Häuserflohmarkt in Marbach
: Die wohl außergewöhnlichste Flohmarkt-Kulisse der Region

Die Bewohner der Holdergassen in der Marbacher Altstadt öffneten am Samstag ihre Häuser, Höfe und Garagen. Fünf berichten von den persönlichen Geschichten hinter den Gegenständen – und warum der Flohmarkt so besonders ist.
Von
Emanuel Hege
Ludwigsburg
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  • Die Bewohner der Holdergassen waren kreativ und putzten ihre Straßen heraus.

    S. Granville
  • Die Marbacher Holdergassen liefern das perfekte Setting für einen Häuserflohmarkt.

    Simon Granville
  • Die einzigartige Nachbarschaft macht den Flohmarkt besonders, sagt Sebastian Mondry (links).

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  • Anne Ceelen-Weber verkauft das Porzellan ihres verstorbenen Vaters.

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  • Viele Marbacher kamen, um zu Stöbern – aber auch um zu quatschen.

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  • Kunst und Antiquitäten an jeder Häuserecke, zur Not auch auf der Mülltonne.

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  • Auch viele Kinder und Jugendliche belebten den Flohmarkt.

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  • Die Bewohner der Holdergassen putzten für den Flohmarkt ihre Höfe und Eingänge heraus.

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  • Wer kennt es noch? Ein Drehscheiben-Telefon mit einer Sperrvorrichtung.

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  • Peter Federzell hat nicht viel zu verkaufen, wollte beim Flohmarkt aber unbedingt mitmachen.

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  • Interessierte fanden auf dem Flohmarkt alles, auch Erinnerungen an den vermeintlich schönsten Tag im Leben.

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Eigentlich wird in Marbach schon seit Jahren über die aussterbende Altstadt diskutiert und Wege für die Belebung gesucht. Von der Innenstadtkrise war am Samstag jedoch nichts zu spüren, denn der Häuserflohmarkt in den Holdergassen lockte trotz schlechten Wetters etliche Besucher in die Stadt. Ein Rundgang und Gespräche mit den Anwohnern zeigen, was die Premiere des Holdgergassen-Flohmarkts so besonders macht – decken aber auch ein Detail auf, das Verkäufer und Besucher stört.

In den Holdergassen wird Nachbarschaft noch gepflegt

Anne Ceelen-Weber ist spät dran, auf den Straßen drängeln sich bereits potenzielle Kunden – sie und ihre Schwester räumen aber immer noch kistenweise Porzellan in ihren kleinen Hof und auf die Straße. „Wir haben echt viel Zeug“, sagt Ceelen-Weber. Vor allem Antiquitäten ihres kürzlich verstorbenen Vaters. „Es hätte ihm das Herz zerrissen, wenn das alles im Container gelandet wäre. Jetzt versuchen wir den Menschen näherzubringen, was ihm die Sachen bedeutet haben.“ Dafür hat die Familie sogar ihr Haus geöffnet, bis in den Eingangsbereich stehen die Verkaufstische mit Tellern, Schüsseln und Kerzenständern.

Anne Ceelen-Weber stellt die Antiquitäten ihres verstorbenen Vaters zur Schau.

Foto: Simon Granville

Das sei eine Eigenschaft der Holdergassen-Nachbarschaft, sagt Sebastian Mondry, der ein paar Häuser weiter wohnt. Hier sei man offen, gehe auf Fremde zu und öffne sein Haus. Auf dem Verkaufstisch des Sonderpädagogen stapeln sich Dekoartikel, Vasen und eine mit glitzernden Steinen bestückte Sonnenbrille, die an die besten Jahre von Elton John erinnert. „Wenn sich hier einer vor seine Tür setzt, kommen gleich andere hinzu zum Schwätzen“, sagt Mondry. Die Nachbarschaft kennt sich, kocht und feiert zusammen.

Flohmarkt gewährt einen Blick durchs Schlüsselloch

Organisiert haben den Altstadt-Flohmarkt der Holdergassen-Verein und das City-Management der Stadt Marbach. 57 Stände haben sich im Vorhinein angemeldet, die Veranstaltung wurde kräftig beworben. „Die Kulisse ist unschlagbar“, sagt Fabian Friedl vom City-Management. „Überall finden sich kleine Geschichten, es ist nicht so ein anonymer Flohmarkt, wie man ihn normalerweise kennt.“ Tatsächlich kommen am Samstagmittag an allen Ecken und Enden der Holdergassen die Menschen ins Gespräch, Türen werden geöffnet und Persönliches wird geteilt – beispielsweise von Peter Federzell in der Mittleren Holdergasse.

Der Rentner sitzt auf einer Gartenbank vor seiner Garage, Passanten bestaunen seinen Oldtimer und den Jeep, der einige ferne Länder gesehen hat. Jahrzehntelang sei er als Maschinenbauingenieur für Daimler in der Welt unterwegs gewesen, erzählt Federzell, und zeigt auf ausländische Nummernschilder, die am Garagentor hängen. Während seine Autos und Werkstatt die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bleibt sein Verkaufstisch mit Werkzeugen und Messgeräten weitestgehend unbeachtet. „Ich bin eigentlich kein Flohmarktkenner, aber wollte hier einfach dabei sein“,sagt Federzell.

Peter Federzell gibt einen Einblick in seine Werkstatt und seine Geschichte.

Foto: Simon Granville

Der Flohmarkt sei etwas Besonderes, weil die Leute einen Blick in die Privatsphäre der Verkäufer bekommen, sagt Eva Happold. Quasi ein Blick durch das Schlüsselloch. Auch die drei Generationen der Familie Happold laden in ihren kleinen Hof und die große Backstube im Erdgeschoss ein. Hier wurden früher Brot und Brezeln für die Kleinbäckerei Klotzbücher gebacken. „Es geht weniger um das Verkaufen, mehr um das Zusammenkommen“, bringt es Rudolf Patocki ein paar Häuser weiter auf den Punkt.

Der Altstadt-Flohmarkt begeisterte am Samstag Verkäufer und Besucher, nur eine Anweisung der Veranstalter sorgte für Kritik. In mehreren Gesprächen monierten die Flohmarkt-Fans, dass an den Ständen kein Kaffee, Alkohol oder Snacks verkauft werden durfte. Das City-Management und der Holdergassen-Verein hatten das verboten, damit auch die Läden, Cafés und Restaurants der Innenstadt vom Flohmarkt profitieren.

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