Klärschlammverbrennung
: „Ein Angriff auf unsere Gesundheit“ – Hunderte protestieren in Walheim

Mit Kinderwagen, weißen Hemden und Wut im Bauch: Der Protest gegen die geplante Klärschlammverbrennung spitzt sich zu. Was die Menschen in der Menschenkette von Walheim bewegt.
Von
Georg Linsenmann
Ludwigsburg
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Rund einen Kilometer lang war die Menschenkette am Freitag.

Ralf Poller

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Deshalb geben die Menschen im Neckartal bei Walheim den Widerstand gegen die geplante Klärschlammverbrennung im EnBW-Kraftwerk vor ihrer Haustür nicht auf. Obwohl das Regierungspräsidium die Anlage vor wenigen Wochen genehmigt hat, versammelten sich am Freitagnachmittag fast 500 weiß gekleidete Protestierende vor dem Walheimer Rathaus.

Das Weiß solle für „Transparenz“ stehen, machte Bernd Moritz von der Bürgerinitiative Bürger im Neckartal (BI) deutlich, die zur Aktion aufgerufen hatte. Damit unterstrich Moritz die wesentliche Stoßrichtung des Protestes: die „Ignoranz“ gegenüber den zahlreichen Einwendungen aus Walheim, Gemmrigheim, Kirchheim und Besigheim – ebenso wie gegenüber den ablehnenden Voten der Bürgermeister, Gemeinderäte und sogar des Verbands Region Stuttgart.

Das „Monster“ im Neckartal

„Diese wiederholte Missachtung der Einwände muss endlich juristisch überprüft werden“, forderte Moritz. Die Standortwahl sei „von Anfang an eine politische Entscheidung der grün-schwarzen Landesregierung“ gewesen. Die Protestaktion solle daher auch die Klage der Gemeinde Walheim unterstützen, die Bürgermeister Christoph Herre vorbereitet.

Der Ärger war während der Protestaktion am Freitag greifbar: „Ich kann gar nicht sagen, wie groß meine Wut ist“, sagte eine Teilnehmerin aus Gemmrigheim. „Wo bleiben unsere Interessen? Wo bleibt die Demokratie?“ Die geplante Anlage wurde als „Monster“ und „Dreckschleuder“ bezeichnet, die dem engen Neckartal „aufs Auge gedrückt“ werde – mit Schlamm aus dem ganzen Land. Großer Ärger auch über die zu erwartenden 150 Lkw-Fahrten täglich – über marode Neckarbrücken.

Der Demozug versammelte sich vor dem Walheimer Rathaus und bildete dann eine Menschenkette bis zum EnBW-Kraftwerk.

Foto: Ralf Poller

Fast schon resigniert klang Heidrun, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will: „Das bringt alles nichts.“ Und doch fügte sie an: „Wir dürfen und wir werden nicht aufgeben – bis zum Schluss.“ Jetzt gelte es zu zeigen: „Wir sind nicht die dummen Bürger, die sich alles gefallen lassen!“

Kurz darauf setzte sich die weiße Menschenkette in Bewegung – über die Mühlstraße in Richtung Kraftwerk. Francesca Schuhmacher aus Walheim war mittendrin, ein Kind im Bollerwagen, das andere hielt das weiße Band: „Es geht um unsere Gesundheit, um die Zukunft unserer Kinder.“ Schließlich erstreckte sich die Menschenkette auf knapp einen Kilometer bis hinunter zum Kraftwerksgelände – wo dann die finale Kundgebung stattfand. Zunächst formierte sich die Menge zu großen Buchstaben und bildete die Forderung: „NEIN ZU KVA!“

Hoffnung ist nicht verloren

Dann skizzierte Patrick Kühnle von der BI in einer Rede die Risiken der Anlage: „Das alles ist bitterer Ernst. Das ist ein Angriff auf unsere Gesundheit, auf unsere Lebensqualität. Und auf das, was wir unseren Kindern hinterlassen.“ Scharf kritisierte Kühnle die Landesregierung, die sich Klimapolitik auf die Fahne schreibe, hier aber mit einem landeseigenen Unternehmen „Green-Washing“ betreibe: „Statt Verantwortung zu übernehmen, überlässt das Land die Entsorgung privaten Betreibern, deren Maßstab nicht das Gemeinwohl ist, sondern die Gewinnrechnung.“

Seit an Seit und dem Werkstor am nächsten standen Christoph Herre, Florian Bargmann und Uwe Seibold, die Bürgermeister aus Walheim, Besigheim und Kirchheim, wie auch der frühere Besigheimer Bürgermeister Steffen Bühler und der Landtagsabgeordnete Tobias Vogt (CDU). Sie alle zeigten sich beeindruckt von der friedlichen Aktion. „Ganz ist die Hoffnung noch nicht verloren“, sagte Seibold. „Warten wir ab, wie der Verwaltungsgerichtshof entscheidet – denn in der Genehmigung wird mit zweierlei Maß gemessen.“

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