Krise im Weinbau
: „30 bis 50 Hektar werden bis Jahresende brach liegen“

Immer mehr Wengerter im Bottwartal geben ihre Flächen auf. Plakate der Bottwartaler Winzer in Großbottwar (Kreis Ludwigsburg) sollen auf das Problem aufmerksam machen.
Von
Sandra Lesacher
Ludwigsburg
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Die großformatigen Aufrufe sind im ganzen Bottwartal zu sehen.

privat

„Hier wächst bald nichts mehr. Es sei denn, du trinkst mit“, steht in großen Buchstaben auf riesigen Plakaten. Zu sehen sind die großformatigen Aufrufe im ganzen Bottwartal – mit Blick auf die Weinberge oder in den Weinbergen selbst. „Beste Wahl – trink regional“ und „Weinlandschaft ade?“ steht dort ebenfalls geschrieben. Aufgestellt haben die Plakate die Bottwartaler Winzer. Mit ihrer Werbeaktion will die Genossenschaft mit Sitz in Großbottwar auf ein großes Problem aufmerksam machen.

„Wir haben einfach das Gefühl, dass der Weinbau leise stirbt“, sagt Immanuel Gröninger, der Vorstandsvorsitzende der Bottwartaler Winzer. Es scheine keiner so richtig mitzubekommen, was da vor sich geht. Immer wieder werden Gröninger und seine Mit-Wengerter etwa von Spaziergängern gefragt, wann die leeren Flächen in den Weinbergen wieder bepflanzt werden. „Und dann staunen sie immer, wenn wir sagen, dass diese Flächen aus der Produktion genommen wurden.“

Die mit Wein bepflanzten Flächen werden weniger

Regional trinken, so lautet die Aufforderung.

Foto: privat

„Es kann sich niemand so recht etwas anderes als Weinberge hier im Bottwartal vorstellen“, so der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. Aber Fakt ist: Geht der Absatz heimischer Weine weiter zurück, droht der Verlust der typischen Weinlandschaft. Die mit Wein bepflanzten Flächen werden weniger. Und zwar ziemlich rasant. Immanuel Gröninger rechnet damit, dass von den aktuell 300 Hektar Rebfläche der Genossenschaftsmitglieder bis zum Jahresende 30 bis 50 Hektar aufgegeben und brachliegen werden.

Im vergangenen Jahr waren es bei der Genossenschaft in Großbottwar etwa 20 Hektar, die von Mitgliedern aufgegeben wurden. Besonders betroffen sind die steilen und schlecht zu bewirtschaftenden Lagen. Wengerter hören auf, gehen in Rente, finden keine Nachfolger für ihre Stücke, die Arbeit lohnt sich nicht mehr. Gröninger: „Der Pachtpreis ist bei Null.“

Was also tun, um die Entwicklung aufzuhalten? Diese Frage haben sich schon viele gestellt, sie ist Thema bei Konferenzen, in der Politik, in der Weinbranche. Und immer wieder lautet die Antwort: Die Konsumenten sollen nicht zu internationalen Tropfen greifen, sie müssen regional trinken. Die Weinmacher – nicht nur im Bottwartal – sind genau darauf angewiesen.

Daher die Kampagne der Bottwartaler Winzer. Mit ihrer Aktion will die Genossenschaft nun keineswegs zum übermäßigen Trinken auffordern. Diese Zeiten seien vorbei. Vielmehr gehe es um eine bewusste Kaufentscheidung. Denn: „Wer weniger, aber dafür umso mehr regional genießt, unterstützt Landschaft, Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft vor Ort“, lautet das Credo.

Die Weinregionen im Ländle und im ganzen Land stehen unter Druck: sinkender Absatz, verändertes Konsumverhalten und steigende Kosten setzen den Winzern zu. „Der Trend zum bewussteren Alkoholkonsum ist aus gesundheitlicher Sicht zu begrüßen – für die heimische Weinwirtschaft bedeutet er jedoch zusätzliche Herausforderungen“, heißt es seitens der Bottwartaler Winzer.

Überwuchert von Brombeerhecken und Gestrüpp

Stichwort Flächensterben. Weniger Flaschen im Einkaufskorb bedeuten auch weniger Flächen, die gepflegt werden. Viele der hiesigen Rebflächen sind ausschließlich für den Weinbau geeignet. Werden sie aufgegeben, verwandeln sie sich innerhalb kurzer Zeit in Brachland, überwuchert von Brombeerhecken und Gestrüpp. Bei einem Spaziergang in den Weinbergen im Bottwartal oder einer Schifffahrt auf dem Neckar kann man das gut beobachten. Damit verschwindet nicht nur das typische Landschaftsbild, sondern auch ein Stück regionale Identität.

„Wir wollen mit unserer Kampagne nicht schwarzmalen, sondern zeigen, dass wir alle die Zukunft mitgestalten können“, sagt Immanuel Gröninger. „Ein Glas Wein aus der Region ist nicht nur Genuss, sondern ein Stück Heimatpflege.“ Die Botschaft lautet also: Jeder kann mithelfen, die einmalige Bottwartaler Kulturlandschaft zu bewahren. Man muss nur regionalen Wein trinken. Sonst wächst hier bald nichts mehr.

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