Sulzbach: Viel los in „Christbaumhausen“

Hugo Munz verkauft die Bartenbacher Bäume auch in Ludwigsburg.
Horst RudelSulzbach - Bartenbach besteht aus kaum mehr als der Durchgangsstraße in Richtung Murrhardt. Trotzdem gibt es in dem zur Gemeinde Sulzbach gehörenden Flecken sage und schreibe acht Familien, die am Straßenrand oder auf ihrem Hof Weihnachtsbäume verkaufen. Bartenbach wird deshalb mitunter auch als „Christbaumhausen“ bezeichnet.
In diesem Christbaumhausen – idyllisch an der Murr gelegen, wenn bloß die Landesstraße nicht wäre – herrscht zurzeit Hochbetrieb. Einer der acht Christbaumverkäufer ist der 79-jährige Hugo Munz. Der Landwirt hat vor rund 30 Jahren ganz klein mit dem winterlichen Zusatzgeschäft angefangen, das die Familie freilich das ganze Jahr über auf Trab hält. Die vielen tausend Nadelbäume, die auf einer Fläche von etwa 2,5 Hektar wachen, wollen gehegt und gepflegt werden.
Damals, Anfang der 80er-Jahre, hat Hugo Munz in den Wochen vor dem Weihnachtsfest nur ein paar Dutzend Bäume verkauft, fast ausschließlich Fichten und gelegentlich mal einen Weißtannengipfel. Mittlerweile bietet Munz seine Bäume nicht nur in Bartenbach an, sondern auch auf dem Vorplatz der Friedenskirche in Ludwigsburg. „Dort steht einer meiner Söhne“, erzählt Hugo Munz an diesem Tag, an dem der Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zum traditionellen Christbaum-Termin die Presse eingeladen hat, um für die heimischen Gewächse zu werben. Munz und die meisten seiner Kollegen verkaufen seit vielen Jahren in erster Linie Nordmanntannen. Die sind beliebt, weil ihre Nadeln nicht so stupfen. Die aufrecht gewachsenen Bäume kosten – je nach Größe – zwischen zehn und 40 Euro. Wie viele Christbäume Hugo Munz und seine Söhne absetzen, das wollen sie nicht sagen, mehrere hundert seien es in jedem Fall.
Der SDW-Kreisvorsitzende Gerhard Strobel appelliert an die Menschen „Bäume der kurzen Wege“ zu kaufen, Tannen, die vor Ort – wie in Bartenbach – gewachsen sind. Von Importware, etwa aus Dänemark, hält Strobel nichts. Und die zusammenklappbaren Plastikbäumchen aus Fernost sind dem Forstwissenschaftler und ehemaligen Murrhardter Schultes ein Gräuel.
Laut Auskunft der Schutzgemeinschaft werden in Deutschland Jahr für Jahr rund 26 Millionen Weihnachtsbäume gekauft. Geerntet werden die Bäume im Alter von acht bis zwölf Jahren. Rund 12 000 Produzenten sind haupt- oder nebenerwerbsmäßig mit dem Anbau von Christbäumen beschäftigt. Der Jahresumsatz, den die Branche erzielt, beziffert die SDW auf 500 Millionen Euro. Vermutlich gibt es nur wenige Orte im Land, die gemessen an der Einwohnerzahl so viel Umsatz mit Weihnachtsbäumen machen, wie Munz und seine sieben Kollegen in Christbaumhausen.
Hugo Munz hat in den 30 Jahren Christbaumverkauf schon viel erlebt. Eins, sagt er, passiere immer wieder: dass sich Paare gewaltig in die Haare kriegen. Ist der Baum zu groß? Oder doch zu klein? Hat er zu wenig Äste? Oder zu viel? Passt er in die gute Stube? Muss er womöglich gestutzt werden? „Wenn Ehepaare ankommen“, sagt Hugo Munz und grinst verschmitzt, „dann kann ich sofort sehen, wer die Hosen an hat“. Und wer hat meistens des Sagen, wenn es um den Christbaum geht? „Fast immer die Frau.“ Regelmäßig kämen Männer auf den Hof, winkten ab und sagten nur drei Worte: „Macht meine Frau.“
