Nahwärmenetz in Ditzingen
: Wenn die Energie aus der Schule kommt

Ditzingen hat sein erstes Nahwärmenetz in Betrieb genommen. Es ist das Ergebnis einer jahrelangen Planung. Dem Pilotprojekt sollen vergleichbare Alternativen zur herkömmlichen Energieversorgung folgen.
Von
Franziska Kleiner
Ludwigsburg
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Das Herzstück des Wärmenetzes im Schulzentrum Glemsaue.

Simon Granville

Das Thema blieb für Außenstehende lange Zeit wenig greifbar, auch wenn der Gemeinderat sich immer wieder damit befasste: Die Schaffung des Wärmenetzes in der Kernstadt war sehr viel Theorie, ehe es dann konkret wurde. Seit wenigen Wochen sind die Bewohner der Bauern- und Breslauer Straße in der Ditzinger Kernstadt offiziell an ein neues Versorgungsnetz angeschlossen. Dieses würdigt der Oberbürgermeister der Stadt „als bedeutendenden Meilenstein für die nachhaltige Energieversorgung in Ditzingen“. Rund anderthalb Jahre dauerten die Arbeiten zum Bau des Netzes.

Das Wärmenetz – eine drei Millionen Euro teure Investition – besteht aus einem einen Kilometer langen Leitungsnetz und ist laut den Ditzinger Stadtwerken ausgelegt auf die Versorgung von rund 400 Wohneinheiten – einschließlich des Schulzentrums Glemsaue, den Sporthallen sowie einer Kindertagesstätte. Aktuell werden laut den Stadtwerken neben Sporthallen, Kita und Schule 228 Wohneinheiten von dem Netz gespeist. Um die Kapazität auszuschöpfen, wird laut den Stadtwerken bereits nachverdichtet.

Mit dem Einblick in das Herzstück der Wärmeversorgung bei der offiziellen Inbetriebnahme legte Stephan Schwarz auch dar, warum sich die Eigentümer der von seiner Hausverwaltung vertretenen 228 Einheiten für einen Anschluss an das Wärmenetz entschieden hatten. Die Gründe für die drei Wohnungseigentümergemeinschaften seien vielfältig, sagt Geschäftsführer Schwarz. Zwischen und auch innerhalb der Gemeinschaften seien sie durchaus unterschiedlich gewesen. „Insbesondere waren dies aber die Wirtschaftlichkeit bei Berücksichtigung aller Betriebs- und Instandsetzungskosten beziehungsweise Instandhaltungskosten.“ Dies sei durch die Unsicherheit wegen der sehr stark schwankenden Energiepreise und die Erfüllungsschwierigkeiten für das Energiewärmegesetz beziehungsweise Gebäudeenergiegesetz verstärkt worden. Alternativen seien zuvor selbstverständlich betrachtet worden.

Ein Mix aus mehreren Wärmequellen

Die Energie für das Ditzinger Wärmenetz wird durch unterschiedliche Wärmequellen wie einen Holzpelletkessel, ein Blockheizkraftwerk sowie einen Gas-Spitzenlastkessel in der Heizzentrale der Glemsaue erzeugt. Bereits zu Beginn stammen laut den Stadtwerken 65 Prozent der eingesetzten Energie aus erneuerbaren Quellen, mit dem Ziel, diesen Anteil kontinuierlich zu erhöhen – was derzeit bereits eine Einsparung von jährlich mehr als 700 Tonnen Kohlendioxid bedeute. Um den Anteil erneuerbarer Energien zu steigern, sei der Einsatz zusätzlicher Wärmepumpen geplant.

Keineswegs sei von Anfang an klar gewesen, dass das Projekt auch umgesetzt würde, so Schwarz. Die Zusage zur Umsetzung sei daran geknüpft gewesen, dass sich ausreichend Wohnungseigentümergemeinschaften im Gebiet beteiligen. „Dies war ja keine ausgemachte Sache, da diese jeweils ihre eigenen Entscheidungen treffen konnten und dann abwarten mussten, ob sich genügend andere Mitstreiter finden werden.“ Letztlich sei in der Umsetzung dann aber alles „recht reibungslos“ gewesen.

Für die Ditzinger Stadtwerke wiederum dürfte das Projekt von besonderer Bedeutung sein. Das vergleichsweise junge Unternehmen befindet sich auf dem Markt in einer Konkurrenzsituation. „Wir hatten bisher kein Jahr der Ruhe“, sagt Geschäftsführer Frank Feil. Erst sei das Gasnetz im Fokus gestanden, dann das Stromnetz,dann die Veränderung der Infrastruktur – die Stadtwerke zogen in neue Räume. Aber dies allein sei es nicht gewesen, sagt er mit Blick auf die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. „Es wäre gut, wenn nun alles so bleibt, wie es jetzt ist, dann hätten wir Planungssicherheit“, sagt er. Er würde sich Zeit wünschen von der Politik, um die Anforderungen auch systemisch umzusetzen, nicht aber durch die Vielzahl „paralysiert zu werden“. Zumal die Stadtwerke nicht allein auf dem Markt agieren. Konkurrenz seien nicht nur andere Unternehmen, sondern, mit der Wärmepumpe, auch eine andere Technik, legt Feil dar.

Die Wärmeversorgung macht in Deutschland laut dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen mehr als die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs aus und verursacht einen Großteil des Ausstosses von Kohlendioxid. Rund 80 Prozent der Wärmenachfrage werde derzeit durch den Einsatz von fossilen Brennstoffen wie Gas und Öl gedeckt. Von den rund 41 Millionen Haushalten in Deutschland heize nahezu jeder zweite mit Gas und knapp jeder vierte mit Heizöl.

Weiteres Wärmenetz geplant

In Ditzingen ist bereits ein weiteres Wärmenetz für das Neubaugebiet Ob dem Korntaler Weg im Bau – mit der Möglichkeit zur bedarfsgerechten Erweiterung in das Haldengebiet sowie in Richtung Zentraler Grundschule.

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