Kürbisausstellung 2025: Ludwigsburger Märchenerzähler: „Kinder sind das anspruchsvollste Publikum“

Anselm Roser in seinem Element.
Maximilian KrohMitten im Blühenden Barock Ludwigsburg stürzt am Samstagnachmittag ein Mann zu Boden. Er heißt Anselm Roser, aber in diesem Moment ist er nicht er selbst. Er ist Pipong, eine Maus, die das Fliegen lernen will, und daran scheitert – Roser ist in diesem Moment voll in seinem Element: als Märchenerzähler bei der Kürbisausstellung.
Seit etwa zwölf Jahren macht er das, erzählt Roser eine gute Stunde vor seinem Auftritt. Er ist ein ruhiger Typ, wirkt nachdenklich, wählt seine Worte mit Bedacht. Wer ihm im Gespräch gegenübersitzt, kann sich ihn nur schwer einen Mann vorstellen, der später mit einem Filzhut auf dem Kopf von einem Ort zum anderen hüpft, um gleichzeitig eine Maus, ein Faultier, einen Zwerg und eine Fee zu spielen. Roser setzt sich also nicht einfach hin und erzählt Kindern Geschichten, er liefert eine Show als Ein-Mann-Theater.
Faultier sächselt, Zwerg ist Schweizer
„Mir gefällt das: Einen Kontrast reinzubringen zwischen den verschiedenen Figuren, und der Erzähler spricht dann wieder neutral“, sagt er. Rosers Faultier lehnt an einem Baum und sächselt, der Zwerg wuselt mit schweizerischem Dialekt durch die Gegend, die Maus kauert auf dem Boden und blickt unsicher umher.
Sein Märchen heißt „Die Maus, die fliegen wollte“, eines seiner Klassiker, Roser hat es sich selbst ausgedacht. „Der Vorteil ist, dass ich keinen Text auswendig lernen muss“, sagt er. „Und wenn die Kinder das Märchen schon kennen, sind sie sehr penibel mit den Details, dann korrigieren sie mich.“
Angefangen hat Rosers Laufbahn als Märchenerzähler durch Zufall. Eine Freundin arbeitete bei der Ausstellung beim Kürbisschnitzen. Dort standen die Kinder häufig Schlange, wurden unruhig. „Da hat sie mich gefragt, ob ich nicht was erzählen könnte, während sie warten“, sagt Roser – das funktionierte gut. „Irgendwann haben die Veranstalter dann gefragt, ob ich im nächsten Jahr wieder kommen mag.“
Ein Kürbis soll im Märchen vorkommen
Seitdem ist der 59-Jährige dabei, anfangs noch mit einer gewissen Unregelmäßigkeit, seit ein paar Jahren mit festen Zeiten: vier Wochenenden, vier Vorstellungen. Großartige Vorgaben machen ihm die Veranstalter der Kürbisausstellung nicht, ein Kürbis sollte im Märchen vorkommen, am besten auch noch das Ausstellungsmotto. „Das ist diesmal schwer“, sagt er. „Deshalb ist es auch noch nicht ganz fertig und ich erzähle Märchen, die sich bewährt haben.“
Das Geschichtenausdenken vergleicht Anselm Roser mit dem Kochen: Am Anfang steht eine Idee, ein Motiv oder eine Titelfigur. „Es muss etwas sein, mit dem sich die Kinder identifizieren können“, sagt er. Dann greift Roser auf die Zutaten zurück, die gute Märchen eben ausmachen. Ein bisschen Zauber, ein bisschen Feen, sprechende Tiere. „Im Prinzip ist alles schon da, aber man kreiert etwas Neues daraus“, erklärt er. „Wichtig ist mir, dass es eine Geschichte ist, die die Persönlichkeit der Kinder stärkt.“
Wenn die Geschichte steht, geht es noch um die Performance – Roser will ja eben nicht nur dasitzen und erzählen. Er bewegt sich viel, gestikuliert ausufernd. Aber er wechselt nicht nur zwischen seinen Figuren, verändert Stimmlage oder Sprache, immer wieder blickt er die Kinder auch direkt an. „Ich nehme zu jedem Kind Kontakt auf“, erklärt er – sie sollen sich einbezogen fühlen.

Halbkreisförmig aufgestellte Strohballen sind der Zuschauerrang.
Foto: Maximilian KrohDas ist auch wichtig, weil Roser nicht auf einer Bühne spielt, die von Weitem zu sehen ist. Auf der Wiese unterhalb der Emichsburg reiht er vor einem Baum ein paar Strohballen halbkreisförmig auf, das ist sein Zuschauerrang. Wenn genug Kinder da sind, fängt er einfach an zu spielen – nachdem er kurz zur Ruhe gekommen ist. „Ich habe selbst bei Kindern enormes Lampenfieber“, gibt Roser zu. Denn bei all seiner Erfahrung weiß er auch: „Kinder sind das anspruchsvollste Publikum. Wenn es ihnen nicht gefällt, stehen sie auf und gehen.“
Ein paar tun das tatsächlich, andere kommen später dazu, die meisten aber gucken sich die knapp 20-minütige Vorstellung komplett an. Hinterher kommt ein Mädchen zu ihm und fragt, ob er nicht noch mal tanzen könne. Roser nimmt einen Schluck aus der Wasserflasche. Tanzen wird er gleich wieder – aber erst zur nächsten vollen Stunde.
Kürbis-Märchen
Vorstellungen
Anselm Roser erzählt am 27. und 28. September sowie am 3., 4. und 5. Oktober bei gutem Wetter um 14, 15, 16 und 17 Uhr seine Märchen.
Ausstellung
Die Kürbisausstellung im Blühenden Barock ist noch bis zum 2. November täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.