Feuerwehr Gerlingen: 17 Millionen Euro – und das Gerätehaus „brennt“ noch immer

Das aktuelle Feuerwehrgerätehaus genügt nicht mehr.
Simon GranvilleMuss etwas schnell gehen, sagt man gerne, dass „es brennt“. Geschwindigkeit ist gerade bei der Feuerwehr das A und O. Im Notfall müssen alle Abläufe möglichst reibungslos funktionieren. In Gerlingen „brennt“ es ausgerechnet beim Thema Feuerwehrgerätehaus seit Jahren. Dass die Gebäude in der Maybachstraße in fast jeder Hinsicht zu klein sind, um einen ungestörten und optimalen Betriebsablauf zu gewährleisten, darauf hat bereits der Vorvorgänger des aktuellen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr vor mehr als zehn Jahren hingewiesen.
Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Bedarfsanalyse sowie eine anschließende Machbarkeitsstudie haben jetzt für Klarheit gesorgt: Der erstellte Mängelkatalog hatte bereits 2024 einen zusätzlichen Flächenbedarf von über 500 Quadratmetern zutage gefördert. So fehlt es der Feuerwehr zum Beispiel an ausreichend Stellplätzen für die Einsatzfahrzeuge sowie an Lagerflächen.
Die Gerlinger Feuerwehrfrauen brauchen eine Umkleide und Sanitärräume
Dass Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sein können, hatte man offenbar in der Vergangenheit ebenfalls nicht auf dem Schirm: Für sie fehlen eigene Sanitärräume, die bestehenden Umkleiden für Frauen sind nur improvisiert. Zusammengefasst hat Feuerwehrkommandant Robert Moll jetzt vor dem Gemeinderat noch einmal darauf hingewiesen, dass aktuell das Feuerwehrgerätehaus „gegen Unfallverhütungs- und Arbeitsschutzvorschriften“ verstoße. Zu der Gremiensitzung im Rathaus war die Feuerwehr in Mannschaftsstärke angerückt.

Zu der Gremiensitzung im Rathaus war die Feuerwehr in Mannschaftsstärke angerückt.
Foto: Torsten SchöllDie Machbarkeitsstudie, die sich an die Bedarfsanalyse anschloss, hatte ergeben, dass der ursprünglich vorgesehene Plan, die Sanierung und Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses, tatsächlich nicht realisierbar ist, ohne während des Sanierungszeitraums von vier bis fünf Jahren den Feuerwehrbetrieb einzuschränken. Die Studie hatte zudem ans Licht gebracht, dass sich bei einem Teilneubau am jetzigen Standort auf Grund der beengten Platzverhältnisse weiterhin „strukturelle Zwänge“ ergeben würden. Auch wäre eine potenzielle Erweiterung in der Zukunft auf dem Areal in der Maybachstraße unmöglich.
Die prognostizierten Kosten lägen bei dieser Sanierungsvariante am Ende trotzdem bei knapp 16 Millionen Euro. Das sind über fünf Millionen Euro mehr als noch im vergangenen Jahr erwartet wurde, auch weil nun die Kosten für die teilweise nötig werdenden Interimsflächen eingepreist wurden und auch die Baukostenprognose inzwischen höher liegt.
Noch teurer käme ein Neubau am aktuellen Standort inklusive einer kompletten Interimslösung. Die anschließenden Einschränkungen auf dem kleinen Grundstück wären hierbei dieselben. Bleibt also nur eine dritte Variante: der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses an einer ganz anderen Stelle. Der Betrieb am heutigen Standort könnte so uneingeschränkt fortgesetzt werden. Dass das die beste Lösung ist, darüber waren sich nicht nur die Stadtverwaltung, die mit der Machbarkeitsstudie beauftragten Architekten und die Feuerwehrführung einig, sondern am Ende ohne Ausnahme auch die Stadträte – trotz der hierbei zu erwartenden Kosten von über 17 Millionen Euro.

Kommandant Robert Moll
Foto: Torsten Schöll„Für Gerlingen ist das eine erhebliche Summe“, mahnte FDP-Stadträtin Annette Höhne-Thye, die zugleich betonte, dass die Feuerwehr Vorrang vor anderen Projekten haben müsse. Dass es bei den genannten 17 Millionen Euro bleibt, ist indes eher unwahrscheinlich. Aktuell ist völlig unklar, ob die Stadt ein eigenes geeignetes Grundstück besitzt, das alle Anforderungen für eine Feuerwehreinsatzzentrale erfüllt. Gut möglich deshalb, dass ein Grundstück erst noch erworben werden muss.
Den potenziellen Standort in Abstimmung mit der Feuerwehr zu finden, will die Stadt nun möglichst schnell in Angriff nehmen. Erst dann kann weiter geplant werden.