Stadtbahn Lucie: „Politik von gestern“ – Proteste in Ludwigsburg gegen den Stadtbahn-Vorschlag

Die Demonstranten fordern ein Bekenntnis der Stadt zum Projekt Stadtbahn.
Maximilian KrohZwar hat die Initiative „Wir für Lucie“ erst vor wenigen Tagen zur Demonstration für den Bau einer Stadtbahn durch Ludwigsburg aufgerufen – trotzdem war die Welt damals eine andere. Denn vom Beschlussvorschlag der Stadt, nur den Streckenabschnitt zwischen Markgröningen und dem Bahnhof zu reaktivieren, wusste da noch niemand etwas. Es ist das große Gesprächsthema am Mittwochnachmittag auf dem Rathausplatz – und begeistert ist niemand davon.
„Das Projekt heißt Lucie – Ludwigsburger City-Express“, sagt Axel Müller von der Bürgerinitiative. „Von Markgröningen-Bahn war nie die Rede. Mehr ist der Vorschlag der Stadt aber nicht.“ Die Stadt will laut Beschlussvorschlag alle Teilabschnitte in Richtung Remseck oder durch die Innenstadt Richtung Oßweil und Schlösslefeld ruhen lassen. Die Arbeiten daran seien zu teuer und zu schwer umsetzbar. Der Ärger bei den Demonstranten darüber ist spürbar. „Die Stadtbahn wäre ein Verkehrsprojekt in Richtung Zukunft“, sagt Axel Müller. „Was die Stadt vorschlägt, ist Politik von gestern für Gestrige.“
Auch eine Landtagsabgeordnete ist dabei
Mit dabei auf dem Rathausplatz ist auch die Grüne Landtagsabgeordnete Silke Gericke. Auch sie habe sich von der Stadt mehr erhofft, sagt sie – gerade, weil die Förderung des Projekts sichergestellt sei. Besonders irritiert zeigt Gericke sich von der Idee, zwischen dem Bahnhof und dem Blühenden Barock statt einer Straßenbahn autonom fahrende Shuttlebusse fahren zu lassen oder damit das Busliniennetz zu erweitern. „Darüber können wir in zehn Jahren sprechen, aber doch nicht jetzt“, sagt die Abgeordnete. Für die anstehenden Beratungen im Gemeinderat hofft sie auf eine „fruchtbare Diskussion, in der die gehört werden, die eine Stadtbahn wirklich betrifft. Und nicht nur die, die besonders laut sind.“
Gericke meint damit unter anderem den Jugendgemeinderat, der sich klar zur Stadtbahn bekannt hat. Dessen Vertreter sind am Mittwoch ebenfalls vor Ort. „Der Vorschlag der Stadt hat wenig mit dem früheren Bekenntnis zur Stadtbahn zu tun“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Abdi Ahmed. In einer der kommenden Gemeinderatssitzungen, in der über die Stadtbahn gesprochen wird, will auch er ein Statement abgeben. Für weitere Proteste sieht er noch großes Potenzial. „Viele von uns haben ihre Kontakte noch gar nicht aktiviert.“ Ähnlich sieht das Axel Müller: „Vermutlich müssen wir uns vorwerfen, nicht früher laut geworden zu sein. Aber das holen wir jetzt nach.“