Klassik in Ludwigsburg: Monrepos Open Air ohne Feuerwerk, aber mit drei Premieren
Gleich drei Premieren brachte das Monrepos Open Air mit sich: Zum einen wurde erstmals ein Wettbewerb um den schönsten Picknick-Tisch veranstaltet. Zweitens gab es, nach 30 Jahren Monrepos Open Air, mit dem jungen Orchester Divertimento Viennese ein neues Orchester auf der Bühne. Auf die dritte Premiere hätten Besucher und Veranstalter jedoch gerne verzichtet: Erstmals gab es zum Abschluss kein Feuerwerk.
Fokus auf das Picknick am Schloss Monrepos
Besonders ins Auge fiel am Samstag eine prächtig gedeckte Picknick-Tafel – sie durfte allerdings nicht am Wettbewerb teilnehmen. „Die müssen wir außer Konkurrenz laufen lassen, damit kann von den anderen niemand mithalten“, urteilte die Jury nach einem Blick auf die opulente Sitzgruppe des Vereins „Venezianer Herzog Carl Eugen“. Die Damen und Herren in aufwendig gearbeiteten historischen Gewändern waren erstmals beim Open Air dabei und zogen zwischen den sommerlich bunt gekleideten Gästen viele Blicke auf sich.
Neben den Venezianern waren zahlreiche Picknick-Gruppen vertreten – darunter auch ein international gemischter Freundeskreis. „Es waren einmal eine Amerikanerin und eine Kanadierin, die sich beim Studium in Michigan kennengelernt haben“, erzählte lachend eine Mittdreißigerin. Später sei noch ein deutscher Kommilitone dazu gestoßen. Heute leben alle drei im Raum Stuttgart und arbeiten „bei der großen Firma mit dem großen B“. Zwei sind verheiratet und haben einen Sohn.

Der Ludwigsburger Verein „Venezianer Herzog Carl Eugen“ begeisterte die Zuschauer.
Foto: Werner KuhnleDie beiden jungen Männer, die es sich mit einer Tüte Knabberzeug auf einer knallroten Picknickdecke bequem gemacht haben, sind sogar vom anderen Ende der Welt angereist. „Das sind mein Neffe aus Neuseeland und sein Freund“, erklärte die Tante, eine gebürtige Kanadierin. Einer der beiden wollte das Open Air unbedingt noch erleben, bevor es direkt wieder zurück nach Hause geht.
Wie man sich mit leichtem Gepäck einen zentralen Platz in der Picknick-Area sichert, wissen zwei befreundete Paare aus Gerlingen. Beim zweiten Besuch des Festivals hatten sie die Taktik raus: „Einfach pünktlich um 18 Uhr da sein“, so einer der Männer. Der faltbare Tisch passt in eine Tragetasche, „und die Stühle tragen wir über der Schulter“, ergänzten die beiden Frauen.
Fokus auf die Musik am Schloss Monrepos
Seit 2012 gestaltet das Orchester des Ludwigsburger Goethe-Gymnasiums traditionell den Auftakt des Open Air. Die jungen Musikerinnen und Musiker überzeugten auch in diesem Jahr mit beeindruckender Leistung – und das, obwohl sie kein Musikgymnasium wie etwa in Stuttgart besuchen. Das Orchester kam mit den schwierigen Voraussetzungen einer großen Open-Air-Bühne spielend leicht klar.
Dirigent Benedikt Vennefrohne sorgte mit klarer Zeichengebung für eine große klangliche Präsenz und Homogenität im Klangkörper. Mit Ferruccio Busonis Bearbeitung von Sätzen aus Mozarts Idomeneo sowie Heubergers Variationen über ein Thema von Franz Schubert wählte der Dirigent Werke, die perfekt zum Walzer-Thema des Abends passten. Die Arrangements gaben dem Orchester zugleich Raum, stilistische Vielseitigkeit zwischen Klassik und Spätromantik zu zeigen.

Dirigent Vinzenz Praxmarer und der Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele, Lucas Reuter (rechts).
Foto: Werner KuhnleDanach übernahm das Orchester Divertimento Viennese die Bühne. Die kongenialen Gesangssolisten Anna Gabler (Sopran) und Norbert Ernst (Tenor) ließen unter ihrem Dirigenten Vinzenz Praxmarer durch ungewöhnliche Programmgestaltung und einen für Walzerklänge ungewohnten Orchesterklang aufhorchen. Alexander von Zemlinskys Walzer-Zwischenspiel und sein Tanzpoem stellten mit ihrer komplexen Struktur eigentlich eine Herausforderung für ein Open-Air-Publikum dar – doch dank der großen Bühnenpräsenz und des musikalischen Feingefühls überzeugte das Ensemble auch hier.
So aber war das Publikum genauso konzentriert bei der Sache wie bei Walzerschmankerl von Johann Strauß und Richard Strauss. Große Walzerseligkeit vermieden Dirigent und Orchester bewusst und setzten markante rhythmische Effekte in den tiefen Stimmen und entsprechende Bläserklänge entgegen.
Fokus auf den Feuerwerk-Ersatz am Schloss Monrepos
Wegen des aktuell brütenden, seltenen Nachtreihers am Monrepos-See musste das traditionelle Feuerwerk abgesagt werden. Dafür gab es fantasievolle Farbeffekte auf der Front des Schlosses in den verschiedensten Farben. Zum „Rosenkavalier“ gab es auf beiden Seiten der Bühne eine Art überdimensionale Leuchtkerze zu bewundern.
Fächerförmige Lichteffekte in Grün und Violett lenkten die Blicke der Besucher vom Schloss hinauf auf den Nachthimmel. „Es war schön, auch ohne Feuerwerk“, befand abschließend eine Besucherin.














