Kürbisregatta Ludwigsburg: Kürbishelm im Kürbisboot: Wie sich fünf Freunde durch den Schlosssee kämpfen

Silas, Mario, Adrian, Manuel und Anna-Lena (von links) vom Hochschulsport Stuttgart haben mit ihren kreativen Helmen viel Aufmerksamkeit bekommen.
Emanuel HegeEin wildes Schaukeln, ein Zusammenstoß mit der Trennleine und ein rutschiges Kürbisinneres, das sich eher wie ein Suppentopf anfühlt als wie ein Boot: Trotz aller Schwierigkeiten rast Student Adrian am Samstagnachmittag mit einer Zeit von einer Minute und 38 Sekunden ins Ziel der Kürbisregatta auf dem Schlossgartensee im Blühenden Barock – nur Sekundenbruchteile vor seinem Verfolger.
Sein Debüt im schwimmenden Riesenkürbis war härter als gedacht. „Mittlerweile ist der Boden im Kürbis richtig glitschig“, sagt der 27-Jährige. Kein Wunder: Nach mehreren Vorläufen hat sich in vielen Booten bereits eine kleine „Kürbissuppe“ gebildet.
Neuer Teilnehmerrekord
Während Adrian noch über das Verbesserungspotenzial seines Rennens nachdenkt, stauen sich draußen vor den Toren des Blühenden Barocks lange Menschenschlangen am Einlass. An diesem letzten Sommertag des Jahres strömen so viele Besucherinnen und Besucher ins Gelände wie selten zuvor – und auch die Regatta selbst verzeichnet einen Rekord.
60 Männer und 50 Frauen kämpften am Nachmittag um den Einzug ins große Finale am Sonntag. Jeweils zehn Plätze gab es zu ergattern. Der Konkurrenzdruck war selten so hoch, und eine Zeit von 1:38 Minuten wie die von Adrian reichte nicht automatisch für das Weiterkommen.

Adrian kommt nach seinem schlechten Start in Fahrt.
Foto: Emanuel HegeFür Adrian und seine vier Freunde ist schon die Teilnahme ein Erlebnis. Aufgefallen ist die Gruppe den Zuschauern nicht nur durch ihre Rennen, sondern auch durch ein ungewöhnliches Accessoire: ausgehöhlte Kürbisse als Helme.
„Man kann auf der Strecke schon mal kentern und sich den Kopf anschlagen“, erklärt Adrian. „Wir haben da eine gewisse Vorbildfunktion.“ Sein Kanu-Kumpel Manuel, der ein T-Shirt mit der Aufschrift „Berg-Life-Balance“ trägt, ergänzt: „Mit Helm paddeln ist für uns sowieso Gewohnheit.“ Silas streicht lachend über seinen auffällig geformten Kürbishelm: „Wir erhoffen uns auch ein bisschen Aerodynamik.“
Die fünf – Adrian, Silas, Manuel, Mario und Anna-Lena – sind wegen ihrer Leidenschaft für den Paddelsport nach Ludwigsburg gekommen. Sie kennen sich vom Hochschulsport in Stuttgart, wo sie regelmäßig im Kajak trainieren. „Normalerweise sind wir in einem Hallenbad oder im Wildwasser unterwegs“, sagt Adrian, der zusammen mit seinen Freunden schon seit Stunden in der Sonne auf seinen Start wartet.
Die fünf bringen also schon einiges an Erfahrung mit. Jedes Jahr fährt die Hochschulgruppe in die Berge, immer wieder fahren sie aber auch spontan am Wochenende ans Wasser und suchen das Abenteuer. Doch die Erfahrung im Kanu bedeutet keinen automatischen Vorteil bei der Kürbisregatta, betont die Gruppe.
Nicht bei jedem läuft es rund
Schon bei den Testfahrten am Vormittag merkten die Kajakfahrer schnell: Ein Riesenkürbis im Wasser gehorcht anderen Gesetzen als ein modernes Boot. Manche Teilnehmer bekamen das sofort zu spüren. Eine junge Frau im Trikot der Stuttgarter Kickers geriet so heftig ins Schlingern, dass ihr Kürbis nach nur dreißig Sekunden volllief – sie musste abbrechen. Eine andere Teilnehmerin, die als „Hokkaido-Heidi“ antrat, kenterte kurz vor dem Ziel und kletterte – begleitet vom Applaus der Zuschauer – klatschnass aus dem Schlossgartensee.
Sechs Kürbisse standen den Teilnehmenden zur Auswahl, und die Entscheidung war alles andere als leicht. „Die kleineren sind zwar wendig und schnell, dafür aber extrem kippelig“, erklärt Adrian. „Die großen liegen stabiler im Wasser, sind dafür aber schwerfällig.“

Die Gruppe um Adrian wartet in der Sonne auf ihren Einsatz warten.
Foto: Simon GranvilleTatsächlich lassen sich wegen der unterschiedlichen Maße der Kürbisse auch kaum die Rennzeiten der mittlerweile 20 Ausgaben der jährlichen Kürbisregatta vergleichen. Während in manchen Jahren Kürbisse so leicht und schnittig waren, dass Zeiten von knapp über einer Minute erreicht wurden, dauert eine Spitzenfahrt im aktuellen Jahr rund eine Minute und 20 Sekunden.
„Ich hoffe, meine Taktik geht auf“, sagte Adrian kurz vor dem Start. „Lieber einen schweren, stabileren Kürbis – und dann richtig reinhauen.“ Doch gleich zu Beginn wirkt das alles andere als stabil: Bei den ersten Schlägen gräbt er das Paddel so tief ins Wasser, dass er fast kopfüber in den Schlossgartensee kippt.
Am Ende nur eine gute Zeit
Während sein Konkurrent – der sich selbst „Butternut-Bernd“ nennt und in Leopardenhose und Glitzer-Top über den See paddelt – früh einen Vorsprung herausfährt, muss sich Adrian mühsam herankämpfen. Im letzten Drittel touchiert er sogar noch die Trennleine und verliert erneut Tempo, doch er kämpft sich zurück in die Spur und gewinnt schließlich sein Duell – in einer guten, aber nicht überragenden Zeit. Der Tagesschnellste schaffte 1:13 Minuten, Adrians knapp anderthalb Minuten reichen nicht fürs Finale.
Nur Manuel sichert sich aus der Fünfergruppe einen Platz im Endlauf am Sonntag. Für Adrian ist das kein Grund zur Enttäuschung: „Wir sind hier, um Spaß zu haben“, sagt er. Der Finallauf wäre ein Bonus gewesen – das Erlebnis im wackligen Kürbisboot aber bleibt für ihn unbezahlbar.