Fest am Bach
: Großbottwar zeigt Mut zu Neuem

Ein etwas anderes Straßenfest wurde in Großbottwar (Kreis Ludwigsburg) gefeiert. Wo sonst mittelalterliche Häuser die Szenerie prägen, wurde heuer vor der Harzberghalle gefeiert.
Von
Cornelia Ohst
Ludwigsburg
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Auch musikalisch war vor der Harzberghalle in Großbottwar viel geboten.

Werner Kuhnle

Sie sind guter Dinge und gehen mit Optimismus an die veränderte Situation heran: die Vereine und Entscheidungsträger aus der Verwaltung. So jedenfalls zeigte die Stimmung am Samstag, als das „Fest am Bach“ – das ist der neue Name für das kollektive Feiern, das früher Straßenfest hieß und inmitten des historischen Weinorts stattfand – eröffnet wurde. Jetzt ist es ein großer, weitläufiger Platz auf dem Zelte, Schankwagen und Biertischgarnituren zum Verweilen einladen.

Die Logistik ist für die Vereine einfacher

Die vielen blauen Sonnenschirme geben der Szenerie etwas Fröhliches. „Ja, es gehört zur Wahrheit dazu, dass dies jetzt ein anderes Fest ist“, urteilte Bürgermeister Ralf Zimmermann im persönlichen Gespräch. „Ich nehme jedoch wahr, dass es eine große Vorfreude bei den Vereinen gibt. Wir testen das jetzt einfach aus.“

Hintergrund ist, dass es für die Vereine logistisch wesentlich einfacher ist, das Fest dort zu organisieren. Die Infrastruktur – etwa Strom und Wasser – sind bereits vorhanden. „Außerdem wurde der Platz für Feste konzipiert“, so Zimmermann.

Die Gründe für den veränderten Standort liegen auch in der allgemeinen Sicherheitslage. Dieter Rudolf, Vorsitzender des Festausschusses, der das Amt inzwischen 24 Jahre begleitete, drückte mit seinem Grußwort nicht nur die Hoffnung aus, dass das Fest „weiterhin gute Werbung für die Stadt ist“, er erklärte außerdem, dass er seine Aufgabe in neue Hände legen werde. Rudolf streifte bei seiner Rede die Tatsache, dass die Sicherheitsvorschriften es nicht mehr möglich machten, direkt im Stadtkern zu feiern. Dadurch sei für Vereine und Stadtverwaltung die Notwendigkeit entstanden, ein neues Konzept zu finden und umzusetzen.

Neues Festlogo mit tanzendem Storch

Zehn Sitzungen habe es gedauert, bis die Entscheidung stand. „Wir haben diskutiert, abgewogen und das Resultat schließlich umgesetzt.“ In Anlehnung zum Begriff „Stadt am Bach“ sei auch der neue Name „Fest am Bach“ gewählt worden. Ein neues Festlogo – eines mit tanzendem Storch – wurde ebenfalls entwickelt.

Ralf Zimmermann begrüßte nicht allein die zahlreichen Gäste, er lobte auch das „tadellose Wetter“ und bestätigte der Premiere aus seiner Sicht: „Das Ganze hat sich gelohnt.“ Der Schultes dankte allen Beteiligten für das gute Miteinander und die erfolgreiche Zusammenarbeit und zeigte seine Freude „über die starken und engagierten Vereine“. Er betonte aber auch, dass so ein Fest nicht allein von der Örtlichkeit lebe, sondern vor allem von den Gästen. Diese forderte er auf, sich viel Zeit für das Miteinander zu nehmen.

Unter den Gästen begrüßte Zimmermann auch den aktuellen Weinprinzen Moritz Ocker. Der brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass das Großbottwarer Fest nun weitergehe. Seinen speziellen Dank aber richtete er an die Genossinnen und Genossen der Bottwartaler Winzer, die dort ihre geernteten Trauben abgeben: „Die Basis für den guten Wein.“ Ocker verließ das Rednerpult nicht, ohne eine konkrete Empfehlung auszusprechen, die für heitere Resonanz beim Publikum sorgte: Er empfahl – aufgrund der aktuell angespannten Lage auf dem Weinmarkt – pro Kopf jede Woche eine Flasche Württemberger Wein zu trinken: „Um unser Kulturgut zu retten!“

„Bleibat da und leerat dr Geldbeudel“

Markus Brosi ist Vorsitzender des Großbottwarer Musikvereins und sprach für alle beteiligten Vereine von „einer Zeit für Veränderung“. Denn fast 50 Jahre habe das Straßenfest im Ortskern gefeiert werden können: „Das jedoch ist heutzutage nicht mehr darstellbar.“ Mit klaren, festen Worten richtete er seine Aussagen in Richtung der Politiker und forderte: „Tun Sie etwas, um es uns allen leichter zu machen. Uns Vereine erdrückt die Gesetzgebung.“

Doch Brosi blickte positiv in die Zukunft und forderte generell auf, Mut für Neues zu entwickeln. „So wie die Vereine hier. Nehmen wir den Platz in Beschlag, so wie er ist. Bleibat da und leerat dr Geldbeudel“, lautete sein Tipp. Die Vereinsmitglieder hätten jetzt schon festgestellt, dass hier vieles leichter zu handhaben sei. Brosis schlussendlicher Dank galt dem scheidenden Vorsitzenden des Festausschusses, Dieter Rudolf, dem ein kräftiger Applaus zuteil wurde.

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