PV in Markgröningen
: Bosch bezieht in Zukunft Solarenergie aus der Nachbarschaft

Der Solarpark Markgröningen liefert ab Ende 2025 grünen Strom an Bosch in Schwieberdingen. Damit verdoppelt der Autozulieferer den erneuerbaren Stromanteil seines Außenstandorts.
Von
Anna-Sophie Kächele
Ludwigsburg
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Großflächige Photovoltaikanlagen entlang von Autobahnen und Bahnlinien werden zum Landschaftsbild im Kreis gehören und den Bosch-Campus mit Strom versorgen.

Werner Kuhnle

Es ist eine Win-Win-Situation: Der Solarpark Markgröningen, der Ende 2025 in Betrieb gehen soll, hat einen langfristigen Abnehmer gefunden. Mit der Robert Bosch GmbH hat der Zusammenschluss aus Stadt, Grundstückseigentümern und den Geschäftspartnern Benjamin Boy sowie Julian Schreder einen Stromvertrag vereinbart, der beiden Seiten langfristige Planung ermöglicht.

Insgesamt wird in der künftig größten PV-Anlage der Region eine installierte Leistung von 8,5 Megawattpeak realisiert – und damit künftig jährlich rund tausend Haushalte und das große Bosch-Werk in Schwieberdingen versorgt. „Das ist ein großer Schritt und genau das, was in Zukunft gefragt ist: Industrieunternehmen direkt mit PV-Strom zu versorgen“, sagt der Geschäftsführer des Solarparks, Benjamin Boy. Die Partnerschaft mit Bosch sei ein starkes Signal für regionale Energieprojekte.

Geringfügige Beeinträchtigung des Landschaftsbilds

Die Solaranlage entsteht südwestlich von Markgröningen unmittelbar neben der Bahn-Schnellbahntrasse Stuttgart-Karlsruhe. Die Investoren lassen auf einer Fläche von 6,3 Hektar reflexionsarme Solarmodule mit einer Gesamthöhe von bis zu 3,20 Meter errichten. Bislang wurden die Flächen landwirtschaftlich genutzt.

Zwar liegt das Gebiet deutlich innerhalb des Regionalen Grünzugs „Glemstal, langes Feld bis Glemsmündung“. Aber es nehme für die nahe gelegenen Gemeinden Markgröningen und Schwieberdingen aufgrund der bereits existierenden Belastungen durch die Schnellbahntrasse „keine besondere Erholungsfunktion“ ein, heißt es in einer Vorlage des Verbands Region Stuttgart . „Dementsprechend wird die zusätzliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes als geringfügig eingestuft.“

Die Grundlage für den Bau hat die Bundesregierung geschaffen, indem sie Gebiete 200 Meter neben Autobahnen und Schienentrassen zu privilegierten Flächen zum Bau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen erklärt hat. Damit versucht der Bund den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. Der Bau solcher Solarparks wie in Markgröningen liegt „im überragenden öffentlichen Interesse“ – er muss nicht grundsätzlich genehmigt werden, es braucht aber gute Gründe, ihn abzulehnen. Die gab es in Markgröningen nicht.

Die Regel für die Bundesländer: Bis spätestens Ende September 2025 sollen in den Regionalplänen mindestens 0,2 Prozent der jeweiligen Regionsfläche für Freiflächen-Photovoltaik festgelegt werden. Die Umsetzung ist schwierig, weil sich die Anlagen nur mit Zustimmung der Eigentümer realisieren lassen – und gerade im Großraum Stuttgart gehören großflächige Gebiete nur selten einem einzelnen Besitzer.

Benjamin Boy auf den Äckern zwischen Schwieberdingen und Markgröningen.

Foto: Emanuel Hege

Bosch erhöht regenerativ erzeugten Anteil

Bosch erhöht durch den Solarpark derweil deutlich seinen Anteil an regenerativ und regional erzeugtem Strom. Waren es bislang fünf Prozent durch PV-Anlagen auf Dächern, Fassaden und dem 2023 eingeweihten Solarcarport, steigt der Anteil „durch die Pacht des Solarparks Markgröningen auf rund elf Prozent“, sagt eine Sprecherin von Bosch.

Beate Grota, Mitglied des Bereichsvorstandes des Geschäftsbereichs Power Solutions und Standortleiterin des Bosch-Standorts Schwieberdingen, erklärt: „Dieser Schritt unterstreicht unser Engagement für die Region und den Standort Schwieberdingen.“ Der langfristige Pachtvertrag, der auf mehr als zehn Jahre ausgelegt ist, sei ein wichtiger Baustein ihrer Nachhaltigkeitsstrategie. Darüber hinaus will das Unternehmen seine Unabhängigkeit beim Strom weiter ausbauen und plant, zwei Windkraftanlagen am Standort Ried/See östlich von Schwieberdingen zu betreiben. Diese sollen 35 Prozent des Strombedarfs decken.

Geschäftsführer Benjamin Boy und Julian Schreder betreiben darüber hinaus das Unternehmen Stromernte. Für den Bau kleinteiliger Anlagen beziehen sie Landwirte in die Planung mit ein und beteiligen sie an den Erträgen aus der Stromgewinnung. In der Mitte des Landkreises planen sie fünf Anlagen auf Äckern, die sich derzeit im Zielabweichungsverfahren des Verbands Region Stuttgart befinden. Noch vor den Sommerferien sollte es diesbezüglich Neuigkeiten geben, so Benjamin Boy.

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