurz vor der Sommerpause hatte sich nun der Gemeinderat mit der Zukunft des Ratskellers befasst. Wo sich bisher Gastronomie befand, soll ein flexibel nutz- und buchbarer Raum für Vereine und bürgerschaftlich Engagierte entstehen, für Ditzinger Bürger ebenso wie die Verwaltung. Läuft alles nach Plan, werden die Räume in den ersten Monaten 2026 für rund 37 000 Euro hergerichtet.
Das Ende des Gastronomiebetriebs beim Rathaus war überraschend gekommen. Von heute auf morgen, unangekündigt, soll der Pächter im Jahr 2022 den Ratskeller verlassen haben. Er hinterließ bei der Stadt offenbar Schulden und war für die Kommune zunächst nicht mehr erreichbar. Der Wirt hatte zwar hauptsächlich auf schwäbische Hausmannskost und kleine Gerichte gesetzt. Letztlich blieb unklar, warum er von jetzt auf nachher aufgab.
Die Zukunft des Ratskellers wird seit knapp einem Jahr thematisiert
Im September vergangenen Jahres befasste sich der Gemeinderat mit der Zukunft des Ratskellers. Zu diesem Zeitpunkt fiel auch die Entscheidung, keinen Gastronomiebetrieb mehr dort zu etablieren. Grundlage dafür war die Bewertung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) gewesen. Der Zustand des Ratskellers „strahlt noch den Charme der 90er-Jahre aus“, schrieb die Dehoga, und weiter: „Das Objekt befindet sich in einem sauberen Zustand und bietet nach erfolgter Renovierung grundsätzlich die Möglichkeit, für ein Betreiberpaar den Start in die Selbstständigkeit zu verwirklichen und damit bescheidene Ergebnisse zu erzielen.“ Zuvor seien jedoch umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen fällig.
Dehoga-Bericht mit deutlichen Signalen
Der Ratskeller hat t 80 Sitzplätze: der Hauptraum 36 Sitzplätze, das Nebenzimmer 20 und die Terrasse 24 – zu wenig für einen langfristigen gewinnorientierten Betrieb, so das Fazit der Dehoga. In der Dehoga-Bewertung hieß es außerdem: „Verabschieden sollte man sich vielleicht davon, dass ein Betreiber zehn Jahre am Standort festhält und dort bleibt.“
Mit Nutzungskonzept den Leerstand beenden
Der Gemeinderat beschloss daraufhin, dem „Leerstand in exponierter Lage“ mithilfe eines verändertes Nutzungskonzept zu begegnen. Ein alternatives, flexibles Nutzungskonzept sollte der Allgemeinheit dienen, für soziale und private Zwecke. Mieteinnahmen für die Stadt und die Entspannung der Raumknappheit für Bevölkerung und Verwaltung brächten weitere Vorteile, schlug die Verwaltung vor, der Gemeinderat schloss sich dem an.
Für Sektempfänge und Pop-up-Ausstellungen
Der Ratskeller soll zum flexibel buchbaren Veranstaltungsraum werden, soll Versammlungen, Veranstaltungen und Feiern ermöglichen, zugleich Mietobjekt für private Feiern und Firmenevents sein. Genutzt werden kann er auch als Ort für Workshops, kulturelle Veranstaltungen, pädagogische Angebote der Jugendpflege und des Stadtmuseums. Entstehen kann ein Ort für Sektempfänge nach Standesamtlichen Trauungen, Themenwochenenden und Pop-up-Ausstellungen. Alternativ ließe sich perspektivisch ein Bürgertreff und ein Cafébetrieb am Wochenende vorstellen, so die grundsätzlichen Überlegungen. Soweit will im Moment aber niemand planen. Erst muss umgebaut werden. Die Kosten dafür sind zwar im nächsten Jahr eingeplant. Aber die Stadt ist derzeit in einer Haushaltsnotlage: sie hat kein Geld.
