Schaukelbratenfest Kornwestheim: Gut geschaukelt in großer Hitze

Der laue Spätsommerabend hat am Samstag für eine ganz besondere Atmosphäre gesorgt.
Andreas EssigDieter Eisenhardt, genannt Don, wendet die Schweinenackensteaks sorgfältig von einer Seite auf die andere. Jeder Zentimeter auf dem riesigen, runden Grill vor ihm ist mit saftigem Schaukelbraten belegt. Als er alle Steaks gewendet hat, gibt er dem dreibeinigen Schwenkgrill einen sanften Stoß, und schon schwingen die Braten weiter über dem offenen, bis zu 300 Grad heißen Feuer.
Am Wochenende fand auf Kornwestheims Marktplatz vor dem Restaurant Applaus das 56. Schaukelbratenfest des Männergesangvereins (MGV) statt. Die Schattenplätze unter den Bäumen waren begehrt und in der späten Mittagssonne schnell Mangelware. Keine Mangel hingegen gab es beim schon von Weitem lecker duftenden Schaukelbraten. Hierfür machten sich die meisten Besucherinnen und Besucher schließlich auf zum Marktplatz. Einige von weiter her. „Unser Einzugsgebiet reicht über die Stadtgrenzen hinaus. Manche kommen an zwei oder allen drei Tagen nacheinander“, sagt Max Nentwich, stellvertretender Vorsitzender des MGV.
Das Rezept wird nicht verraten
Serviert wurden die Schweinenackensteaks mit Brot oder Kartoffelsalat, ebenso wie Rote oder Bratwurst, Wurstsalat und Pommes. „Das machen wir traditionell schon immer so“, sagt Nentwich. Seit dem vergangenem Jahr neu im Programm ist die To-go-Variante, die ebenfalls sehr gut angenommen wurde.
In all den Jahren gleich geblieben ist die Marinade des Schweinenackensteaks. Das Rezept wird nicht verraten. Es gibt nur einen Mann, der die Zusammensetzung wirklich kennt, so Nentwich. Und dieser eine ist Gustl Kreter. Er war vor fast 60 Jahren im Hessischen gewesen, wo der Schwenkbraten seinen Ursprung hat. Dort hatte er diese Art der Grillkunst kennen gelernt und sich gesagt: „Das können wir auch.“ Kreter probierte einiges aus, bis er die perfekte Rezeptur für den Schaukelbraten gefunden hatte. Und dann wurde das erste Schaukelbratenfest des MGV organisiert. Seitdem fand es viele Jahre im Hirschgarten statt, seit drei Jahren in Zusammenarbeit mit Ralph Wagner und seinem Restaurant Applaus. Nentwich gesteht: „Alleine könnten wir das gar nicht mehr stemmen. Wir sind zu wenige.“ Er lobt die Kooperation mit dem „geborenen Gastwirt“ und weiß, dass es für beide Seiten ein Gewinn ist. Während Wagner Getränke und Kellner organisiert, grillen die Männer, Frauen und Freunde des MGV.
Um das Fleisch und die Marinade kümmern sich nach wie vor noch Gustl Kreter und sein Team in Bad Cannstatt vom ehemaligen Schlachthof. Rund 300 Kilogramm lieferte er an den MGV: Diese werden an den drei Tagen dann weiterverarbeitet und verspeist, sagt der Vizevorsitzende. Neben der richtigen Marinade sei auch das Klopfen, bevor das Steak auf den Grill kommt, ein wichtiger Punkt bei der Zubereitung. Schließlich dürften die Stückchen nicht zu dick und nicht zu dünn werden, um beim abschließenden Schwenken über dem offenen Feuer aus Buchenholz den richtigen Zustand zu bekommen. „Nur wenn richtig geschwenkt wird, werden alle Steaks gleichmäßig gar. Wir wollen das Fleisch keinesfalls zwei Mal töten“, sagt Nentwich und ergänz: „Hierfür muss man Gefühl aufbringen.“
Und das hatten Don und die anderen rund 20 Helferinnen und Helfer. Denn der Schaukelbraten kam am Wochenende genauso super an wie immer. Wer an diesem Montag noch Lust auf einen saftigen Schaukelbraten hat: Der Männergesangsverein ist bis 22 Uhr auf dem Marktplatz aktiv.