Historischer Markt: In Großbottwar kommen Mittelalterfans auf ihre Kosten

Äxte, Schwerter und andere Waffen sind in Fußgängerzonen selten gern gesehen – auf Mittelaltermärkten gehören stumpfe Versionen davon aber einfach dazu.
Werner KuhnleTapfere Ritter, edle Damen, zotenreißende Barden und deftige Kost: Das Mittelalter und davon inspirierte Fantasiewelten üben auf viele Menschen eine riesige Faszination aus. Am letzten Septemberwochenende, 28. und 29. September, zieht das eigentlich-gar-nicht-so-düstere Zeitalter wieder ins Bottwartal: Der Historische Markt hat seit Jahren seinen festen Platz im Terminkalender von Mittelalterfans. Unsere Übersicht zeigt, welche Programmpunkte sich besonders lohnen.
Historischer Markt Großbottwar: Kostenloser Eintritt für die Kleinen

Am Wochenende halten Mittelalter und Fantasie Einzug in Großbottwar.
Foto: Werner KuhnleBesonders auf Kinder hat das Mittelalter eine geradezu magische Anziehungskraft. Michaela Bartsch vom Veranstalter, dem Verein Miteinander Attraktives Großbottwar (MAG), erklärt: „Es ist uns sehr wichtig, dass wir ein Familienfest veranstalten, bei dem für Klein und Groß etwas dabei ist.“ Damit auch Familien sich einen Besuch leisten können, gibt es am Eingang eine Regel: Kinder, die kleiner sind als das sogenannte Stockmaß, kommen umsonst aufs Fest. „Der Stock ist etwa 1,30 Meter lang, aber wir messen eher Pi mal Daumen“, so Bartsch.
Gruselig-historische Führung durch die Altstadt Großbottwars
Eines der Highlights des Historischen Markts ist eine Nachtwächterführung mit Stationentheater der MAG-Theatergruppe, bei dem die Besucher die Geschichte des Händlers und Fuhrmanns Jakob Friederle nacherleben können. Dieser soll im 18. Jahrhundert auf tragische Weise und unter rätselhaften Umständen im nahen Kälblingswald ums Leben gekommen sein. Der Überlieferung nach war Friederle für diverse Untaten in der Gegend verantwortlich, was ihm wohl zum Verhängnis wurde. Das Wichtigste in Kürze:
Tipps von einem echten Mittelaltermarkt-Urgestein
Schaukämpfe, historische Handwerkskunst und Schlemmereien an jedem Stand: Aus all dem eine Auswahl zu treffen, ist schwer. Wir haben jemanden gefragt, der’s wissen muss: Wolfgang Bock war schon bei der Organisation der allerersten historischen Märkte in Großbottwar dabei. Der 75-Jährige erinnert sich noch gut daran, wie das Event anfangs auf viele Widerstände stieß. Inzwischen ist der Markt aus dem Jahreskalender des Orts kaum noch wegzudenken. „Auf jeden Fall sollte man sich die Musikgruppe Camino anhören“, rät er – der Tipp ist kein Zufall, denn in dem Trio spielt er selbst die sogenannte Zister. Camino sind als Walking Act im Publikum unterwegs, spielen Musik aus dem Mittelalter und der Renaissance und animieren Kinder zum Mittanzen.
Was das Essen angeht, empfiehlt er das Spanferkel – „das ist etwas ganz Tolles. Bis es gar ist, ist stundenlange Arbeit nötig“. Auch Michaela Bartsch hat einen Tipp, was sich Besucher auf jeden Fall ansehen sollten: „Mein persönliches Highlight ist die Feuershow von Majandras Fußkneterey.“ Diese geht am Samstag gegen 21 Uhr über die Bühne, sonntags gibt es zum Abschluss noch eine kleinere Version.
