Kriminalität in der Region
: Falsche Bankmitarbeiter nehmen Senioren aus

Neue Masche: Drei Männer sollen im Raum Leonberg und in der ganzen Region älteren Menschen Bankkarten samt PIN-Nummern entlockt – und damit hohe Summen abgehoben haben.
Von
Henning Maak
Ludwigsburg
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Drei Männer sollen Senioren Geldkarten und PIN-Nummern abgeluchst haben. Danach hoben sie hohe Summen ab.

Thomas Banneyer/dpa

Nach den Schockanrufen mit dem Enkeltrick und der Masche mit den falschen Polizisten ist bei Kriminellen offenbar eine neue Variante betrügerischer Telefonanrufe in Mode gekommen: Seit einigen Monaten häufen sich in ganz Deutschland Fälle, in denen sich Betrüger am Telefon unter den Allerweltsnamen Müller oder Schmidt als Bankmitarbeiter ausgeben, die eine vermeintliche Gefährdung des Kontovermögens abzuwehren vorgeben und oft mit Erfolg von den Angerufenen dafür PIN-Nummer und EC-Karte ergattern.

Drei Männer sollen 45 000 Euro ergaunert haben

Vor dem Landgericht Stuttgart hat nun ein Prozess gegen drei junge Männer begonnen, die in der Region Stuttgart sowie in Niedersachsen in 26 Fällen rund 45 000 Euro von zumeist hochbetagten Opfern ergaunert haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 28-Jährigen aus Stuttgart und zwei 21 und 20 Jahren alten Männern aus Göttingen gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Sie sollen Teil einer Bande sein und als sogenannte Abholer EC-Karten und Bargeld bei hochbetagten Senioren abgeholt haben. Geschulte Mitarbeiter am Telefon, die so genannten Keiler, hatten ihnen vorgespiegelt, ihr Bankvermögen sei in Gefahr.

Leonbergerin wird um 7000 Euro ärmer

Zwei der Angeklagten sollen zeitweise auch die Abholungen organisiert haben. Aktiv war das Trio laut Anklage in den ersten drei Monaten dieses Jahres schwerpunktmäßig in Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Bremen.

Anfang Februar überzeugte laut Anklage eine Anruferin eine 86-jährige Frau in Leonberg am Telefon, dass sie eine neue EC-Karte bekäme und ihre alte abgeben müsse. Zudem müsse ihre PIN-Nummer geändert werden. Der 28-jährige Angeklagte soll bei der Seniorin erschienen sein und mit Karte und PIN-Nummer der Frau nicht nur 3000 Euro an einem Bankautomaten abgehoben haben, sondern auch noch 4000 Euro Bargeld aus der Wohnung der Frau mitgenommen haben – mit der Erklärung, er müsse überprüfen, ob es sich um Falschgeld handle.

Fies: Daten abgefragt für eine vermeintliche Stornierung

Bei einem 83-Jährigen in Backnang (Rems-Murr-Kreis) soll eine Frau angerufen und ihn gefragt haben, ob er eine Überweisung von 4200 Euro an Zalando autorisieren könne. Nachdem der Mann dies abgelehnt hatte, habe die Anruferin ihm erklärt, dass sie für die Stornierung der Zahlung seine PIN-Nummer und seine Bankkarte brauche. Die Karte soll dann abermals der 28-jährige Angeklagte abgeholt und bei einer nahe gelegenen Filiale 1800 Euro abgehoben haben, nachdem der Angerufene die PIN-Nummer am Telefon preisgegeben hatte.

Eine Renningerin wurde misstrauisch

Laut Anklage ergaunerte die Bande mit ähnlichen Maschen bei einer 86-Jährigen aus Kornwestheim und einer 88-Jährigen aus Korntal-Münchingen jeweils 1000 Euro. Bei einem 89-jährigen Mann aus Möglingen und bei einer 81-jährigen Frau aus Hemmingen soll die Beute jeweils 2500 Euro betragen haben. Bei einer 85-jährigen Frau aus Renningen misslang der Versuch, da diese misstrauisch wurde.

Festgenommen wurden zwei der drei Angeklagten auf frischer Tat im badischen Karlsbad, nachdem die Polizei nach einer Funkzellenauswertung auf die Spur der Bande gekommen war und das Duo observiert hatte. Der 28-Jährige muss sich wegen 23 Taten verantworten, der 21-Jährige wegen 18-fachen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Der 20-Jährige soll bei fünf Taten dabei gewesen sein.

Für den Prozess sind nach derzeitigem Stand sechs weitere Verhandlungstage vorgesehen, das Urteil soll am 21. November verkündet werden.

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