Konzert in der Erich-Kästner-Realschule
: Hiss reißt Publikum in Steinheim mit

Die musikalische Weltreise in der Aula der Steinheimer Erich-Kästner-Realschule strotzt nur so vor Kraft, Rhythmus und Tempo.
Von
Cornelia Ohst
Ludwigsburg
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Die Band Hiss spielte in der Erich-Kästner-Realschule ihrem Programm „Wir sind überall daheim“.

Avanti/Ralf Poller

Die Konzertbesucher in der Aula der Steinheimer Erich-Kästner-Realschule erlebten am Freitagabend eine kleine Auszeit vom aktuellen Winter-Weihnachtsfeeling. Denn mit der Band Hiss und ihrem Programm „Wir sind überall daheim“ geht es auf musikalisch-mitreißende Weltreise, die vor Kraft, Rhythmus und Tempo nur so strotzt: und zwar quer durch Taiga, Prärie, Südsee oder in den hohen Norden, wo mit lockerem Zungenschlag und der Aneinanderreihung von skandinavisch klingenden Silben, die „besten finnischen Skispringer“ gewürdigt wurden, wie Stefan Hiss sein spaßiges Ansinnen dem Publikum verkaufte.

Es geht meist ums „Saufen und Sterben“

Ohnehin kommen bei Hiss´ losem Mundwerk und seinen würzig-bissigen Texten keine besinnlichen oder gar frommen Gefühle auf, auch wenn der strahlende Weihnachtsbaum in Blickweite stand. Dafür aber jede Menge sinnliche – oder besser – vom Sinnesrausch geprägte Eindrücke. Denn wie der Bandleader selbst zugibt, gehe es bei den Liedern meistens ums „Saufen und Sterben“. Nun, ganz so eindimensional geht es dann doch nicht zu: die Palette der ironischen Songs, die pure Lust am schrägen und beißenden Humor und überhaupt am Leben offenbaren – und Hiss sogar zu einer „Triggerwarnung“ veranlassen, bringen rasch Bewegung in den Saal und große Heiterkeit. Bei dem flotten Stück „Schlecht“ jedenfalls skandiert der Sänger lustvoll die Sentenzen: „Schwarz ist die Nacht, schwarz ist meine Seele“ und „Ich bin schlecht“.

Begeisterte Zurufe, heftiger Applaus

All das wird vom Publikum nicht nur goutiert, sondern mit begeisterten Zurufen, heftigem Applaus und ausgelassenem Gelächter bedacht. Und dann gibt es sie: jene Songs, die Gefühle transportieren und sanftere, bedächtige Anklänge ins Ohr tragen, wie die Ballade „Dich vergess ich nie“. Und dennoch: Die trockenen, machohaften Song-Überleitungen von Spötter Stefan Hiss sind bei den Auftritten der fünfköpfigen Kapelle ebenso wenig wegzudenken, wie die markant-giftigen Zeilen der Texte. Und ganz besonders die hemmungslose Spielfreude der Musiker.

Die nämlich ist von erlesener Brillanz; die Instrumentalisten bringen auch nach mehr als 29 Jahren Bühnenarbeit derart viel Begeisterungsfähigkeit und Verve auf die Bühne, dass die Band mit ihrem temporeichen Mix aus Polka, Ska, Rock’n’Roll, Taiga-Twist und Texas-Tango wie ein ausgemachtes Teufelswerk wirkt. Denn Hiss hat lauter Teufelskerle um sich geschart.

Was die einzelnen Musiker zeigen

Diabolisch anmutend reitet Michael Roth über den unsichtbar in seine Hand geschmiegten „Goschnhobel“ und lässt die Stimmzungen darin unermüdlich aufschreien und erzittern. Ein orgiastisches Mundharmonika-Solo von Roth, bei dem die Zuschauer bisweilen die Befürchtung erleiden, der Bläser könnte zwecks Luftmangel kollabieren, brennt sich unauslöschlich im Geiste ein. Auch das Wetteifern zwischen Roth und Stefan Hiss zum Ende eines Songs hin, wer nämlich länger durchhält, macht Laune. Zwei weitere hemmungslose Virtuosen, die sich gegenseitig gern mal aufputschen, sind der Bassist Volker Schuh und Gitarrist Gabriel Holz.

Beide lenkten am Freitag durch ihr originelles, mitunter komplett entfesseltes Gitarren-Spiel, die Augen magisch auf sich. Den markanten Sound und das pulsierend-treibende Hämmern bietet punktgenau und lustvoll Drummer Bernd Öhlenschläger; das leidenschaftliche Spiel auf dem Akkordeon, Stefan Hiss persönlich. Kein Wunder also, dass Hiss die Band „als Höhepunkt des Kirchenjahres beschreibt“.

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