Schüsse bei Flüchtlingsunterkunft: Wer gab die Schüsse in Markgröningen ab? – Polizei hält sich bedeckt

Am Tag nach den Schüssen flattert Absperrband der Polizei an der Flüchtlingsunterkunft in Markgröningen.
Simon GranvilleEigentlich herrscht in Markgröningen derzeit große Vorfreude auf das Internationale Musikfest und den Schäferlauf. Zwei Wochenenden hintereinander wird die Stadt zur Feierzone. Da passt die Meldung, dass am Montagabend vor einer Flüchtlingsunterkunft im Gewerbegebiet „Im Sträßle“ Schüsse abgefeuert wurden, nicht so recht ins Bild.
Auch zwei Tage nach den Schüssen zeigt sich die Polizei zu dem Vorfall zugeknöpft. Am Dienstagmorgen hieß es lediglich, dass wegen versuchten Totschlags ermittelt werde. Wer Täter und Opfer sein könnte, wie viele Schüsse abgegeben wurden und aus welcher Waffe, dazu weiß die Polizei entweder noch nichts oder teilt es nicht mit.
Die Staatsanwaltschaft ist involviert
Die Absperrbänder an der Unterkunft im Wilhelm-Haas-Weg zeugen von den Ereignissen, die Spurensicherung war auch da. Die Polizei geht offensichtlich von einer schwerwiegenden Tat aus, die Staatsanwaltschaft ist involviert und die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Bürgermeister Jens Hübner hat selbst auch erst am Dienstagmorgen von der Tat erfahren und war überrascht: „Ein Schusswaffengebrauch ist zum Glück nichts Alltägliches, im ersten Moment ist man schon geschockt.“
Etwas erleichtert sei er gewesen, dass offensichtlich niemand zu Schaden gekommen sei. Dennoch hofft er, dass die Polizei schnell einen Tatverdächtigen ermittelt. Das beruhige dann die Lage.

War das der Tatort? Vor der Flüchtlingsunterkunft ist ein Bereich von der Polizei abgesperrt worden.
Foto: Simon GranvilleDie Schüsse in Markgröningen haben Julia Reschke überrascht. Sie ist seit einem Jahr im Rathaus zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge in der Schäferlauftstadt. In der Wilhelm-Haas-Straße betreibt die Stadt zwei Unterkünfte, Hausnummer 4 und 6. Derzeit leben dort in einem Gebäude 25 und in dem anderen Haus 39 Personen. „So etwas gab es bislang noch nicht dort“, sagt Reschke zu den Vorfällen am Montagabend.
Kein Sicherheitsdienst nur für Flüchtlingsunterkunft
Die Unterkünfte seien aufgrund ihrer baulichen Ausrichtung hauptsächlich von alleinlebenden Männern bewohnt. Da komme es schon immer mal wieder zu Streitigkeiten, aber vor Ort gebe es auch Integrationsbeauftragte und Hausmeister, die einwirken können. Eine Problemunterkunft seien die Gebäude auf keinen Fall.
Ein Zeichen wie wenig Sorgen die Unterkünfte bislang machten ist der fehlende Sicherheitsdienst. Anderenorts im Landkreis sind bei Sammelunterkünften Security-Kräfte im Einsatz um im Umfeld der Unterkünfte für Ordnung zu sorgen. In Markgröningen gibt es nur einen Sicherheitsdienst, der in der Stadt (inklusive Flüchtlingsunterkünfte) patrouilliert.
Hübner sieht die Tat nun als Einzelfall. Die Integrationsbeauftragten leisteten gute Arbeit und seien stark im Einsatz nach den Schüssen, um die anderen Bewohner zu beruhigen. Der Bürgermeister sieht akut aber keinen Bedarf für härtere Sicherheitsvorkehrungen.
