KSK Music Open Ludwigsburg: Unmut über fehlende Künstler bei 90er-Live-Party – was lief schief?

Bei der 90er-Live-Party wurde ordentlich gefeiert – doch manche Ticketbesitzer waren verärgert.
Werner KuhnleAm Samstagabend lagen sich Besucher mit schrillen Hemden, neonfarbenen Anzügen und Schweißbändern vor der Bühne des Ludwigsburger Residenzschlosses in den Armen. Sie sangen textsicher die Refrains bekannter Lieder mit, erinnerten sich an ein vergangenes Jahrzehnt und manch einer hoffte, dabei seine „Jugend noch einmal aufleben zu lassen“.
Doch nicht alle dürften auf der „90er Live“-Party im Rahmen der KSK Music Open gute Laune gehabt haben. Stattdessen: Empörung. Denn zwei angekündigte Acts fehlten – und gerade für die hatten sich viele Menschen ein Ticket für 35 Euro gekauft.
Bekannt durch Hits wie „Bailando“
Mit der Niederländerin Loona, die für ihre Hits „Mamboleo“, „Bailando“ oder „Rhythm Of The Night“ bekannt ist, warb der Veranstalter im Vorfeld. Sie und die Musikgruppe „Mr. President“ wurden in der offiziellen Ankündigung als „Superlative“ bezeichnet – doch sie kamen nicht. „Seine Gäste so derart zu veräppeln ist schon mehr als dreist!“, schreibt ein Mann unter dem aktualisierten Zeitplan, der am Freitag auf Instagram gepostet wurde.
Viele Besucher fordern in den Kommentarspalten der sozialen Medien eine Teilrückerstattung, sprechen von Betrug oder einer Unverschämtheit. Was den Gästen besonders sauer aufstößt: Sie haben offenbar keine Mail bekommen, die über den Ausfall der Acts informiert. Die Information, dass Loona und Mr. President nicht auftreten, wurde nur über die Webseite und Instagram der KSK Open geteilt. „Keine Entschuldigung und keine Ansage vom Veranstalter“, schreibt einer.
Ticketkäufer fragen, wo die Bands sind
Manche finden sich Samstagabend vor der Bühne ein und warten vergeblich auf ihren Lieblingsact. „Wir sind vor Ort. Wo sind die Künstler?“, kommentiert eine Nutzerin. Einige kündigen in den Kommentaren jetzt schon an, künftig keine Tickets mehr zu kaufen. Loona und Mr. President sind am Samstagabend stattdessen 800 Kilometer weiter in Rostock aufgetreten. Krank oder kurzfristig verhindert scheinen die Künstler also nicht gewesen zu sein. Woran lag es dann? „Wir haben die Künstler über eine Generalagentur gebucht und verpflichtet“, erklärt Michael Scholz von der Veranstaltungsagentur Eventstifter auf Anfrage.
„Beschwert euch bei den Künstlern“
Wenige Tage vor der Show hätten sie mitgeteilt, dass sie nicht kommen. „Sie haben festgestellt, dass Rostock und Ludwigsburg so weit auseinander liegen. Darauf haben wir sie aber schon vor Wochen aufmerksam gemacht.“ Auf die Frage, wie sie die Strecke in wenigen Stunden fahren wollen, hätte Eventstifter nie eine Antwort erhalten. Streit oder fehlende Zahlungen seien nicht der Grund für die Absage gewesen. Man werde jetzt prüfen, was mit der Gage passiere. Als Ersatz spielte die Band Fun Factory.
Eine Leserin berichtet, dass sie die Veranstalter beider Spielorte – Rostock und Ludwigsburg – bereits im April auf die Doppelbuchung aufmerksam gemacht habe. Von Eventstifter sei ihr jedoch versichert worden, dass die Acts bei beiden Veranstaltungen persönlich vor Ort sein würden. In einem Facebook-Kommentar antwortete Eventstifter ihr: „Es findet ein Transfer zwischen den beiden Spielstätten statt.“
Rückerstattungen an Ticketkäufer schließt Michael Scholz aus. „Das Motto ist 90er, das haben sie bekommen.“ Per Mail könne er die Menschen nicht erreichen, sagt Scholz – ob jemand ein Ticket für Wincent Weiss oder die 90er-Party gekauft habe, sei aufgrund des Datenschutzes nicht zuzuordnen. „Wenn ich alle Käufer mit Infos zuspame, heißt es, was macht ihr mit meiner Mailadresse“, so Scholz. Vor Ort hätten einige Leute die fehlenden Acts moniert – ihnen habe man die Hintergründe erklärt und hinzugefügt: „Beschwert euch bei den Künstlern oder ihrem Management.“