Idee im Bottwartal: Umstritten: Fußballplatz soll Bewegungspark weichen

Die Angebote sollen sich, wie hier, an alle Generationen richten.
Archiv (dpa)Eine Kletterwand, eine Boulebahn, Trampolins und Spielgeräte, die auch Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung nutzen können, und, und, und. Die Liste an Ideen ist lang, die den geplanten Bewegungspark für Jung und Alt im Steinheimer Stadtteil Kleinbottwar zum Anziehungspunkt für Besucher aus der ganzen Region Stuttgart machen sollen. Allerdings steht hinter dem Projekt, das der örtliche GSV angestoßen hat, ein dickes Fragezeichen.
Park soll Stück für Stück realisiert werden
Das Hauptproblem ist, dass die Stadt finanziell den Gürtel sehr eng schnallen muss. Das Landratsamt hat wegen der angespannten Haushaltssituation bereits einen strikteren Sparkurs angemahnt. Für den Bewegungspark müsste aber viel Geld in die Hand genommen werden. Die einzelnen Bausteine sollen zwar nicht in einem Rutsch umgesetzt, sondern peu à peu bis zum Jahr 2030 verwirklicht werden. Und die kommenden Ausbaustufen will der GSV Kleinbottwar über Fundraising, Stiftungen und andere externe Geldquellen realisieren, wie der frühere Vorsitzende und im Ausschuss des Vereins bei Projekten federführende Martin Hegendorf am Dienstagabend im Gemeinderat erläuterte.

Der Fußballplatz könnte bald Vergangenheit sein.
Foto: A/vanti/Ralf PollerDoch schon die Anschubfinanzierung für erste Attraktionen und die Vorbereitung des Geländes für alle weiteren Schritte schlägt mit 1,09 Millionen Euro zu Buche. Davon müsste die Kommune mindestens 590 000 Euro selbst schultern. Sogar mehr könnten es werden, wenn der Verband Region Stuttgart (VRS) den erhofften Zuschuss von 500 000 Euro nicht in vollem Umfang ausschüttet. Kein ganz unwahrscheinliches Szenario, wenn man berücksichtigt, dass in dem Fördertopf in der Landeshauptstadt insgesamt nur 1,5 Millionen Euro liegen.
Bürgermeister Thomas Winterhalter machte sich dennoch dafür stark, trotz aller Unwägbarkeiten zumindest den ersten Schritt zu gehen und den Antrag einzureichen. Abhängig von der tatsächlichen Förderung könne man dann zu einem späteren Zeitpunkt immer noch entscheiden, was die Stadt zu leisten imstande sei. „Ich möchte auch das Positive herausheben. Wir haben einen Verein, der eine Initiative gewagt hat“, erklärte er. Letztendlich folgte das Gremium seiner Argumentation und gab grünes Licht, sich beim VRS um Zuschüsse für den Bewegungspark zu bewerben.
Zweifel wegen der finanziellen Situation
Immerhin sieben Mitglieder der Runde hätten jedoch schon gerne an dieser Stelle eine Vollbremsung eingelegt und stimmten dagegen. So schön das Projekt auch sei: Es handele sich um ein Nice-to-have, das nicht zum Sparkurs passe, lautete der Tenor der Bedenkenträger. Obendrein sei nicht einmal gewährleistet, dass über Spenden genug Geld für die weiteren Ausbaustufen zusammenkomme. Die Pflege der Anlagen gebe es auch nicht zum Nulltarif, betonte unter anderem Timo Renz von den Freien Wählern.

Für die einzelnen Elemente in dem Park gibt es schon Ideen.
Foto: Stadt SteinheimDie Vorbehalte gegen das Projekt sind aber nicht nur finanzieller Natur. Als Pferdefuß sah so mancher auch den Umstand an, wo das Ganze realisiert werden soll. Der Bewegungspark würde sich im Endausbau über den derzeitigen Tartanplatz neben der Bottwartalhalle, die Wiese direkt an der Seestraße, das Gelände Richtung Bottwar sowie den Fußballplatz hinter der Bottwartalhalle erstrecken. Casus knacksus ist das Rasenspielfeld, das also wegfallen würde. „Ich tue mich schwer, den Sportplatz zu opfern“, sagte Uwe Löder (CDU).
Lars Berding von den Grünen ging es ähnlich. Er sorgte sich, dass dann eine auch bei Hobbyfußballern beliebte Spielfläche ersatzlos wegfalle. Marcus Baier (CDU) gab zudem zu bedenken, dass man auf dem Platz in Kleinbottwar aufgrund der Vegetation länger als auf den anderen Rasenfeldern der Gemarkung trainieren könne, die schon früher im Herbst gesperrt werden. Der TSG sei zudem nach der Auflösung der Spielgemeinschaft mit Erdmannhausen komplett auf heimische Spielflächen angewiesen, trete überdies sogar wieder mit zwei Teams an.
Ramona Senghaas, Amtsleiterin Politik und Bildung, beteuerte, mit den betroffenen Vereinen über das Thema gesprochen zu haben. Vertreter von TSG und GSV Höpfigheim hätten unisono erklärt, auf den Platz in Kleinbottwar bislang in der Regel nur ausgewichen zu sein, wenn die anderen Rasenfelder witterungsbedingt schon gesperrt waren. „Erst seit circa zwei Wochen wird der Platz vom TSG Steinheim an zwei, bis drei Abenden zum Training genutzt. Davor gab es keine regelmäßige Belegung“, stellte Senghaas klar. Im Übrigen habe der GSV Höpfigheim in Summe sogar noch freie Kapazitäten, sodass auf einem der Rasenplätze der TSG kicken könnte. Wichtiger sei es deshalb alles in allem, den Kunstrasenplatz in Steinheim sanieren zu lassen. Darauf könne ganzjährig der Ball rollen.
Rundtrail soll angelegt werden
Vor dem Hintergrund hält die Verwaltung das Rasenfeld also für verzichtbar. Sollte am Ende je ein Baubeschluss zugunsten des Bewegungsparks fallen, würden just dort auch gleich die Bagger anrücken, um das künftige Herzstück der Freizeitanlage zu modellieren und so zu gestalten, dass in späteren Arbeitsschritten einzelne Inseln mit Attraktionen installiert werden können.
Dazu würden ein Rundtrail sowie ein durchgängiger Weg Richtung Grundschule angelegt. Erste Bewegungselemente sollen parallel dazu auf der Wiese an der Seestraße entstehen. Denkbar seien dort eine neue Tischtennisplatte und eine Boulebahn, sagt Ramona Senghaas.