Folgen der Wohnbau-Flaute
: Weniger Neubau kostet Wirtschaft im Kreis Ludwigsburg 77 Millionen Euro

Aktuelle Wohnbau-Zahlen für den Kreis Ludwigsburg zeigen, wie viel weniger gebaut wird – das liegt auch daran, dass sich junge Menschen kein Eigentum leisten können.
Von
Emanuel Hege
Kreis Ludwigsburg
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Die Erneuerung seiner Regenrinne kam einem Mann teuer zu stehen: ARCHIV - 03.05.2022, Sachsen, Leipzig: Ein Dachdecker arbeitet auf einem Einfamilienhaus am Leipziger Stadtrand. (zu dpa: «Polizei warnt vor betrügerischen Handwerkern») Foto: Jan Woitas/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Auch Handwerksunternehmen geraten durch die geringe Wohnbautätigkeit unter Druck.

Jan Woitas/dpa
  • Wohnbau bricht im Kreis Ludwigsburg ein – Unternehmen verlieren rund 76,7 Mio. Euro Umsatz.
  • 237 neue Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern, zuvor im Schnitt 385 pro Jahr.
  • Betriebe leiden entlang der Kette: Bau, Handwerk, Architektur, Planung und Gartenbau.
  • Wohneigentum für 25- bis 45-Jährige oft nur mit Familienhilfe erreichbar.
  • Pestel-Institut fordert Bundesplan für Eigentum, verweist auf wirksames Baukindergeld.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für viele Menschen im Kreis Ludwigsburg rückt der Traum vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung weiter in die Ferne. Gleichzeitig bekommt die regionale Wirtschaft die Zurückhaltung beim Wohnungsbau zu spüren. Im vergangenen Jahr entstanden im Landkreis lediglich 237 Wohnungen in neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern. Zwischen 2020 und 2022 waren es im Schnitt noch 385 Wohnungen pro Jahr. Das geht aus einer Wohnungsmarkt-Untersuchung des Pestel-Instituts hervor, die im Auftrag der Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“ erstellt wurde.

Die Folgen für die regionale Wirtschaft sind nach Berechnungen des Instituts erheblich. Durch den Rückgang seien den Unternehmen im Kreis im vergangenen Jahr rund 76,7 Millionen Euro Umsatz entgangen, sagt Pestel-Chefökonom Matthias Günther. Betroffen seien nicht nur Bauunternehmen, sondern auch Handwerksbetriebe, Architekten und Planer. „Das fängt beim Grundstückskauf an und geht bis zum letzten Pinselstrich im Haus, bis zum Anpflanzen von Bäumen und Büschen im Garten“, erklärt Günther.

Eigentum häufig nur mit Unterstützung der Familie

Für Haushalte mit mittleren Einkommen wird Wohneigentum der Studie zufolge zunehmend schwer erreichbar. Mike Kammann, Vorsitzender des Kuratoriums der Schwäbisch Hall-Stiftung und Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall, sieht insbesondere die 25- bis 45-Jährigen betroffen. Selbst mit einem durchschnittlichen Einkommen sei ein Haus oder eine Wohnung im Kreis Ludwigsburg häufig nur noch mit Unterstützung der Familie finanzierbar, etwa durch ein vorgezogenes Erbe. Aus der sogenannten „Nestbauer-Generation“ drohe damit, eine „Generation Miete“ zu werden.

Das Pestel-Institut fordert deshalb einen langfristigen „Wohneigentumsplan des Bundes“ mit konkreten Zielmarken für die Entwicklung der Eigentumsquote und entsprechenden Förderprogrammen. Günther verweist auf die „letzte effektive Förderung“ des Bundes, das Baukindergeld. Nach Berechnungen des Instituts habe jeder Förder-Euro wiederum 3,70 Euro an staatlichen Einnahmen ausgelöst – somit sei die Förderung ein Gewinn für alle gewesen.

StZ Kreis Ludwigsburg
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Für die Autoren der Studie geht es dabei nicht allein um Immobilienpreise oder die Bauwirtschaft. Wohneigentum könne auch bei der Altersvorsorge eine wichtige Rolle spielen. Zugleich könne mehr Wohneigentum den angespannten Mietmarkt entlasten und damit auch die regionale Wirtschaft unterstützen, argumentiert das Pestel-Institut. Hinter dem Wohneigentum stecke am Ende auch ein wichtiger sozialer Aspekt. „Wer mit einem mittleren Einkommen im Kreis Ludwigsburg bereit ist, zu sparen, muss auch wieder die Chance auf Wohneigentum und damit auf soziale Sicherheit – gerade im Alter – bekommen“, sagt Mike Kammann.