Drachenfest: Ein Hauch von Disneyland am Löchgauer Himmel
Ein große Attraktion für Kinder, ein Erlebnis für Freunde des Drachensteigens: Das zweitägige Drachenfest der Luftsportgemeinschaft Bietigheim – Lauffen – Löchgau lockte bereits am Samstagnachmittag Hunderte Besucher auf das weiträumige Segelfluggelände des Vereins zwischen Löchgau und Freudental. Die bunten Farben der vielen Flieger und ein interessiertes Publikum trugen eine fröhliche Stimmung in die herbstliche Umgebung. Eine Veranstaltung, bei der Vergnügen und Spaß förmlich in der Luft lagen.
Drachen, Fahnen, Wimpel in allen Größen
„Wir organisieren dieses Fest zusammen mit den Maltesern,“ erklärte Kai Schollenberger. Er studiert Luft- und Raumfahrtwissenschaften in Stuttgart, ist selber Segelflieger und verantwortet die Kommunikations- und Pressearbeit der Luftsportgemeinschaft. ,,Von unserem Verein ist allerdings keiner bei den Drachenfliegern, die extra anreisen.“ Das Fest, so Schollenberger, ist ein Ersatz für die früheren Flugschauen auf diesem Areal, die heute aus Sicherheitsgründen nicht mehr stattfinden können.
Längs der rot-weißen Absperrung, die den Startbereich für die Profi-Drachenfreunde kennzeichnete, zog sich ein farbenfroher Weg. Hier campierten die eingefleischten Fans dieser Liebhaberei, um den Meistern des Spiels mit dem Wind zuzuschauen. Drachen, Fahnen, Wimpel in allen Größen, Formen und Farben zogen die Besucher an; ein Hauch von Disneyland lag in der Löchgauer Luft.
Ein versierter Drachenfreund ist Reiner Kiefer, angereist aus der Gegend in der Nähe von Rottweil. Zum dritten Mal hintereinander ließ er hier seine beachtlichen Flieger in die Luft – soweit günstige Aufwinde es erlaubten. Ein großer Papagei-Drachen schmückte ebenso seinen Stand wie ein überdimensionaler „Mauli“, der Maulwurf aus der Sendung mit der Maus, der zudem ein beliebtes Motiv für Selfies war. Hinter der Absperrung ruhte der größte aller Drachen: ein Blauwal, stattliche 13 Meter lang.„Den habe ich selbst gebaut,“ sagte Reiner Kiefer. „Den gab es als Bausatz, da war er drei Meter lang. Da habe ich ihn mal oben gesehen, da war das ja nur ein kleiner Fisch.“ Als Betriebsschlosser mit jahrzehntelanger Berufspraxis besitzt Kiefer handwerkliches Geschick: „Ich habe dann einfach die Maße entsprechend skaliert, und so entstand dieser Wal.“
In der leichtesten Variante ist so ein Drachen gerade mal 28 Gramm pro Quadratmeter schwer
Seit mehreren Jahrzehnten schickt Kiefer nun schon seine Drachen auf die Himmelsreise, zunächst Lenkdrachen, beidhändig, später so genannte Einleiner, die man mit einer Hand führt. „Es ist ein großer Reiz, sich mit dem Wind zu messen,“ sagte Kiefer, „die Kräfte richtig auszutarieren.“ Auch wenn ein Drachen scheinbar still und stabil in der Luft stünde, „hat man immer was zu tun, man ist immer am Arbeiten.“ Die Flugkörper sind aus einem speziellen Nylon genäht, „ein superleichtes Material“, erläuterte Kiefer, „wie Papier, aber reißfest.“ In der leichtesten Variante ist so ein Drachen gerade mal 28 Gramm pro Quadratmeter schwer.
Die Camper an der Profi-Meile waren am Freitagabend angereist, am Sonntagabend wurde wieder zusammengepackt. Eine Gemeinschaft, die sich nicht nur in Löchgau trifft, sondern regelmäßig bei den großen Drachenfesten, die jetzt in der Herbstsaison angesagt sind. „Letztes Wochenende in Malmsheim, nächstes Wochenende dann in Münsingen,“ so Kiefer mit einem Augenzwinkern. Der Höhepunkt der Drachen-Enthusiasten schlechthin spielt sich allerdings jedes Jahr zu Pfingsten auf der dänischen Insel Fanö ab. Dort steigen dank des kräftigen Nordseewinds vom langen und breiten Strand 5000 Drachen gleichzeitig auf – „das größte Ereignis in Europa.“
Ein bisschen mehr frische Brise hätten die Drachenflieger auch gern zum Auftakt des Festes gehabt. Immerhin standen im Profi-Areal einige superleichte und formschöne Drachen in rot, pink und blau am Himmel, zu ihnen gesellte sich ein hübscher überdimensionaler schwarz-gelber Schwalbenschwanz-Schmetterling.
Auch auf den Wiesen ringsumher versuchten viele Besucher mit Drachen ihr Glück, mit wechselndem Erfolg. Der luftige Spaß schien ansteckend zu wirken. Reges Interesse galt einem Stand, wo Drachen angeboten wurden – eine breite Auswahl von zehn bis 75 Euro.









