Sensation bei Ferienprogramm: Magnetangler finden 30 Jahre verschollenes Diebesgut

Ilias Karavelidis aus Beilstein hat seine Uhr zurück – nach über 30 Jahren.
vanti/Ralf PollerWann genau bei ihm eingebrochen wurde, kann Ilias Karavelidis heute gar nicht mehr sagen. 30 Jahre ist das mindestens her. Der Wirt der Ratsstube in Beilstein hat dementsprechend auch nicht damit gerechnet, jemals wieder etwas vom Diebesgut zu Gesicht zu bekommen. Bis in der vergangenen Woche plötzlich Markus Kronenwett in der Ratsstube stand. Und ihm unter anderem eine goldene Uhr überreichte.
Kronenwett hat ein besonderes Hobby: Er ist Magnetangler. Meist zieht er mit einem Magneten, der aussieht wie ein gigantischer Eishockeypuck an der Schnur, los und fischt allerlei metallene Gegenstände aus Flüssen. Kaputte Fahrräder oder anderen Schrott findet er dabei tonnenweise, aber hin und wieder auch Waffen, Kanonenkugeln oder Überbleibsel der Bottwartalbahn.
In Gummistiefeln durch den Söhlbach
Vergangene Woche war er im Rahmen des Ferienprogramms in Oberstenfeld mit einer Gruppe Kindern unterwegs. In Gummistiefeln stapften sie durch den Söhlbach beim Mineralfreibad Oberes Bottwartal. Mit dabei hatten sie zwar nicht Kronenwetts Profi-Magneten mit einer Zugkraft von bis zu 450 Kilogramm, sondern kleinere, kindgerechte Magneten. Trotzdem fanden die Kinder allerlei Gegenstände: alte Hufeisen, Werkzeuge, Seilhaken. Und eine Kiste.
Beim genaueren Hingucken erwies sie sich als Schublade aus einer Registrierkasse. Darin fanden sie neben einigen D-Mark- und Pfennigstücken auch eine alte, goldene Uhr und zwei Nutzerkarten des Großhandels Metro. Auf diesen Karten war auch noch der Name des ursprünglichen Besitzers zu lesen: Ilias Karavelidis.

Drei Kundenkarten und eine Uhr bekam Ilias Karavelidis zurück.
Foto: avanti/Ralf Poller„Anfang der 1990er-Jahre hatte ich noch Spielautomaten in der Ratsstube, deshalb wurde da zwei Mal bei mir eingebrochen“, sagt der Gastwirt. „Bei einem der Einbrüche haben sie mir die komplette Kasse herausgerissen.“ Die Kasse, deren Schublade Kronenwett und seine Magnetangler nun fanden. Natürlich, sagt Karavelidis, habe er die Überfälle damals angezeigt. Erwischt wurden die Täter allerdings nie.
Und weil die Einbrecher nicht allzu viel Beute machten, dachte Karavelidis auch nicht lange über den Vorfall nach. „Das Geld vom Tag hatte ich sowieso schon aus der Kasse genommen, wie jeden Abend. Die Uhr hat vielleicht 150, 200 Mark gekostet“, sagt er. Umso überraschter waren sie in der Ratsstube, als Markus Kronenwett vorbeikam und das Diebesgut zurückbrachte.
Für den Magnetangler selbst war der Fund übrigens eine weniger große Überraschung. „Wir finden immer wieder Diebesgut“, sagt Kronenwett. „Besonders im Neckar liegt viel Modeschmuck in Socken, bei denen vorher der gute Schmuck aussortiert wurde.“ Auch ganze Tresore habe er schon gefunden, natürlich leer geräumt. Dass er die gestohlenen Gegenstände aber ihrem ursprünglichen Besitzer zuordnen konnte, das war auch für den erfahrenen Angler neu.
Kasse bekommt Ehrenplatz im Museum
Die Uhr hat Ilias Karavelidis zurück, die Schublade kommt aber an einen ganz besonderen Ort: in Markus Kronenwetts Magnetanglermuseum in Oberstenfeld. Das Museum öffnet am 6. September wieder, dann soll es auch eine eigene Vitrine mit den Funden vom Ferienprogramm geben. Einen Finderlohn haben die Kinder im Übrigen auch bekommen. „Sie haben großen Wert drauf gelegt, dass die Uhr wirklich wieder zu mir kommt“, sagt Ilias Karavelidis. „Wir haben uns gefreut, dass es solche Kinder noch gibt. Deshalb bekommen sie alle eine Pizza aufs Haus.“