Kräuterpädagogik in Ludwigsburg: Wie ein selbst gebrühter Tee Achtsamkeit in der Kita Atlantis fördert

Kräuterpädagogin Anamaria Zube Pop zeigt Pädagogen, was man alles Unerwartetes mit Pflanzen machen kann.
Simon GranvilleWie Naturerfahrungen Kinder und Erwachsene stärken können – darum ging es beim Workshop der Kita Atlantis in Ludwigsburg. Mit der Kräuterpädagogin Anamaria Zube Pop erkundeten Erzieherinnen, Mitarbeiter und Partner, wie kleine Momente im Grünen Entspannung, Sinneserfahrungen und Gesundheit fördern.
„Achtsamkeit heißt, die Natur nicht nur als Dekoration wahrzunehmen, sondern als Wert an sich“, erklärte die Kräuterpädagogin gleich zu Beginn des Workshops.
Für die stellvertretende Kita-Leiterin Sabrina Kaya und ihr Team beginnt Natur vor der Haustür. Am Weg neben der Kita wächst eine prächtige Kornelkirsche – deren Früchte durften alle probieren. Die sauren Beeren sollte man, so der Hinweis, langsam genießen, um möglichst viele davon essen zu können.
Tee aus Rosenblüten und Kräutern
Fast als ob die Probier-Runde bei den Kornelkirschen schon etwas von der Anstrengung aus dem hinter ihnen liegenden Arbeitstag mit den Kindern in der Kita herausgenommen habe, spazierte die Gruppe weiter zum Dorfbrunnen in der Nähe der Ulrichskirche. Gespräche entspannen sich da von allein.
Wie zum Beispiel über den Atlantis-Tee, für den die Kinder selbst die Kräuter und Rosenblüten pflücken. Ideal dabei ist, dass Atlantis eine Außenstelle in Form eines Bauwagens inmitten der nahen Felder hat. Die Kräuter werden im Kindergarten getrocknet und tagsüber als Tee in der Kita getrunken. „Das hat bei uns Tradition, das machen wir schon seit zehn Jahren so“, erzählte Sabrina Kaya.
Noch eine längere Tradition in Ludwigsburg hat Minifit, die Initiative „Gesundes Netzwerk für Kinder“. In diesem Jahr gibt es diese Kooperation zwischen einer Krankenkasse, der Kommune und den Kirchen seit 20 Jahren.
Das Plätschern wirkt beruhigend
Am Dorfbrunnen wirkte auf manche schon das Plätschern des Wassers beruhigend. Am wichtigsten war Anamaria Zube Pop allerdings der Lindenbaum direkt daneben. „Oft sind es unbewusste Impulse, die uns eine Auszeit aus der belastenden Gegenwart möglich machen“, erläuterte sie. Angenehme Düfte, wie etwa der von Lindenblüten, wirkten unmittelbar auf das limbische System im Gehirn, das schon Babys ihre Mütter an deren Duft erkennen ließen, so die Expertin.
Schauen ist unaufwendige Meditation
Schmecken und Riechen sind wichtige Sinneserfahrungen, das hatten die Weiterbildungs-Teilnehmer bereits erfahren. Schauen ist aber auch eine gute Möglichkeit, um die Gedanken zur Ruhe zu bringen: „Einfach dasitzen und gucken“ sei die unaufwendigste Art der Meditation, sagte Anamaria Zube Pop. So einladend die Bank am Weg dafür auch aussah – die Expertin hatte eine weitere Station inmitten der Streuobstwiesen eingeplant.
„Vom Holunder haben die Menschen früher alles verwendet“, erzählte sie und nahm einen Zweig in die Hand. Heutzutage schätzen viele die Blüten in erfrischenden Getränken. Von den Schatten spendenden Eigenschaften des Strauchs machten alle Gebrauch und versammelten sich direkt darunter.
Übrigens: Für den Atlantis-Tee gibt es kein Geheimrezept. Exklusiv ist er aber trotzdem. Denn man kann ihn nirgendwo kaufen. Es gibt ihn nur für die Kinder in der Atlantis-Kita.