Musik in Marbach am Neckar
: Klangvolles Zwiegespräch zwischen Harfe und Orchester

Beim Herbstkonzert der Marbacher Sinfonia bekam Theresa Bogisch viel Beifall für ihr gekonntes Harfenspiel. Aufgeführt wurden Werke von Boieldieu und Beethoven
Von
Arnd Bäucker
Ludwigsburg
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Stuttgarter Zeitung

Das Marbacher Liebhaberorchester Sinfonia ist mit dem Herbstkonzert seinem Anspruch wieder einmal gerecht geworden: Dem Anspruch, hochkarätige Musik in exzellenter Qualität aufzuführen. In der Stadthalle freuten sich am Sonntag mehrere hundert Zuhörer über schwungvolle, auch fröhliche Musik von Francois-Adrien Boieldieu und Ludwig van Beethoven. Die 43 Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Benedikt Engel begeisterten durch einen starken Auftritt.

Akustischer Kontrapunkt zum melancholischen November

Der Franzose Boieldieu und der Wahl-Wiener Beethoven waren Zeitgenossen. Die Sinfonia spielte Werke, die in ihrer Beschwingtheit und Dynamik positive Gefühle ansprachen, ein akustischer Kontrapunkt zum melancholischen November. Die Kompositionen verlangten den Musikern einiges ab; doch sie meisterten die Aufgaben mit großer Disziplin und Engagement.

Theresa Bogisch überzeugte an der Harfe.

Foto: privat

Die Ouvertüre zu Boieldieus Opera comique „Jean de Paris“ eröffnete den Abend. Inhalt der Oper ist eine Verwechslungskomödie, im Zeitgeschmack der 1810er Jahre. Muntere Tonfolgen und anmutige Melodien nahmen bereits die amourösen Verwicklungen voraus, wobei auch mal eine Fanfare der Bläser hereinschmetterte – immerhin ist bewusster Jean der verkappte Thronfolger von Frankreich, der inkognito reist. Hier zeigte sich eine Stärke des Sinfonia-Orchesters: immer wieder kurz aufklingende Soli, etwa von den Oboen oder eine Schlagzeug-Trommelstrecke, die wie dichter Regen klang.

Einen musikalischen Genuss bescherte dem Publikum eine junge Frau, die aus Marbach kommt: Theresa Bogisch, mehrfache Siegerin im Landes- wie im Bundeswettbewerb Jugend musiziert. In Boieldieus Konzert für Harfe und Orchester C-Dur übernahm sie den Solo-Part. Faszinierend, mit welcher Konzentration sie ihre Finger über die Saiten tanzen ließ, wie sie sauber alle Einsätze traf und ihr schönes Instrument in ein wohltönendes Zwiegespräch mit dem Orchester der Sinfonia führte.

Dieses Konzert besteht aus drei Sätzen, auf einen feierlichen, bewegten ersten Teil folgt ein melancholischer Satz, der dritte Satz mündet in lebhafte Wirbel. Theresa Bogisch entlockte der Harfe Töne wie große Perlen, wie Wassertropfen, in denen sich das Sonnenlicht spiegelt. Sie erzeugte intensive Emotionen, sowohl mit dem klagenden zweiten Satz als auch im furiosen Finale. Die Harfe führte mit klaren, hellen Couplets das Orchester aus der Traurigkeit. Streicher und Bläser folgten ihr mit Intensität, unterstrichen und verstärkten etwa mit Pizzicato-Griffen. Alle Hände rührten sich zum Applaus, und die 20-jährige Künstlerin strahlte über das ganze Gesicht.

Optimismus und immer nahe beieinander

Das dritte Werk bot eine echte Herausforderung. Die Zweite Symphonie von Ludwig van Beethoven gilt zwar als die ausgelassenste und fröhlichste des Komponisten. Sie steckt jedoch voller Brüche und überraschender Wechsel, die nur mit hoher Konzentration zu bewältigen sind. In dieser Musik stehen Optimismus und Drama immer nahe beieinander.

Das Orchester führte das Publikum sauber durch vier Sätze voll unterschiedlicher Emotionen. Dabei bewährte sich erneut, wie breit die Sinfonia bei den Instrumenten aufgestellt ist. Immer wieder stimmten einzelne Instrumente das Orchester auf Übergänge und neue Passagen ein, mal eine Oboe, mal eine Flöte, mal ein Cello, mal die Hörner. Hörner, Fagotte, Klarinetten beschworen die Dynamik des dritten Satzes. Im abschließenden Allegro molto folgte eine tolle Kaskade optimistischer Tonfolgen, reich an Variationen.

Das Publikum klatschte begeistert. Benedikt Engel verbeugte sich und meinte mit einem Augenzwinkern: „Danke für den warmen Applaus, auf den hatten wir gehofft.“ Und so hatte das Orchester noch eine Zugabe parat: Den zwölften von Beethovens Zwölf deutschen Tänzen.

Theresa Bogisch, die inzwischen die Harfenklasse der Hochschule für Musik in Karlsruhe besucht, sagte nach dem Konzert. sie habe sich bei diesem ersten großen Auftritt in Marbach sehr wohl gefühlt. „Es hat unheimlich Spaß gemacht, mit diesem Orchester zu spielen.“ Spaß und Freude hatte zweifellos auch das Publikum.

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