61-Jähriger in U-Haft
: Haftbefehl nach Brand in Kleiningersheim – eskalierte Familienstreit?

Ein Mann steht im Verdacht, eine 42 Jahre alte Frau und deren Begleiter mit einem Molotowcocktail angegriffen zu haben. Die Ermittlungen zu dem Fall im Kreis Ludwigsburg laufen.
Von
Sandra Lesacher
Ingersheim
Jetzt in der App anhören
Brand Mehrparteienhaus Ingersheim Hauptstraße, Foto: Andreas Essig

Nach dem Brand in dem Mehrparteienhaus in der Hauptstraße in Ingersheim ermittelt nun die Polizei.

Andreas Essig
  • In Kleiningersheim warf ein Mann laut Zeuge einen Brandsatz vom Balkon – zwei wurden verletzt.
  • Kurz darauf brannte der Dachstuhl des Hauses, es kam wohl zu einer Verpuffung.
  • SEK nahm einen 61-Jährigen fest, der sich im Gebäude aufhielt; er erlitt Brandverletzungen.
  • Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung, Motiv wohl Familienstreit.
  • Haus bleibt mutmaßlich unbewohnbar, mehrere Gebäude betroffen, hoher sechsstelliger Schaden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Den Mittwochnachmittag in Kleiningersheim werden viele so schnell nicht vergessen. Ein Dachstuhl stand in Flammen, dann hieß es, ein Brandsatz sei geworfen worden, Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte kamen zu Hunderten, der Ort wurde abgesperrt. Inzwischen nennt die Polizei weitere Details zum Tathergang.

Gegen 11.45 Uhr meldete ein Zeuge am Mittwoch eine verdächtige Wahrnehmung in der Hauptstraße in Kleiningersheim. Ein Mann soll einen Brandsatz, genauer gesagt einen Molotowcocktail vom Balkon eines Wohnhauses geworfen haben. Als dieser auf dem Boden aufschlug, wurden eine 42-Jährige und deren Begleiter, die sich unterhalb des Balkons aufhielten, leicht verletzt.

Knallkörper aus Gebäude geworfen

Einsatzkräfte der Polizei stellten kurz darauf vor Ort fest, dass Knallkörper aus einem Gebäude geworfen wurden. Wenig später stand der Dachstuhl des Hauses in Flammen und es kam mutmaßlich zu einer Verpuffung, wodurch sich Dachziegel lösten und auf die Straße fielen.

Zahlreiche Kräfte der Feuerwehr rückten aus. Zur Brandbekämpfung musste das komplette Dach geöffnet werden. Gegen 12.45 Uhr waren die Flammen unter Kontrolle. Im Zuge der Löschmaßnahmen wurde um den Brandort ein Gefahrenbereich festgelegt. Personen, die ihre Wohnungen verlassen mussten, wurden in einem nahegelegenen Vereinsheim untergebracht und im weiteren Verlauf betreut.

Da weder die Umstände der Brandentstehung bekannt waren, noch geklärt werden konnte, ob sich der Mann noch im Gebäude befindet und ob dieser in Verbindung mit dem Brandausbruch stehen könnte, wurde ein Spezialeinsatzkommando (SEK) hinzugezogen. Zudem war nicht auszuschließen, dass sich explosive Stoffe in dem Haus befinden, sodass der Einsatz eines Entschärfer-Teams des Landeskriminalamts erforderlich war, so die Polizei.

Gegen 16.20 Uhr gelang es Kräften des SEK, einen 61 Jahre alten Mann vorläufig festzunehmen, bei dem es sich um den Tatverdächtigen handeln soll. Er hatte sich vermutlich während des gesamten Einsatzes in dem Gebäude aufgehalten und dieses auf Ansprache der SEK-Kräfte verlassen.

Der 61-Jährige steht im Verdacht, die 42 Jahre alte Frau, bei der es sich um eine Angehörige von ihm handelt, und deren Begleiter mit dem Brandsatz angegriffen zu haben. Anschließend soll er mutmaßlich den Dachstuhl des Gebäudes in Brand gesetzt haben.

Hintergrund der Tat dürften laut der Polizei familiäre Streitigkeiten bezüglich der Verteilung der Besitzverhältnisse des Wohnhauses in der Hauptstraße sein. Der Tatverdächtige, der selbst Brandverletzungen erlitt, wurde zur medizinischen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat beim Amtsgericht Heilbronn den Erlass eines Haftbefehls gegen den 61-Jährigen, der keine Vorstrafen hat, beantragt. Eine Richterin hat daraufhin am Donnerstagnachmittag Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Mordes sowie der schweren Brandstiftung erlassen.

Verdacht des versuchten Mordes

Die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg hat die Ermittlungen aufgenommen. Das betroffene Haus ist nach wie vor nicht betretbar und wird mutmaßlich unbewohnbar bleiben. Fachkräfte werden im Lauf des Tages die Statik des Wohnhauses prüfen. Davon werden die weiteren Tatortmaßnahmen der Kriminalpolizei abhängen.

Am Donnerstagnachmittag fand die Polizei in einer Garage des von dem Brand betroffenen Gebäudes möglicherweise gefährliche Substanzen, die entflammbar oder möglicherweise explosiv sein könnten. Um die Beseitigung dieser Substanzen kümmert sich ein Entschärfer-Team. Das THW und die Feuerwehr sorgen ergänzend dazu für den Schutz der unmittelbar angrenzenden Gebäude.

Auch einige angrenzende Gebäude wurden durch die starke Hitze- und Rauchentwicklung in Mitleidenschaft gezogen. Der genaue Sachschaden kann noch nicht beziffert werden, dürfte sich aber mindestens auf einen hohen sechsstelligen Betrag belaufen. Insgesamt waren mehr als 150 Polizisten am Einsatz beteiligt.

StZ Kreis Ludwigsburg
Montag - Samstag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus Ludwigsburg und dem Kreis im kompakten Überblick: Von Montag bis Samstag schicken wir Ihnen unseren Newsletter mit den fünf beliebtesten Themen unserer Leserinnen und Leser in Ihr E-Mail-Postfach. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden.