Neubau in Enzweihingen: Warum steht die Unterkunft für Geflüchtete an der B10 jetzt leer?

Im Herbst 2024 eröffnet, jetzt leer: In dem Gebäude an der B10 in Enzweihingen bringt der Landkreis keine Geflüchteten mehr unter.
Rieger- Neubau an der B10 in Enzweihingen steht leer, der Landkreis beendet die Nutzung für Geflüchtete.
- Grund: sinkende Flüchtlingszahlen. Der Mietvertrag mit der Eigentümerin wurde aufgelöst.
- Die Bewohner zogen in eine andere Gemeinschaftsunterkunft um – Räumung bis Ende Oktober.
- Das Haus mit 13 Wohneinheiten wird verkauft und auch zur Vermietung angeboten.
- Im Kreis sind 1813 Plätze an 19 Standorten vorhanden, aktuell etwa zur Hälfte belegt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Landkreis Ludwigsburg und die Stadt Vaihingen an der Enz haben im Oktober 2024 direkt an der viel befahrenen Enzweihinger Ortsdurchfahrt einen Neubau eröffnet. Der war laut beider Parteien als Mehrfamilienhaus konzipiert worden, nicht als Unterkunft für Geflüchtete, die dort zunächst einzogen. Platz für rund 60 Menschen in 13 Wohneinheiten gibt es – doch mittlerweile soll in dem Gebäude in der Schwieberdinger Straße seit Monaten niemand mehr wohnen.
Tatsächlich sind die Rollläden an den Fenstern heruntergelassen; der Außenbereich ist menschenleer. Auf Anfrage bestätigt das Ludwigsburger Kreishaus, dass der Mietvertrag mit der Wohnbau Oberiexingen (WO), die Eigentümerin der Immobilie ist, vor einigen Tagen aufgelöst worden ist. „Die Bewohner werden verlegt und das Gebäude bis Ende Oktober vollständig geräumt“, so die Verwaltung.
Nachfrage nach kleineren Wohnungen
Auch WO-Geschäftsführer Kim Hasenhündl bestätigt das Ende des Mietverhältnisses, das eigentlich auf längere Sicht gedacht gewesen sei. Die dreigeschossige Immobilie mit 941 Quadratmetern Wohnfläche und mehreren Parkplätzen am Haus steht jetzt für 4,5 Millionen Euro zum Verkauf. Parallel dazu will die Wohnbau für die einzelnen Wohnungen Mieter suchen. Die Nachfrage sei vorhanden, da es auf dem Markt kaum solche kleineren Wohneinheiten gebe, sagt Hasenhündl.
Doch wie kam es überhaupt dazu, dass dort Geflüchtete untergebracht worden waren? Hintergrund war die gestiegene Anzahl Geflüchteter, für deren vorläufige Unterbringung der Landkreis zuständig ist. Der steckte seinerzeit in einer Zwickmühle: Nach den Jahren 2015 und 2016 waren zunächst deutlich weniger Menschen zugewandert, sodass die Kreisverwaltung Unterkünfte abgebaut hatte. Als die Zahlen ab 2021 und besonders ab Anfang 2022 mit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine wieder stiegen, mussten nach Angaben des Kreises „sehr teure Objekte“ angemietet werden. Für den Neubau in Enzweihingen zahlte man dagegen die ortsübliche Miete.
Der Grund für den Rückzug des Kreises: Die Wohnungen werden nun nicht mehr benötigt. „Aufgrund der zurückgegangenen Flüchtlingszahlen passt der Landkreis seine Unterbringungskapazitäten dem tatsächlichen Bedarf an“, teilt die Kreisverwaltung mit. „Daher haben wir uns mit dem Eigentümer des Gebäudes in Enzweihingen auf eine Auflösung des Mietvertrages geeinigt.“ Die Bewohner wurden demnach in eine andere Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises verlegt.
Kreis will weitere Plätze abbauen
Insgesamt sind immer weniger Geflüchtete im Landkreis Ludwigsburg vorläufig untergebracht, teilt die Verwaltung weiter mit. Waren es im September 2025 noch 1286 Menschen, sank die Zahl bis März dieses Jahres bereits auf 1092. Im August lebten nur noch 748 Personen in vorläufiger Unterbringung im Kreis Ludwigsburg. Die Anzahl der neu zugewiesenen Personen pro Monat ist nach Kreisangaben „seit Beginn des Jahres stabil“: Im August waren dem Kreis 74 Personen zugewiesen worden. Im Juli sind es insgesamt 54 Geflüchtete gewesen.
Für die vorläufige Unterbringung stehen im Landkreis Ludwigsburg aktuell 1813 Plätze an 19 Standorten zur Verfügung. Die seien derzeit allerdings nur zu rund der Hälfte ausgelastet. Acht der Gebäude, in denen der Kreis Geflüchtete unterbringt, sind angemietet, elf gehören dem Landkreis. In den kommenden Monaten soll die Zahl der Plätze weiter reduziert werden. Die gesamten Miet- und Pachtkosten betragen monatlich immerhin rund 205.000 Euro. Das Geld wird dem Landkreis Ludwigsburg vom Land Baden-Württemberg erstattet, so die Kreisverwaltung.
Wie läuft die Aufnahme von Geflüchteten?
In Baden-Württemberg werden Geflüchtete nach Angaben des Landes in einem dreistufigen System aufgenommen. Die Erstaufnahme erfolgt zumeist in landeseigenen Einrichtungen; hier werden die Asylsuchenden auch registriert. Schritt zwei ist die vorläufige Unterbringung in Stadt- und Landkreisen gemäß einem Verteilschlüssel für maximal 24 Monate. Dann folgt die kommunale Anschlussunterbringung in Städten und Gemeinden.
Im Übrigen ist auch die Unterkunft in Hochdorf, die der Landkreis selbst bauen ließ und die ebenfalls 2024 bezugsfertig war, nicht mehr in Gänze bewohnt. Das Haus in der Maybachstraße ist momentan zu etwa 40 Prozent belegt, berichtet die Kreisverwaltung weiter. In dem Gebäude befinden sich 13 Appartements. Platz ist dort insgesamt für 104 Menschen. Der Bau der Unterkunft hatte nach damaligen Angaben des Fachbereichs Asyl und Migration etwa dreieinhalb Millionen Euro gekostet.