Imkervereine im Kreis
: Nabu fordert Obergrenze von Bienenvölkern – Imker aus Region widersprechen

Der Naturschutzbund sagt: Honigbienen und Wildbienen konkurrieren um Futterquellen. Die Zahl der Honigbienenvölker sollte deshalb beschränkt werden. Imkervereine im Landkreis Ludwigsburg haben zu der häufig diskutierten Frage eine andere Meinung.
Von
Anna-Sophie Kächele
Ludwigsburg
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Honigbienen arbeiten anders als Wildbienen staatenbildend.

Imago/Silas Stein

Die Biene ist eine Sympathieträgerin. Anders als die Wespe oder Hornisse genießt sie einen putzigen, bedeutsamen Ruf. Und beim Wort Biene denken Viele an die Honigbiene – Biene Maja, die in ihrer typischen Arbeitermanier tagein, tagaus Pollen, Nektar und Wasser in ihren Stock transportiert – nicht an die große, schwarzblaue Holzbiene oder die rötliche gehörnte Mauerbiene. Tatsächlich gibt es neben den Honigbienen fast 600 Wildbienenarten in Deutschland, sie sind mit vier Millimetern bis zu drei Zentimetern unterschiedlich groß und unterschiedlich farbig.

Die Holzbiene brummt zwar laut, ist aber ungefährlich.

Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Zoonar.com/Jürgen Landshöft

Ein Teil davon stehe in Konkurrenz mit der Honigbiene, sagt unter anderem der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). „Da es in vielen Regionen zu sehr hohen Honigbienendichte bei gleichzeitig zu niedrigem Nahrungsangebot kommt, kann es passieren, dass Wildbienen nicht genügend Nahrung finden“, schreibt die Organisation auf ihrer Webseite. Honigbienen und Wildbienen – im Wettflug um Pollen und Nektar? Wie gravierend ist die Situation – gerade in der Region?

Imker mit Herzblut

Die Zahl der Bienenvölker im Landkreis Ludwigsburg ist nicht bekannt, derzeit sind jedoch 1031 Bienenhalter registriert. Einer davon ist Thomas Trump vom Imkerverein Ludwigsburg. Er und seine Frau haben gemeinsam rund 30 Bienenvölker in und um Ludwigsburg. Wer länger auf seiner Terrasse sitzt, sieht nicht nur Honigbienen um den blühenden Basilikum und lilafarbenen Mönchspfeffer schwirren, auch kleinere Bienen-Arten oder die große unverwechselbare Holzbiene bedienen sich an Pollen und Nektar. „Wenn ein Imker mit Herzblut dabei ist, achtet er auch auf Wildbienen“, sagt Trump.

Eine Konkurrenz zwischen den Arten sehe er nicht, stattdessen ein friedliches Zusammenleben. Natürlich müsse man als Imker darauf achten, dass die Bienen ausreichend Nahrung finden. Dem Vorschlag des Nabus, dass in Naturschutzgebieten und in einem Radius von zwei Kilometern die maximale Obergrenze von drei Völkern pro Quadratkilometer nicht überschritten werden sollte, steht er jedoch kritisch gegenüber. Bei den Abständen, die der Nabu vorschlage, sinke die Zahl der Honigbienen deutlich und das bedeute auch: weniger Raps, weniger Äpfel. Für Trump ein Eingriff in Nahrungsketten, in denen die Bienen mit der Bestäubung nicht nur für Futter sorgten, sondern auch selbst Nahrung für andere Tiere seien. „Das Problem ist nicht die Honigbiene, das Problem ist der Mensch“, sagt Trump. Der Einsatz von Neonikotinoiden, hochwirksame Insektizide, die mittlerweile zum Teil von der EU verboten wurden, habe die Zahl der Bienen reduziert. Außerdem fehle es vor allem an einem: Blühstreifen.

Die Honigbiene ist ein Nutztier – „die könnten mittlerweile so nicht mehr ohne den Mensch überleben“, sagt Thomas Trump.

/Foto: Imago/Arvo Meeks

Bund und Länder haben sich im vergangenen Jahr auf Prämienerhöhungen für Blühstreifen geeinigt, das helfe, sagt Trump. Sinnvoll wären aber vor allem durchgängige Flächen, in denen Bienen Futter- und Nistmöglichkeiten fänden.

Wildbienen suchen in einem kleineren Radius nach Nahrung

Während Honigbienen in einem Radius von ein bis zwei Kilometern um ihren Stock Blüten anfliegen, sind es bei Wildbienen nur wenige hundert Meter. 80 Prozent legen ihre Eier nicht in einen Bienenstock, sondern in totes Holz, Erde, Trockenmauern, Schneckenhäusern. Von knapp der Hälfte der Wildbienen-Arten sind die Bestände gefährdet oder sie sind bereits ausgestorben. Das liegt unter anderem daran, dass sie Blütenspezialisten sind, anders als die Honigbienen wählerischer sind bei ihren Nahrungspflanzen und sich dadurch schlechter anpassen können. Auch deshalb warnen Organisationen wie der Nabu vor einer Konkurrenzsituation.

Die rote Mauerbiene ist eine der wenigen Wildbienen-Arten, die im Insektenhotel ihre Eier legt.

Foto: Imago//imageBROKER/Erhard Nerger

Ob es die tatsächlich gibt, wird kontrovers diskutiert, die Meinungen gehen auseinander. „Wildbienen und Honigbienen bevorzugen unterschiedliche Trachten, zu einer Konkurrenz kommt es deshalb eher selten“, sagt Martin Schäfer vom Bezirks-Bienenzüchterverein Marbach. Er sieht die Verantwortung, dass es ausreichend Nahrungsangebot für Honig- und Wildbienen gibt, bei jedem Imker selbst. „Den Vorschlag des Nabus halte ich für organisierbar, aber ich bin eher für eine Diskussion miteinander. Wenn man sich abstimmt, funktioniert es auch ohne die Vorgabe“, sagt Schäfer. Am Ende sei es eine Frage der Rücksichtnahme.

Die Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung sieht das Problem woanders. „Der Mangel an Nistmöglichkeiten stellt eine viel stärkere Bedrohung für Solitärbienen dar.“ In den natürlichen Verbreitungsgebieten könne von einer evolutionär eingespielten Koexistenz zwischen Honigbienen und Wildbienen ausgegangen werden.

„Die Wildbiene hat keine Lobby“

Lebensraumverlust durch monotone Agrarlandschaften, knapper werdende Nahrungsquellen, weniger Blühflächen und der Einsatz von Pestiziden: Darunter leiden alle Bienen. In einer Sache sind sich Imkervereine und der Naturschutzbund einig: Die Wildbiene braucht besonderen Schutz, oder wie Thomas Trump sagt: „eine Lobby“. Der Mensch müsse sich wieder mehr auf die Tiere einstellen trotz wirtschaftlicher Interessen, sagt der Ludwigsburger Imker. Einen Beitrag zum Schutz der Wildbiene kann am Ende des Tages jede und jeder mit Garten oder Balkon leisten mit vielfältigen Nistmöglichkeiten:

  • Totholz
  • Trockenmauern
  • sandige Stellen in der Sonne
  • Bohrungen in Hartholz
  • sowie ein vielfältiges Blütenangebot:

  • Thymian
  • Frühblüher wie Krokusse
  • Wildblumen
  • Aster
  • Glockenblume
  • Storchenschnabel
  • Ehrenpreis
  • Katzenminze
  • Apfelbäume und andere Obstbäume
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