Neckarbrücke in Besigheim
: Brückenexperte: Würde heute jemand das Go geben, könnte 2027 gebaut werden

Der Bauingenieur Wolfgang Eilzer aus Löchgau (Kreis Ludwigsburg) hat viele Brücken gebaut. Er kritisiert, dass Politiker Probleme aussitzen.
Von
Claudia Mocek
Besigheim
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Löchgau
Wolfgang Eilzer
Ehemaliger Vorstandsvorsitzender von LAP, Immobilien GmbH, Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure
mit seiner preisgekrönten Brücke...

Bauingenieur Wolfgang Eilzer aus Löchgau neben einem Foto des „Auge von Mühlberg“, der Elbebrücke in Brandenburg/Sachsen, für die er 2010 den Deutschen Brückenbaupreis erhalten hat. Die Jury lobte die Kombination aus innovativer Konstruktionsidee und schlichter Eleganz des Bauwerks.

Martin Kalb
  • Besigheim: Brückenexperte sieht Neubau der Neckarbrücke als „einfache Aufgabe“.
  • Eilzer sagt, bei sofortigem Go könne ab 2027 gebaut werden – Bauzeit höchstens zwei Jahre.
  • Er kritisiert zögerliche Entscheidungen von Politik und Verwaltung und fordert mehr Druck aus der Region.
  • Naturschutzklagen und Bürokratie verzögern Projekte wie Fischtreppe in Lauffen, nicht die Brückenplanung.
  • Vorbild Genua: Eilzer fordert verkürzte Verfahren und beschränkte Ausschreibungen für schnelleren Bau.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Für uns Bauingenieure ist die Neubauplanung der Neckarbrücke kein Problem“, sagt Diplom-Ingenieur Wolfgang Eilzer. 44 Jahre lang hat der Löchgauer unter anderem als Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender im Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) in Stuttgart Brückenprojekte im In- und Ausland betreut. Seit dem 1. Januar ist er Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Aus Sicht eines Bauingenieurs ist der Neubau „eine einfache Aufgabe“, sagt Eilzer, der den Deutschen Brückenbaupreis 2010 für die Elbebrücke Mühlberg erhalten hat. Sein Büro hat 2017 eine Machbarkeitsstudie zur Neckarbrücke erstellt, einige Jahre zuvor hätten andere Büros bereits die Bauwerksuntersuchung vorgenommen: „Die Probleme sind seit vielen Jahren bekannt, es ist alles geklärt“, sagt Eilzer, „wenn heute jemand das Go gibt, kann man 2027 bauen“. Der Bauingenieur ist überzeugt: „Man kann in spätestens zwei Jahren fertig sein, man muss es nur wollen.“ Doch darin sieht er auch eines der Hauptprobleme: Politik und Verwaltung seien nicht mehr entscheidungsfreudig, man versuche, Probleme auszusitzen.

Die Neckarbrücke in Besigheim sei für die Industrie und die Bevölkerung von enormer Bedeutung. Bei maroden Brücken müsse in Deutschland angesichts der Wirtschaftslage und auch für mögliche Verteidigungsfälle rasch gehandelt werden, findet Wolfgang Eilzer.

Dass Brücken schnell gebaut werden können, habe sein Büro in vielen Fällen gezeigt, sagt Eilzer, und nennt als ein Beispiel die rund 1000 Meter lange Sachsenbrücke in Pirna. Das Bauwerk überquert die Elbe, eine Bahnlinie, eine Bundesstraße und verläuft über das Areal des früheren Zellstoffwerks Pirna. Weil der Betrieb von Bahn, Straße und Industrie während des Baus nicht unterbrochen werden dufte, erfolgte die Fertigstellung in einer Rekordzeit von zwei Jahren. „Wenn ich will, muss ich einfach machen“, sagt Wolfgang Eilzer.

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„Zu seinen Entscheidungen stehen"

Eilzer, der selbst auch viele Brücken im Ausland geplant, berechnet und abgesichert hat, findet, dass „wir uns in Deutschland zu sehr in den Vorgaben der EU verzetteln“. Man könne sich europaweit Ideen besorgen, doch die Ausschreibung müsse beschränkt erfolgen, um Zeit zu sparen. Ein Generalunternehmer könne die Umsetzung des Projekts nicht beschleunigen, die Verwaltung brauche einen erfahrenen Projektleiter, der die Steuerung übernehme. Statt den Neubau zu zerreden, „muss man den Mut haben, etwas in die Hand zu nehmen und zu seinen Entscheidungen zu stehen“, sagt er. Doch dazu müsse der Druck aus der Region stärker werden, ist Eilzer überzeugt.

Die derzeit für Fahrzeuge gesperrte Neckarbrücke muss neu gebaut werden.

Die derzeit für Fahrzeuge gesperrte Neckarbrücke muss neu gebaut werden.

Martin Kalb

Ein weiteres Problem liegt für ihn darin, dass bei Planungsprojekten „jeder Käfer, jede Mücke wichtiger ist als der Mensch“. Die Neckarbrücke und die Fischtreppe in Lauffen seien dafür Beispiele.

Das Projekt gilt derzeit als komplexestes Infrastrukturprojekt am Neckar. Die Neckar AG, Energie Baden-Württemberg und die ZEAG Energie AG hatten 2021 Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg eingereicht. Dieser erklärte 2023 den ursprünglichen Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig. Die rechtliche Nachbearbeitung und bürokratische Hürden verzögerten den Baustart der Fischtreppe um Jahre. „Solche Verzögerungen gehen aber nicht auf Planungsprobleme der Brücke zurück“, betont Eilzer.

Laut Bundesregierung soll das 2025 beschlossene Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität über 500 Milliarden Euro den Sanierungsstau in Deutschland beenden. „Das Problem dabei ist, dass das Geld zweckentfremdet eingesetzt wird“, sagt Eilzer, „von den Milliarden kommt nur ein Bruchteil an und bewirkt deshalb auch nicht das, was versprochen war und überfällig ist.“

Das Vorbild heißt Italien

Um schneller in die Umsetzung zu kommen, „müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzt werden“, schlägt Eilzer vor. Klagen von Naturschutzverbänden sollten bei Bauten im Bestand nicht mehr möglich sein. „Wir haben auch in Deutschland in den 1980er- und 1990er-Jahren Projekte in kürzester Zeit umgesetzt, wir müssen es machen wie in Genua“, sagt er.

Nach dem Einsturz der dortigen Morandi-Brücke im August 2018 wurde im Februar 2019 mit dem Abriss der Überreste, im Juni 2019 mit dem Neubau begonnen. Der Rohbau wurde im April 2020 fertiggestellt. Die neue Ponte Genova San Giorgio konnte nach zwei Jahren, im August 2020, eingeweiht werden.

Möglich wurde dies durch Dekrete und Sondervollmachten: Das europäische Ausschreibungsverfahren sowie Baugesetz wurden per Notstandsdekret außer Kraft gesetzt, ein Sonderkommissar durfte darüber hinaus Aufträge direkt vergeben und es wurde rund um die Uhr in Drei-Schicht-Systemen gearbeitet.