Naturschauspiel bei Ludwigsburg: „Das ist etwas Besonderes“ – dieser Wald bleibt ein Paradies für weiße Rehe

Immer wieder huschen dem Neckarweihinger Hubert Gänser-Hampp weiße Rehe vor die Kamera. Ob Mama und Kitz sich über die zwei eigenartigen „Artgenossen“ in dessen Garten gewundert haben?
Hubert Gänser-HamppSo ein weißes Reh, das ist schon ein faszinierender Anblick – und extrem selten. Nicht so in Neckarweihingen. Das scheue Albino-Tier, das vor vielen Jahren erstmals in den Wäldern des Ludwigsburger Ortsteils gesichtet wurde, ist längst kein Einzelfall mehr. Immer wieder laufen dem Neckarweihinger Hubert Gänser-Hampp einige der scheuen Tiere vor die bewegungsgesteuerte Kamera in seinem Garten.
Eine Aufnahme zum Schmunzeln ist ihm dabei vor wenigen Tagen gelungen: Da läuft ein weißes Reh mit braunem Nachwuchs durchs Bild. Aber halt, wer sind die zwei anderen Tiere im Hintergrund? Leider nur Skulpturen, wie man auf den zweiten Blick schnell erkennt – die ihre beiden Artgenossen aber interessiert zu beobachten scheinen.
Weiße Rehe gibt es nur an wenigen Orten
„Es gibt ganz wenige Standorte, an denen es überhaupt weiße Rehe gibt“, erzählt Roland Schmierer, Vorsitzender des Bürgervereins Neckarweihingen. „Dass wir ausgerechnet bei uns gleich so viele haben, das ist schon etwas Besonderes.“ Er selbst hatte vor einiger Zeit das Glück, gleich vier der Tiere auf einmal zu Gesicht zu bekommen.
Obwohl es in der Vergangenheit auch Bedenken diesbezüglich gab, sei es ihm selbst glücklicherweise noch nicht aufgefallen, dass seit dem Bekanntwerden der weißen Rehe gehäuft Menschen unerlaubt durch den Wald streifen. Waldbesucher müssten auf den Wegen bleiben, davon abzugehen, ist eine Belastung für Wildtiere und daher verboten. „Das würde auch nicht viel bringen“, sagt Roland Schmierer. „Das sind scheue Tiere, die sich genauso verstecken wie ihre braunen Artgenossen.“ Um doch mal eines zu Gesicht zu bekommen, müsse man viel Geduld mitbringen. „Wenn überhaupt, kommen sie ohnehin nur in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden raus.“
Weiße Rehe mit braunen und weißen Kitzen
Die Erklärung, warum ausgerechnet im so waldarmen Landkreis Ludwigsburg immer mehr von den weißen Rehen gesichtet werden, liegt auf der Hand: Beim Albinismus handelt es sich um einen Gendefekt, der rezessiv vererbt wird. Das bedeutet: Trifft bei der Zeugung ein Albinismus- auf ein gesundes Gen, ist das Kitz trotzdem braun. Aus diesem Grund bekommen selbst Albino-Tiere eher braune Kitze als weiße, wenn das andere Elternteil braun ist.
In waldarmen Gegenden mit insgesamt wenigen Rehen wächst die Chance, dass zwei Tiere mit dem Albinismus-Gen aufeinandertreffen. Denn auch braune Rehkitze tragen dieses Gen automatisch in sich, wenn eines der Elternteile ein Albino ist, und können es an den Nachwuchs weitergeben. „Hier bei uns habe ich beides schon gesehen“, sagt Roland Schmierer. „Weiße Rehe mit braunem Kitz wie zuletzt im Garten von Hubert Gänser-Hampp, aber auch den deutlich selteneren Fall von einem weißen Muttertier mit weißem Nachwuchs.“