Klirrende Kälte im Bottwartal: Eisweinlese: Winzer geht Risiko ein und wird belohnt
Die Weinlese 2025 haben die Wiedenmanns schon Anfang Oktober beendet – zumindest vorerst. Denn am Sonntagmorgen hat Marcel Wiedenmann seinen Jahrgang mit einer Eisweinlese veredelt. Bei minus 9 Grad hat der Bio-Winzer zusammen mit der Familie, Freunden und Bekannten tiefgefrorene Rieslingtrauben von etwa 800 Rebstöcken geholt. Wobei die wenigsten noch an den Stöcken hingen, sondern in den in die Drahtanlage eingeflochtenen Netzen lagen.
Um 6 Uhr traf sich die Mannschaft, eine dreiviertel Stunde später begann die Arbeit und nach eineinhalb Stunden war der Spaß vorbei. „Eiswein zu lesen hat seinen ganz besonderem Reiz“, gerät Wiedenmann ins Schwärmen. „Wenn du in der Eiseskälte im Weinberg stehst und die Sonne kommt langsam hinter Langhans hoch – da geht dir das Herz auf.“
Mostgewicht liegt bei 182 Grad Oechsle
Und wenn dann noch, so wie heuer, die Qualität stimmt, passt alles. Das Mostgewicht des Rieslings liegt bei 182 Grad Oechsle. Das sind 72 Grad mehr Zuckergehalt, als es sein müssten. Denn wer Eiswein produzieren möchte, muss sich an Vorgaben halten: Die Trauben müssen bei mindestens minus 7 Grad gelesen werden und mindestens 110 Grad Mostgewicht haben.
Zur Erklärung: Mostgewicht kennzeichnet das Gewichtsverhältnis von einem Liter Most zu einem Liter Wasser bei 20 Grad Celsius und resultiert in erster Linie aus dem Zuckergehalt. Aus diesem lässt sich dann auch der spätere Alkoholgehalt des Weines ableiten.

Marcel Wiedenmann (links) ist happy, dass es heuer mit der Eisweinlese geklappt hat.
Foto: Werner KuhnleDas Weingut Sankt Annagarten hat sich mit seinen Süßweinen einen Namen gemacht. Doch der letzte Eiswein wurde 2022 produziert. In den vergangenen beiden Jahren hat Wiedenmann keine Trauben an den Stöcken hängen lassen. Doch der 2022er ist beinahe ausverkauft und Wiedenmann ging das Wagnis ein. „Obwohl ich die Menge auch für das reguläre Sortiment brauchen hätte können“, sagt der 44-Jährige. „Und obwohl es nicht danach ausgesehen hat, als ob es witterungstechnisch klappen würde.“
Mehr als 200 Liter Eiswein wird es geben
Umso glücklicher ist Wiedenmann, dass er mehr als 100 Liter Eiswein keltern kann. Einen, der das Herz des Winzers nicht nur wegen der Menge, sondern auch wegen der Qualität höher schlagen lässt. Liebhaber gibt es viele. „Es gab eine Zeit, in der Eiswein in Masse produziert worden ist, aber das ist nicht mehr so.“ Die Gründe liegen für den Beilsteiner auf der Hand: Der Aufwand ist groß – vor allem in der Vorbereitung. „Die Rebstöcke müssen entlaubt und eingenetzt werden.“ Dazuhin macht die Natur nicht mehr so mit, wie früher. Doch am Sonntag hat alles gepasst. Eiseskälte, blauer Himmel, Sonne und tiefgefrorene Rieslingtrauben.








