Gartenschau-Projekt: Macht Vaihingen mit der Enzspitze dem Deutschen Eck Konkurrenz?

Die Spitze der Enzspitze – in Vaihingen mischt sich Realpolitik mit Phantasie und viel Humor.
Stadt Vaihingen/Werner KuhnleWer bislang am Ufer der Enz spazieren ging, konnte sie zwar sehen, aber nicht betreten: jene kleine, spitz zulaufende Landzunge, die aussieht, als sei sie eine Miniaturausgabe des berühmten Deutschen Ecks in Koblenz – nur ohne Reiterstandbild und ohne touristische Großkulisse. Doch das könnte sich bald ändern.
Die Stadt Vaihingen hat das „Vaihinger Eck“, wie die markante Enz-Inselspitze inoffiziell schon länger genannt wird, nun gekauft – und damit den Weg freigemacht, das bisher privat genutzte Areal in das Gelände der künftigen Gartenschau zu integrieren. Für die Bürger bedeutet das vor allem eines: Erstmals darf die einst unerreichbare Enzspitze betreten und gestaltet werden.
Ein Eck mit Geschichte – und Zukunft
Entstanden ist das kleine Stück Land erst im Zuge der Enzregulierung in den 1950er-Jahren, wie Stadtarchivarin Andrea Majer erklärt. Mit der Stilllegung des Mühlkanals bildete sich die charakteristische Form heraus, die auf alten Luftbildern bereits gut erkennbar ist. Seitdem stand die Ecke zwar im Stadtbild, blieb aber unzugänglich – und wucherte in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu, sehr zum Unmut vieler Vaihinger.
Nun soll aus dem verwunschenen Winkel ein öffentliches Filetstück werden. Der Gartenschau-Chef Norbert Geissel zeigt sich begeistert: „Besonders attraktiv ist, dass wir damit einen weiteren Zugang zur Enz schaffen.“ Welche konkreten Maßnahmen folgen, entscheidet der Gemeinderat. Der Oberbürgermeister Uwe Skrzypek betont jedoch schon jetzt: „Die Ideen sind vielfältig.“
Konkurrenz für Koblenz – zumindest im Kleinformat
Bei einem Fototermin erkundete der OB das neu erworbene Terrain – stilecht in Begleitung seiner Stocherkahn-Kollegen. Eine Drohne hielt die Lage der Inselspitze fest, die sich tatsächlich so malerisch präsentiert, dass man sich fast ein Denkmal darauf vorstellen könnte.
Und genau hier beginnt der humorvolle Vergleich, der in Vaihingen bereits die Runde macht: Wenn Koblenz sein „Deutsches Eck“ hat, warum sollte Vaihingen nicht mit einem „Enz-Eck“ dagegenhalten?
Zugegeben: Statt Rhein und Mosel treffen hier Enz und Innenstadtflair aufeinander. Und statt über einer Großstadt thront die Spitze zwischen Weingärten, Fachwerk und allen Vorzügen eines überschaubaren Mittelzentrums. Aber gerade diese Mischung entfaltet Charme. Manch einer in der Stadt witzelt bereits, dass man vielleicht doch ein kleines, aber feines Wahrzeichen errichten sollte – oder zumindest eine Aussichtsplattform, die die Enz und die Altstadt neu inszeniert.
Ein inspirierender Ort im Werden
Ob die Vaihinger Enzspitze tatsächlich zum schwäbischen Pendant des Deutschen Ecks wird, bleibt abzuwarten. Doch schon jetzt zeigt der Ankauf: Die Stadt denkt mutig und nutzt jede Chance, ihr Gartenschauprojekt weiter aufzuwerten.