Improvisation bei Holzarbeiten
: Ideenreichtum gefragt – Tammer werkelt im Stuttgarter Straßenbahnmuseum mit

Joachim Ettlich arbeitet ehrenamtlich in der Werkstatt des historischen Straßenbahnvereins in Bad Cannstatt. Dafür braucht er Geduld und viele Ideen.
Von
Petra Neset-Ruppert
Tamm/Stuttgart
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Joachim Ettlich aus Tamm arbeitet ehrenamtlich im Straßenbahnmuseum in Stuttgart. Er kümmert sich um die Holzarbeiten im Innenraum der alten Straßenbahnen.

Joachim Ettlich aus Tamm arbeitet ehrenamtlich im Straßenbahnmuseum in Stuttgart. Er kümmert sich um die Holzarbeiten im Innenraum der alten Straßenbahnen.

Oliver Bürkle
  • Ehrenamt in Bad Cannstatt: Joachim Ettlich restauriert Holz im Straßenbahnmuseum.
  • Der gelernte Werkzeugmacher arbeitet seit drei Jahren ohne Anleitungen und improvisiert oft.
  • Materialknappheit löst er kreativ, etwa mit Foto-Platten statt großer Mahagoni-Furniere.
  • Er hilft alle zwei Wochen bis zu sechs Stunden in der Werkstatt – rund 150 Stunden pro Jahr.
  • Highlight sind Sonderfahrten mit einer hundertjährigen Bahn, bei denen er als Hilfsschaffner unterstützt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Es ist so ruhig, da herrscht einfach keine Hektik. Wenn wir in der Werkstatt sind, ist kein Museumsbetrieb. Dann schaut man während der Arbeit auf die große Halle, das ist wirklich toll“, schwärmt der Tammer Joachim Ettlich. Er arbeitet seit drei Jahren ehrenamtlich im Straßenbahnmuseum Stuttgart. Der Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen kümmert sich um den Erhalt und die Restaurierung alter Straßenbahnen und Busse, die im Museum ausgestellt und manche auch für Sonderfahrten genutzt werden. Doch wie kommt man zu so einem ungewöhnlichen Ehrenamt?

Joachim Ettlich hätte früher schon gerne in einem Museum gearbeitet. Der Mechanikermeister und gelernte Werkzeugmacher hat zwar verschiedene Arbeitsplätze im Kreis bekleidet, doch ein Museum gehörte nie dazu. Im Ruhestand, der vor zehn Jahren begann, sah er sich dann um. Sein Hobby ist das Arbeiten mit Holz. „Ich kann nicht, wie andere, abends auf dem Sofa sitzen und Fernsehen, ich muss was machen“, sagt Ettlich. Schon immer konnte er sich für die Arbeit mit Holz begeistern.

Viel Holz in alten Straßenbahnen

Online kam er auf den Stuttgarter Straßenbahnverein und ging vorbei. Seit drei Jahren arbeitet er nun in der Werkstatt in Bad Cannstatt und kümmert sich um die Holzarbeiten in alten Straßenbahnen und Bussen. Und da gibt es einiges zu tun. „Das Schöne ist, dass ich immer ausprobieren muss und schauen was funktioniert, für die Reparaturen gibt es keine Anleitungen“, schwärmt Ettlich. Da sei öfters einmal ein großer Ideenreichtum gefragt, und so probiere er Verschiedenes aus, bis die passende Lösung gefunden ist. Gerade in den alten Straßenbahnen sei viel Holz verbaut. „Da hatten wir zum Beispiel das Problem, dass wir gar nicht mehr so große Mahagoni-Furniere bekommen, wie sie in den Straßenbahnen verbaut sind“, sagt Ettlich. Eine Plastikplatte, die dank Foto die gleiche Maserung hat wie die umliegenden Platten, wurde dann kurzerhand verbaut.

Viel Geduld braucht Ettlich nicht nur bei der Lösungsfindung, sondern auch beim Handwerken selbst, denn es kann schon mal vorkommen, dass angeleimte Teile erst einmal zwei Wochen durchtrocknen müssen, bis sie dann in den Straßenbahnen verbaut werden können. Rund 40 Ehrenamtliche engagieren sich in der Werkstatt, im Bistro und am Schaffnersitz für den Verein. „Das ist ein tolles Miteinander“, sagt Ettlich. Alle zwei Wochen ist der Tammer bis zu sechs Stunden in der Werkstatt in Bad Cannstatt und tüftelt mit den anderen Ehrenamtlichen. „Bei Festen helfe ich auch manchmal im Bistro aus.“ So kommen rund 150 Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Jahr zusammen.

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„Manchmal quietscht es auch"

Am liebsten ist Joachim Ettlich mit einer hundertjährigen Straßenbahn unterwegs, mit der der Verein Sonderfahrten anbietet. „Da darf ich dann als Hilfsschaffner mithelfen und kümmere mich darum, dass die Fahrgäste sicher ein- und aussteigen und die Türen richtig geschlossen sind.“ Gerade die abendlichen Fahrten bei der Langen Nacht der Museen seien ein Highlight: „Bei den Fahrten im Dunkeln nimmt man die Straßenbahn ganz anders wahr – da rattert’s und knattert’s und manchmal quietscht es auch“, schwärmt Ettlich. Die Arbeit beim Straßenbahnverein ist nicht sein einziges ehrenamtliches Engagement, auch beim Tammer Repair Café ist er aktiv.

Den Blick auf die Museumshalle genießt Joachim Ettlich während seiner ehrenamtlichen Arbeit in der Werkstatt sehr.

Den Blick auf die Museumshalle genießt Joachim Ettlich während seiner ehrenamtlichen Arbeit in der Werkstatt sehr.

Oliver Bürkle

Auch seine Söhne engagieren sich, sie sind für die Tammer Feuerwehr im Einsatz. Das Ehrenamt liegt ihm am Herzen. „Es ist schon auch toll, wenn ich dann mit meinen Enkeln in der alten Straßenbahn sitze und sagen kann: Das hat der Opa repariert.“ Auch wenn viele seiner Arbeiten hinter Verkleidungen nicht sichtbar sind, sei es ein schönes Gefühl, zu wissen, dass man mit seiner Arbeit für den Erhalt dieser Oldtimer-Bahnen und -Busse verantwortlich sei, sagt Ettlich. Er hofft, dass er noch viele Jahre in der Cannstatter Werkstatt mithelfen kann.