Filmakademie Ludwigsburg: Das Trauma von Kindern in der Ukraine – ein Kurzfilm, der unter die Haut geht

Producer mit Hauptdarstellerin und Regisseur: Marco Henn, Lika und Alex Kühn (von links)
/Hanno DallSeit sieben Jahren sind sie ein Team: Marco Henn und Alexander Kühn. Beide sind sie Studenten des Fachbereichs „Werbefilm“. Henn als Producer und Kühn als Regisseur. Vor kurzem nahmen sie glückstrahlend ihr Diplom an der Filmakademie Ludwigsburg entgegen. Mit ihrer Abschlussarbeit legten sie – wie sollte es anders sein – einen Film vor, der Bewusstsein schaffen soll.
In ihrem Fall ein Film, der für den guten Zweck entstanden ist und der just nach seiner Fertigstellung auch der Organisation Voices of Children zur Verfügung gestellt wird. Denn in „If I could fly“, so der Filmtitel, geht es um ein zehnjähriges Mädchen, das die traumatischen Erlebnisse der Flucht vor dem Ukrainekrieg und die daraus folgende Trennung von ihrem Vater verarbeitet. In ihren Träumen, in denen sie fliegen kann, macht sie sich auf die mutige Suche nach dem Vater, um ihn zu fragen, wann er nach Hause kommt.
Soweit hört sich die Geschichte wie viele andere interessante Stories an, die sich mit der Entstehung eines Abschlussfilms beschäftigen. Doch Marco Henn, der bereits seit dem ersten Jahr seines Studiums mit dem Regie-Studenten Alexander Kühn gemeinsame Sache macht und seither spannende Filmprojekte mit ihm angeht, erzählt bereits eine Erfolgsstory. Kühn und Henn treten fachintern nämlich gerne mal als Abräumer bei den verschiedenen Wettbewerben in deren Fachsparte Werbefilm auf.
Mit Größen aus dem Filmgeschäft zusammengearbeitet
Internationale Awards wie etwa den Young Directors Award Cannes, den Deutschen Nachwuchswerbefilmpreis oder auch den Deutschen Wirtschaftsfilmpreis haben der Alexander Kühn sowie Producer Marco Henn, der sich im Detail dafür einsetzt, dass eine Film-Idee auf dem Papier in die Tat umgesetzt wird, inzwischen gewonnen.
Das beeindruckende Netzwerk an Filmschaffenden, das die beiden peu à peu aufgebaut haben, hilft ihnen bei dieser ambitionierten Arbeit – und dabei, an hochkarätige Fachleute heranzukommen. So auch bei ihrem jüngsten – und was die Ludwigsburger Filmakademie betrifft – auch letzten Projekt. Denn bei diesem haben sie mit wahren Größen aus dem Filmgeschäft zusammengearbeitet: Top-Kameraleute wie Jan David Gunther, der Special Effect-Künstler Gerd Nefzer mit Team sowie im Stuntman-Bereich, die Profis Ralf Haeger und Leo Plank, die sich für gewöhnlich an Kassenschlagern wie Spiderman, Matrix oder John Wick abarbeiten.

Das Cover-Bild von „If I could fly“
Foto: cfDer Clou dabei: sämtliche Unterstützer haben bei dem als Social Film deklarierten, sieben Minuten dauernden Ergebnis mitgewirkt, ohne einen Cent dafür zu verlangen. „Sie alle haben sich unserem Projekt aus Leidenschaft für die gute Sache angenommen“, sagen Marco Henn und Alexander Kühn über diese außergewöhnliche Wertschätzung, die dabei helfen soll, kriegsgeschädigten Kindern Gehör zu verschaffen. Die Botschaft dahinter lautet: „Unsere Gesellschaft muss für diese Kinder da und stark sein.“
In dem szenischen Kurzfilm „If I could fly“, bei dem mit visuellen Effekten auch eigene Welten erschaffen wurden, sind reichlich Stunts zu finden. Anzhelika Eshbaieva, die junge Ukrainerin, die das im Traum fliegende Mädchen spielt, „ist ganz heiß darauf gewesen, möglichst viele Stunts selbst zu spielen. Wir haben drei Monate mit ihr geprobt, so dass wir zu etwa 95 Prozent die Stunts mit ihr drehen konnten“, sagt Marco Henn beeindruckt, der sich als Producer auch um sämtliche Aufgaben bei den Drehs kümmert. „Es ist eine tolle Sache, wenn das Mädchen am Kran hängt, weil wir Szenen drehen, in denen sie ja fliegt.“
Dass sowohl Anzhelika als auch die drei Schauspieler, die deren Schwester, Mutter und Vater verkörpern, ukrainischer Herkunft sind, mache den Film noch authentischer, sagt Henn, der sich der Tragweite seiner Gefühle und der immensen Betroffenheit, die sich im Laufe der Dreharbeiten eingestellt hätten, anfangs so nicht bewusst war.
Eine ganz andere Sicht auf die Dinge bekommen
„Da stand ich dem Thema noch neutral gegenüber. Durch die Dreharbeiten aber habe ich eine ganz andere Sicht auf die Dinge bekommen, weil wir so viele, intensive Kontakte zu Betroffenen (Komparsen, Hilfskräfte) aus der Ukraine hatten. Schnell habe ich festgestellt: Das geht total unter die Haut.“
Und auch die weiteren Eckdaten des Projekts sprechen eine Sprache, die fasziniert: Aktuell haben sich über achthundert Ehrenamtliche in irgendeiner Form an dem Film beteiligt, der nun nach 16 Drehtagen, einem Jahr Planung und insgesamt zweieinhalb Jahren Projektdauer mit der noblen Unterstützung zahlreicher Sponsoren, ein gutes Ende gefunden hat.
Am 8. März rauschte „If I could fly“ nun zum ersten Mal über die Leinwand; und zwar in großem Stil. In Berlin, wo auch rund die Hälfte der Drehzeiten standfanden, fand auch die Premiere mit rund zweihundertfünfzig Gästen statt. Weitere Drehorte waren Bochum, München, London sowie Drehorte hier in der Region. In Stuttgart, Ludwigsburg sowie in den Besigheimer Flüchtlingscontainern wurden ebenfalls wesentliche Film-Szenen gedreht.Der Film ist ab sofort auf Youtube unter www.youtube.com/watch?v=bP6w9Tmr6ZA unter „If i could fly – Voices of children“ einsehbar. Die Filmmacher spenden mit dem Film Spenden, um psychologische Unterstützung für vom Krieg betroffene Kinder bereitzustellen. Die Mittel helfen der Wohltätigkeitsorganisation Voices of Children, einen Teil ihrer Arbeit zu finanzieren. Gespendet werden kann über diesen Link: https://voices.org.ua/en/projects/IfICouldFly-Fundraiser