Sparmaßnahmen: Ludwigsburg spart künftig an der Stelle der Gleichstellungsbeauftragten

Gemeinderat und Verwaltung müssen sparen – das Thema Gleichstellung fällt dem Rotstift in gewisser Weise zum Opfer.
Simon GranvilleJudith Raupp, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg, wechselt Anfang November zum Verein Frauen für Frauen und wird dort Geschäftsführerin für Finanzen und Verwaltung. Ihre Stelle bei der Stadt war bis 26. September ausgeschrieben. 33 Bewerbungen sind eingegangen. Diese werde man jetzt in Ruhe sichten und dann Gespräche führen, erklärt Meike Wätjen von der Pressestelle der Stadt.
Raupp hinterlässt Lücke
Oberbürgermeister Mathias Knecht bedauert Raupps Weggang, kann ihre Beweggründe jedoch verstehen. Raupp, für die die Aufgabe noch einmal eine neue Herausforderung ist, fühlt sich dem Verein schon lange verbunden. Ihre Mutter ist eines der Gründungsmitglieder. „Sie hat bei uns viel bewegt und ich schätze die Zusammenarbeit mit ihr außerordentlich. Sie hinterlässt eine Lücke“, betont Knecht. Die Stelle soll zeitnah wieder besetzt sein.

Ab November arbeitet Judith Raupp für den Verein Frauen für Frauen.
Foto: Werner KuhnleAllerdings: Judith Raupp hatte eine 100-Prozent-Stelle, die aber jetzt auf 75 Prozent reduziert wird. Die Position der Gleichstellungsbeauftragten habe für die Stadt Ludwigsburg und für ihn persönlich einen hohen Stellenwert, versichert der Oberbürgermeister. „Auch wenn wir die Stelle, bedingt durch Sparmaßnahmen, reduzieren mussten.“
Eine politische Entscheidung, die auch Raupp bedauert. Die Stelle wird vom Land gefördert und das verpflichtet die Kommunen auf mindestens 50 Prozent. Für Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern, so wie Ludwigsburg, empfiehlt das Land eine volle Stelle. Um die Lücke zu schließen hat Ludwigsburg für die Jahre 2025 bis 2027 eine Projektstelle (50 Prozent) zur Umsetzung der Istanbuler Konvention beantragt.
Die erste Gleichstellungsbeauftragte gab es in Ludwigsburg übrigens im Jahr 1987. Mit ihr war die Stadt Vorreiterin in der Republik. Zwei Jahre später startete dann die Beratungsstelle für die berufliche Wiedereingliederung von Frauen als Bundesmodellprojekt – heute Beratungsstelle von Frauen und Beruf. 1991 stellte die Stadt den ersten Frauenförderplan auf, zwei Jahre später fand in Ludwigsburg das erste Frauenforum statt.
