In Ludwigsburg nur noch an einem Standort
: Veganes Geschäft unter Druck: Taskin Imbiss schließt eine Filiale

Eine der bekanntesten veganen Imbisse der Region muss kürzertreten und schließt eine von zwei Filialen in Ludwigsburg. Rein vegane Restaurants hätten es immer schwerer, sagt Inhaber Osman Taskin. Dennoch blickt er optimistisch in die Zukunft.
Von
Emanuel Hege
Ludwigsburg
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Osman Taskin empfängt Gäste nur noch in der Oberpaur-Passage.

/Emanuel Hege

Osman Taskins Imbiss war ein auffälliger Laden in bester Lage in der Ludwigsburger Innenstadt. Die Scheiben waren bunt bemalt, die Gerichte standen in roten Großbuchstaben auf schwarzen Tafeln, die meist jungen Gäste saßen auf Baumstämmen und an Holztischen. Seit rund zwei Wochen sind die Türen jedoch geschlossen, einer der bekanntesten veganen Imbisse im Kreis ist nur noch in der zweiten Filiale in der Wilhelmstraße zu finden.

„Seit rund zwei Jahren läuft das Geschäft mit veganen Produkten nicht mehr so gut“, sagt Taskin. Er müsse die Doppelstrukturen seines Gastrounternehmens abbauen und brauche eine Veränderung. Doch nicht nur er kämpfe, auch andere vegane Restaurants würden umdenken, so Taskin. Das Problem sei nicht, dass sich weniger Menschen vegan ernähren – es liege an der Konkurrenz.

Die Geschichte des Imbisses beginnt 2019, damals übernehmen Osman Taskin und seine Frau Fatma den kleinen Laden in der Kirchstraße von einem Falafelverkäufer. Sie starten damals nicht mit Linsenburger, veganer Currywurst und fleischlosem Döner, sondern mit einem Feinkostladen. „Von Beginn an haben die Kunden aber gefragt, ob es hier noch Falafel gibt“, erinnert sich Taskin. Er und seine Frau planten kurzerhand um und eröffneten ihren veganen Imbiss.

Das Geschäft brummte, der Imbiss in der Kirchstraße war häufig gerammelt voll und Taskin schaute sich nach einer weiteren Fläche um. In der Oberpaur-Passage in der Wilhelmstraße eröffnete er 2022 seinen zweiten Standort, eine Art Stadtkantine mit vier bis fünf Tagesgerichten. Im Gegensatz zum quirligen Imbiss, fanden die Gäste hier Tellergerichte, Ruhe und mehr Sitzplätze.

Osman Taskin bei der Eröffnung seines zweiten Standortes 2022.

Foto: Simon Granville

In dieser Zeit habe sich das Geschäft mit veganem Essen verändert, berichtet Taskin. „Mit jedem Monat wurde es schwieriger, irgendwann habe ich nur noch kostendeckend gearbeitet.“ Sein gastronomisches Konzept ist zweischneidig: Mit dem offensiv veganem Ansatz hat Taskin ein Alleinstellungsmerkmal, gleichzeitig erreicht er einen Großteil der Menschen überhaupt nicht.

Trotz der begrenzten Zielgruppe sei es aber lange gut gelaufen, er habe eine gute Stammkundschaft und veganes Essen sei immer noch im Trend.

Laut Taskin sei das größte Problem die steigende Konkurrenz. „Egal ob McDonald’s, im Café oder im Supermarkt – überall gibt es vegane Alternativen.“ Die Angebote würden die Nachfrage mittlerweile übersteigen und die Anziehung eines rein veganen Imbisses nachlassen. In den vergangenen Monaten habe er versucht gegenzusteuern, änderte den Namen des Imbisses und bot einen Fleischburger an. Am Ende würden ihn Kunden mit veganer Küche in Verbindung bringen, sagt Taskin. Die Versuche, sich breiter aufzustellen, scheiterten.

Zwar brummen viele vegane Restaurants weiterhin, anderen geht es ähnlich wie Osman Taskin. In Bad Cannstatt schloss Anfang des Jahres etwa das Restaurant Coox & Candy, bezeichnend ist außerdem die Namensänderung der Kette „Vincent Vegan“. Die strich vor rund zwei Monaten das Wort vegan aus ihrem Namen, um so neue Zielgruppen zu erschließen.

Frustriert sei er nicht, er sehe die Veränderung auch positiv, so Taskin. „Wir legen alles aus dem Imbiss und den Mittagstisch hier zusammen. Das macht es uns auch einfacher.“ Zudem seien 90 Prozent seiner Gäste Stammkunden, das sei ein Vorteil. Die Veganer, Vegetarier und andere Gäste würden nun hoffentlich den Weg in die Wilhelmstraße finden. „Auch wenn sie hier erst am Metzger vorbeimüssen, um zu uns zu kommen.“

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