Felix Seiter in Marbach: Zwischen Grau- und Aschtönen auch mal Rosa

Felix Seiter zeigt vorwiegend abstrakte Kunstwerke.
Avanti/Ralf PollerWer in Marbach den Namen Felix Seiter hört, bei dem leuchtet – parallel dazu – meist ein zweiter Name auf: der von Manuel Seiter. Die beiden Brüder firmieren in der Schillerstadt unter dem Künstler-Label Abelli. Ein Name, der für Schönheit steht und der den Brüdern in Italien nachgerufen wurde, als sie dort gemeinsam Bühnenbilder anfertigten.
Das sei die Geburtsstunde von Abelli gewesen, denn seitdem sind die Künstlerbrüder miteinander unterwegs. Die Seiters sind im Genre der darstellenden Kunst aktiv, und sie prägen mitunter auch das Stadtbild, wie dies etwa mit den „Drei Jungen“ der Fall war, die am Durchgang des Torturms, wie ein Magnet die Blicke auf sich zogen. Selbst so mancher Tourist kennt die Werke des Bruder-Duos: die Wandgemälde in der Bahnhofs-Unterführung.
115 große und kleine Exponate
Doch am Wochenende ging es einmal allein um Felix Seiter und seine Kunst, die mit 115 großen wie kleinen Exponaten im raumgewaltigen Alten Kino drei Tage lang ins Auge fiel. „Doch auch da ist die DNA meines Bruders allgegenwärtig“, verriet Felix Seiter. „In irgendeiner unterstützenden Form steckt sie in fast jedem Bild. Es sind zwar meine Motive, aber an einem Bild hängt so viel mehr dran.“ So lobte Felix etwa „Manuels guten Blick bei der Aufteilung eines Bildes“. Deshalb sei auch er es, der die Entwürfe am Computer anfertigt, wenn es um Auftragsarbeiten geht, erläuterte Felix, der sich sichtbar über jeden Besucher freute, der in das zur Galerie umfunktionierte Gebäude kam. Sein Bruder Manuel ist mit seiner Einzelausstellung dann im September dran. Denn für beide gibt es heuer etwas zu feiern: 20 Jahre sind die Brüder nunmehr erfolgreich unterwegs und versuchen „selbst die Schwaben, die finanziell ihren Fokus gewöhnlich auf andere Dinge legen, von guter Kunst zu überzeugen“.
Im Alten Kino erstrahlte indes die Vielfalt von Felix’ Werken, die neben den vielen Grau- und Aschtönen auch mal Rosa zulässt. Vielfach abstrakt und dabei geheimnisvoll, zeigen sich darunter auch Köpfe und Personen. Meist wirken diese abwesend oder sie sind auf etwas fokussiert, das sich dem Betrachter entzieht. So wie der Alte, der rauchend sinniert und dessen Blick entweder in die Ferne oder tief in sich hinein gleitet.
Abgerissene Fragmente
Die Aussagekraft der Bilder, die teils als Collage oder auch als Decollage, also mit abgerissenen Fragmenten, daher kommen, verteilt sich auf fünf Schaffensperioden. Alle haben sie, entsprechend der räumlichen Bedingungen und Umstände, Einfluss auf die Entstehung genommen. Die Bilder der ersten Epoche entstammen dem gerade mal 3 auf 4 Meter kleinen, fensterlosen Raum in der Niklastorstraße.
„Es sind Werke, die heute immer noch viele Menschen fesseln“, wie Felix betont. Dass es diese Wirkung auf seine Bilder gibt, macht ihn froh. Genauso wie „das Talent zu haben, etwas so zu erfassen und umzusetzen, dass ich viele Leute damit abholen kann. Das Auge eines Künstlers ist nun einmal anders“, weiß der Maler, der anfangs mit dem Steinheimer Künstler Tilo Mirisch gearbeitet und viel von ihm gelernt hat.
Zunächst eine Ausbildung zum Raumausstatter absolviert
Vorab jedoch – „um etwas Sicheres in der Tasche zu haben“ – absolvierte Felix eine Ausbildung zum Raumausstatter. Nach der Phase mit Mirisch ging er nach Italien –Epoche zwei - wo er in Lazise am Gardasee allein und einen Winter lang, Hintergrundkulissen für einen Auftraggeber gemalt hat. Im zweiten Jahr kam Manuel hinzu, mit dem er sich das berufliche Standbein in Marbach aufgebaut hat. Epoche drei zeigt Werke, die in der Kopfsteingalerie der Wildermuthstraße, Epoche vier Bilder, die in einer Industriehalle in Erdmannhausen gefertigt wurden.
„Jede Räumlichkeit, jede Lichtveränderung verändert die Tätigkeit“, sagt Felix, der mit Manuel nun das Alte Kino als kulturelles Zentrum erwecken will und dort Malkurse für Kinder und Erwachsene anbietet. Dabei sind großformatige Unikate entstanden, die der fünften Epoche zuzuordnen sind.