Treffen von Rechtsextremisten: Ludwigsburger OB hofft, dass es zu keinen Ausschreitungen kommen wird

Der NSU-Untersuchungsausschuss deckte 2017 eine „Ludwigsburg-Connection“ auf.
Imago/BihlmayerfotografieDie Veranstaltungsstätte ist noch nicht bekannt, der Tag schon. Die rechtsextremistische Reconquista 21 will am 30. November in Ludwigsburg zum „Schwabenkongress“ einladen. In einem Social-Media-Post wurde über den Termin informiert. In den vergangenen Jahren machte die Gruppe im Land mit Plakataktionen gegen Geflüchtete und für Remigration auf sich aufmerksam. Gegen mehrere Mitglieder wird wegen der teils rassistischen Aktionen ermittelt, einige wurden zu Haftstrafen verurteilt.
OB von Nachricht überrascht
Beim ersten „Schwabenkongress“ im November des vergangenen Jahres trafen sich laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks in Dasing bei Augsburg führende Köpfe der rechtsextremen Szene, um unter anderem über das Thema Remigration zu sprechen. Die zweite Auflage soll jetzt offenbar nach Ludwigsburg führen.
Oberbürgermeister Matthias Knecht zeigt sich von der Nachricht überrascht. „Allerdings muss man in Zeiten wie den aktuellen mit so etwas rechnen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Und wir wissen aus der NSU-Zeit, dass es bei uns rechtsradikale Sprengel und Menschen mit faschistoider Einstellung gibt.“

Matthias Knecht hofft, dass es zu keinen Ausschreitungen kommen wird.
Foto: www.imago-images.deIn den 1990er Jahren kamen Thüringer Neonazis zum Feiern nach Ludwigsburg, deren Namen heute untrennbar mit der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrundes verbunden sind. Im Brandschutt des NSU-Unterschlupfs fand sich auch einen Stadtplan von Ludwigsburg. In der Kneipe Oase in Ludwigsburg kam man damals zusammen. Die „Ludwigsburg-Connection“ des NSU beschäftigte die Parlamentarier im NSU-Untersuchungsausschuss 2017.
Dass der Ort für den „Schwabenkongress“ bis zuletzt geheim gehalten wird sei üblich, erklärt Knecht. Dennoch habe man sich bewusst die städtischen Veranstaltungsorte angeschaut. „Nach unseren Erkenntnissen wurde nichts bei der Stadt angemietet – auch nicht unter falschem Namen“, so Knecht.
Wäre dies der Fall könnte die Kommune sich wehren. „Nur dann hätten wir eine direkte Zugriffsmöglichkeit“, betont der Stadtchef. Die man mit allen Mitteln nutzen würde. Reconquista 21 sei eine rechtsradikale Bewegung, die die Verfassung ablehne. „Das ist völlig inakzeptabel.“
Die Kommune bemühe sich, die Vielfalt in der Stadt zu fördern. So habe man eine Stabstelle für die Themen Integration und Inklusion eingerichtet und beispielsweise auch die Nacht der Demokratie mitgestaltet.
Knecht geht davon aus, dass der Kommune, der Polizei und dem Verfassungsschutz nicht viel Beratungs- und Reaktionszeit bleiben wird. Gleichwohl hoffe er, dass es nicht zu Ausschreitung kommen wird in der Stadt. „Und wenn dies doch der Fall sein sollte, vertrauen wir auf die zuverlässige Zusammenarbeit mit der Landespolizei.“
