Gastronomie auf dem Dorf: Wirtshaussterben im Kreis Ludwigsburg: Drei Gaststätten, drei Wege

Dorfgaststätten sind nicht nur Orte, um sich den Bauch vollzuschlagen – sie sind soziale Treffpunkte.
Lichtgut/Julian Rettig- Dorfwirtshäuser verschwinden, vielerorts fehlen Gaststätten als Treffpunkte.
- Erligheim: „Grüner Baum“ seit Ende 2022 zu, Gemeinde setzt auf Einzelvermarktung.
- Hoheneck: „Krone Alt-Hoheneck“ insolvent, nach zwölf Jahren voraussichtlich Ende September Schluss.
- Gründe laut Pächtern: Krisen, Kostenanstieg, Personalwechsel und starke Nachfrageschwankungen.
- Hohenhaslach: „Rose“ hält Tradition mit Metzgerei, lebt von Touristen und Mittagstischgästen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach Einschätzung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sind 138 von 1101 Kommunen in Baden-Württemberg „gastronomisch unterversorgt“. In 48 Kommunen gibt es überhaupt keine Gaststätte mehr. Das klassische Dorfwirtshaus verschwindet – und damit oft auch ein wichtiger Treffpunkt für die Gemeinschaft.
Die SPD-Landtagsfraktion hat beim Wirtschaftsministerium nach der Entwicklung der Gastronomie im Land gefragt. Während der Tourismus boomt, geht das gastronomische Angebot vor allem im ländlichen Raum zurück. „Es geht nicht nur um das Angebot an Essen und Trinken: Gaststätten sind wichtige Treffpunkte für die Gemeinschaft und verdienen unsere Unterstützung“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD, Stefan Fulst-Blei.
Wie steht es um die Wirtshäuser im Landkreis Ludwigsburg? Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Entwicklung sein kann.
1. Grüner Baum in Erligheim
Seit Ende 2022 ist die Erligheimer Traditionsgaststätte „Grüner Baum“ geschlossen. Sie ist Teil eines städtebaulichen Projekts rund um die Große Scheune. Nachdem der bisherige Investor und Bauträger Insolvenz angemeldet hat, muss die Gemeinde ihre Pläne überdenken.
Was das Ende des „Grünen Baums“ für die Dorfgemeinschaft bedeutet, beschreibt Bürgermeister Rainer Schäuffele. Vereine und Kulturtreibende nutzten inzwischen verstärkt das Bürgerhaus „Vordere Kelter“, auch Familienfeiern fänden dort statt. Allerdings müsse die Bewirtung jeweils selbst organisiert werden. Die Kesselschenke werde ebenfalls häufiger für Feiern angemietet. „Die Dorfgemeinschaft hilft sich somit selbst.“

Seit Ende 2022 ist der „Grüne Baum“ in Erligheim geschlossen.
Oliver BürkleAuch für Trauerfeiern gibt es inzwischen eine ehrenamtliche Lösung: Im Bürgerhaus wird für größere Gruppen ein Trauercafé organisiert. „Das Angebot ist inzwischen sehr gefragt“, sagt Schäuffele. Vor allem ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger bedauerten das Ende des Gasthauses. Mit dem „Grünen Baum“ seien viele Erinnerungen an Familienfeiern und die Kirbe verbunden.
Beim städtebaulichen Projekt setzt die Gemeinde nun auf eine Einzelvermarktung der denkmalgeschützten Gebäude. Die Suche nach einem großen Investor für das gesamte Areal sei nach der Insolvenz der Jako Baudenkmalpflege und wegen der schwierigen Lage der Bauwirtschaft erfolglos geblieben. „Somit haben wir uns schweren Herzens von dem Gesamtkonzept für das Areal ‚Grüner Baum/Große Scheune‘ verabschiedet“, sagt Schäuffele.
2. Krone Alt-Hoheneck Ludwigsburg
Auch im Ludwigsburger Stadtteil Hoheneck heißt es Abschied nehmen: Die Pächter der Krone Alt-Hoheneck, Markus und Nathalie Fetzer, geben nach zwölf Jahren auf. Das Restaurant mit seinem kulturellen Angebot ist insolvent. Voraussichtlich Ende September ist Schluss.
„Wenn ich so auf die letzten zwölf Jahre zurückschaue, waren die ersten sechs geprägt von Wachstum und die zweiten sechs von Krisenmanagement“, sagt Markus Fetzer. Auf die Corona-Pandemie folgten weitere Krisen. Gleichzeitig stiegen Energie- und Lebensmittelpreise, der Mindestlohn wurde erhöht. Auch personelle Wechsel belasteten den Betrieb.
Die Fetzers verstanden die Krone Alt-Hoheneck als Gasthaus im besten Sinne – als Ort der Begegnung. Neben dem Essen gab es Karaoke, Quiz-Abende und weitere Veranstaltungen. „Essen und Trinken anzubieten, reicht alleine nicht, man muss das große Gebäude auch bespielen“, sagt Fetzer. Doch auch diese Konzepte gingen nicht immer auf.
Vor allem die starken Schwankungen machten die Planung zunehmend schwierig. „Es kam vor, dass es an einem Samstag krachend voll war und am nächsten gähnend leer. Man kann einfach nicht mehr planen“, resümiert der Gastronom. Vorwürfe will er dennoch niemandem machen.
Eine Zukunft für die Krone könne er sich grundsätzlich vorstellen. Dafür müssten allerdings viele Faktoren zusammenkommen. Eine Möglichkeit wäre aus seiner Sicht, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen – etwa über Beteiligungen nach dem Vorbild der solidarischen Landwirtschaft.
3. Rose in Sachsenheim
Einer der wenigen verbliebenen Dorf- beziehungsweise Landgasthöfe in der Region ist die „Rose“ im Sachsenheimer Teilort Hohenhaslach. Das Haus gibt es seit weit über 100 Jahren. Heute wird es in vierter Generation von Andrea und Manfred Näher geführt.
Nur von den Dorfbewohnern könnte die Familie den Betrieb allerdings nicht mehr tragen. „Wir haben viele Gäste, die sich aus Tagestouristen wie Radfahrern oder Wanderern rekrutieren“, sagt Manfred Näher. Hinzu kommen Geschäftsleute, die wegen des täglich wechselnden Mittagstischs in der „Rose“ Station machen. Dienstags bleibt das Gasthaus geschlossen.
Die „Rose“ ist mehr als ein Gasthof. Wie früher auf dem Land häufig üblich, gehört auch eine kleine Metzgerei zum Betrieb. „Mit dieser Kombination sind wir mittlerweile eines der ganz wenigen Häuser in der Region“, sagt Näher. Für ihn ist es eine Herzensangelegenheit, diese Tradition fortzuführen. Auf der gutbürgerlichen Speisekarte stehen schwäbische Spezialitäten wie Rostbraten, Kässpätzle, saure Kutteln und Sauerbraten. Bei Kindern beliebt sind „Spätzle mit Soß“.
Die Beispiele zeigen drei unterschiedliche Entwicklungen: Wo ein Traditionslokal schließt, muss die Dorfgemeinschaft neue Treffpunkte finden. Wo ein Betrieb aufgibt, stellt sich die Frage nach einem tragfähigen neuen Konzept. Und wo Tradition weitergeführt wird, reicht die Kundschaft aus dem eigenen Ort kaum noch aus.
