Schutz vor Lärm: Tempo 30, Ruheinseln, neue Beläge: Ludwigsburgs Plan gegen Verkehrslärm

Wie zu erwarten ist es entlang der B27 besonders laut.
Simon GranvilleLudwigsburg ist an vielen Stellen zu laut – das zeigt die vierte Fortschreibung des Lärmaktionsplans. Wo werden die Grenzwerte überschritten, und was plant die Stadt dagegen zu tun?
Wo ist es zu laut?
Besonders laut und damit auf Dauer die Gesundheit beeinträchtigend ist es in Ludwigsburg in der Schwieberdinger Straße sowie in großen Teilen der Aldinger Straße nach Pattonville, zwischen Rathaus und St. Paulus Kirche, auf der Bottwartalstraße bis zum Ortsausgang Richtung Freiberg, auf der L 1140 nach Neckargröningen sowie auf der Neckartalstraße nach Poppenweiler.

Zwischen Rathaus und St. Paulus Kirche entlang der Schorndorfer Straße wurden mehr als 70 Dezibel gemessen.
Foto: Simon GranvilleBereiche, in denen mehr als 75 Dezibel gemessen wurden, sind entlang der B27, an der Kreuzung B27 zur Marbacher Straße und an der Kreuzung Marbacher Straße/Bottwartalstraße, wo Autofahrer nach Freiberg abbiegen. Auch zwischen der Kreuzung Gänzfußallee/ Schwieberdinger Straße und der Brücke über die Bahngleisen in der Keplerstraße wurden hohe Werte gemessen.
Wichtig: Erfasst wurde nicht das gesamte Stadtgebiet, sondern Landstraßen, die B27, die A81 sowie Hauptverkehrsstraßen.
Was ist neu?
Viele der nun vorgeschlagenen Maßnahmen stammen bereits aus der vorherigen dritten Fortschreibung – vor allem Temporeduzierungen. Deren Umsetzung scheiterte bisher oft an fehlendem Personal oder Budget. Maßnahmen zu realisieren, gestaltet sich für finanziell gebeutelte Kommunen als schwierig – die Aufsetzung und Aktualisierung des Plans ist jedoch eine verpflichtende Vorgabe der EU.
Bauliche Maßnahmen wie lärmmindernde Fahrbahnbeläge sind zwar angedacht, werden aber erst bei ohnehin anstehenden Sanierungen berücksichtigt. „Wir reißen nicht überall den Asphalt auf“, erklärt der Mobilitätsplaner der Stadt, Christoph Hubberten. Jeder neue Belag – unabhängig davon ob er lärmmindernd sei – bringe Besserung. Etwa durch das Entfernen von Schlaglöchern oder das Stabilisieren loser Schachtdeckel. Um die Bewohner Neckarweihingens zu schützen, sind im jetzigen Plan außerdem zwei vier Meter hohe Schallschutzwände zwischen der Neckarbrücke und dem Kunstrasenplatz sowie für weitere 500 Meter nach dem Kunstrasenplatz Richtung Marbach vorgesehen – aber auch dafür fehlt das Geld.
Was sind ruhige Gebiete?
Neben Maßnahmen gegen den Lärm sollen auch sogenannte „ruhige Gebiete“ ausgewiesen werden. Dort soll vermieden werden, dass es in Zukunft zu laut wird. Vorgeschlagen sind der Schlosspark Monrepos/Seeäcker, der Favoritepark, der Naturpark West, Salonwald, Blühendes Barock/Bärenwiese und der Landschaftsraum Neckar. Letzterer beginnt nördlich der Brücke nach Hochberg und reicht mit einer Unterbrechung bis zum Kraftwerk Marbach. „Diese Ausweisung bedeutet zusätzlichen Schutz“, sagt Hubberten.
An mehreren Stellen schlägt die Verwaltung Tempo 30 vor – etwa zwischen dem Hotel Poseidon an der B27 und dem Aldi an der Schwieberdinger Straße oder zwischen dem Louis-Bührer-Saal und der Kreuzung Schillerstraße bei der Unterführung. Auch in der Bottwartaler Straße, zwischen der Bäckerei Lutz und dem Ortsschild im Norden, ist Tempo 30 vorgesehen.
Doch warum wird an besonders lauten Straßen nicht flächendeckend Tempo 30 eingeführt? „Dann würden sich viele Autofahrer Ausweichrouten durch Wohngebiete suchen“, erklärt der Mobilitätsplaner der Stadt, Christoph Hubberten. Das wolle man unbedingt vermeiden.
Wie geht es weiter?
Wie in den vergangenen Runden wird der Entwurf des Lärmaktionsplans öffentlich ausgelegt – im Bürgerbüro Bauen und ab September digital auf meinlb.de. Bürgerinnen und Bürger können dort Rückmeldungen einreichen. Die finale Beschlussfassung ist zwischen Ende November und Anfang Dezember geplant.