Erinnerungen
: Warum ist eine Hütte in den Alpen nach Ludwigsburg benannt?

Dietrich Mardicke ist seit 70 Jahren Mitglied des Deutschen Alpenvereins. Zusammen mit seiner Frau Inge blättert der Oßweiler im Fotoalbum und schwelgt in Erinnerungen.
Von
Sabine Armbruster
Ludwigsburg
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  • Eine Laugenbrezel war bei den Touren von Inge und Dietrich Mardicke auch des Öfteren mit im Gepäck.

    Werner Kuhnle, privat
  • Der damalige Landrat Rainer Haas (links) und Dieter Mardicke mit einer Zeichnung der Ludwigsburger Hütte.

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  • Das Schild an der Hütte hat der Steinheimer Steinmetz Hans Dietl angefertigt.

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  • Dieses Foto dürfte aus den Sechziger- oder Siebzigerjahren stammen.

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  • Adrett gekleidet in Dirndl und Lederhosen.

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  • Ein Foto aus der Mitte der 1950er Jahre zeigt, wie einfach das Hüttenleben früher war.

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Wie es vor mehr als 25 Jahren dazu kam, dass die Lehnerjochhütte in den österreichischen Alpen in „Ludwigsburger Hütte“ umbenannt wurde, dazu gibt es unterschiedliche Versionen. Bei der Jubilarfeier der Ludwigsburger Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) erzählte der frühere Landrat Rainer Haas wie überrascht er gewesen sei, als seine Sekretärin eines Tages zu ihm gesagt habe: „Da draußen steht jemand vom Deutschen Alpenverein.“ Der damalige Sektionsvorsitzende Dietrich Mardicke wiederum wunderte sich über die Überraschung. Schließlich habe er vorher wegen eines Termins angefragt gehabt.

Wie auch immer: Mit seinem Vorschlag, die Hütte umzubenennen, hatte er Erfolg. Und deshalb gab es fortan nicht nur eine kleine finanzielle Unterstützung für die Hütte, auch ihr Bekanntheitsgrad in Stadt und Landkreis erhöhte sich. Auch die Kreisräte, die nicht nur zur feierlichen Umbenennung anreisten, waren begeistert von der Landschaft.

„Es gab Samstage, da war auf jedem der umliegenden Gipfel ein Kreisrat“, erinnern sich Mardicke und seine Frau Inge mit einem Schmunzeln. Und daran, dass die Herren viel unternehmungslustiger waren als gedacht. Während im Vorfeld noch jemand gemeint hatte, man brauche keine Wandertouren, die Kreisräte würden bestimmt auf der Terrasse bleiben und den Ausblick genießen, stürmten diese schon kurz nach der Ankunft des Busses im Zaunhof den steilen Hang hinauf.

Umbauarbeiten im Schnee

Bei besagtem Besuch war die Hütte im Vergleich zu ihrem ursprünglichen Zustand schon ziemlich modern. Ursprünglich im Jahr 1930 erbaut, wurde sie zwei Jahre später an die Sektion Zwickau des DAV verkauft, ging aber nach dem Krieg wieder in österreichischen Besitz über. 1955 erwarb sie der DAV, die Sektion Ludwigsburg übernahm erst die kommissarische Verwaltung und kaufte die Hütte dann 1972.

Günter Schranz, der Sohn der Erbauerin der Hütte, Frida Schranz.

Foto: privat

Bereits zwei Jahre zuvor hatten die Ludwigsburger eine Materialseilbahn zur Gepäckbeförderung gebaut sowie Küche, Schlaf- und die Sanitärräume erweitert. Den Kauf dieser und später auch der Hauerseehütte sah Mardicke damals übrigens kritisch: „Es blieb kein Geld mehr für die Jugend übrig.“ Und natürlich war der Umbau zeitintensiv: „Es gab Leute, die sind jedes Wochenende zum Arbeiten hingefahren.“ Der Oßweiler erinnert sich auch noch an ein langes Feiertagswochenende um Christi Himmelfahrt herum. „Da haben wir im Schnee Umbauarbeiten gemacht.“ Denn die Hütte liegt auf fast 2000 Metern, weswegen sie nur von Mitte Juni bis Mitte September geöffnet hat.

Die Verhältnisse waren am Anfang hüttentypisch einfach. „Männlein und Weiblein schliefen im selben Raum, nur Waschräume und Toiletten waren getrennt“, erinnert sich Inge Mardicke, die Mitte der Sechzigerjahre erstmals auf die Hütte kam. Duschen gab es keine, nur kaltes Wasser aus dem Hahn oder dem Brunnen. Getränke oder auch Holz für den anfangs stets qualmenden Bollerofen wurden noch im Rucksack nach oben transportiert. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Inge Mardicke erinnert sich gerne an spontane Tanzabende zu Ziehharmonikamusik.

Ansprüche der Gäste sind gestiegen

Die Ludwigsburger Hütte ist glücklicherweise immer noch kein Hotel, aber dennoch ist vieles im Laufe der Jahre komfortabler geworden. Das Brennmaterial wird inzwischen einmal jährlich mit dem Hubschrauber angeliefert. Eine teilbiologische Kläranlage wurde gebaut, für Strom und Wärme sorgen schon seit mehr als 20 Jahren Solaranlagen, es gibt einen neuen Winterraum, die Sanitärräume wurden erweitert, außerdem gibt es inzwischen eine Terrasse und sogar einen Kinderspielplatz.

Vor der Umbenennung hieß die Hütte Lehnerjochhütte.

Foto: privat

Die Ansprüche der Gäste sind gestiegen, weiß Ulrich Stark, der stellvertretende Vorsitzende der Ludwigsburger DAV-Sektion. „Heute wird gerne nach der Tour geduscht. Und es gibt eine Reihe Steckdosen für die Handy-Ladegeräte. Allerdings kein stabiles und ausreichendes WiFi – was verschiedene Vorteile hat.“

Normalerweise werden in den drei Monaten der Saison um die 1200 Übernachtungen auf der Ludwigsburger Hütte gezählt. In diesem Jahr waren es sogar 2000. Dennoch sei die Hütte bei Weitem nicht so überlaufen wie andere im Lechtal oder in Vorarlberg, es sei eigentlich immer was frei. „Entsprechend entspannter und familiärer ist die Stimmung“, so Stark. Dennoch würden sich die meisten Gäste heute vorher anmelden, sagt Mardicke. „Wir dagegen sind früher einfach so zu viert oder zu fünft losgezogen.“

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