Umkämpfte Fläche in Ludwigsburg: Fluchtunterkunft Hoheneck: Unbekannter Bau-Trupp gibt Rätsel auf

Auf dieser Fläche in Hoheneck soll in den kommenden Jahren eine Flüchtlingsunterkunft des Landkreises entstehen. In dieser Woche wurden zur Verwunderung aller auf einmal Bauzäune aufgestellt.
Werner KuhnleEs ist eine skurrile Situation im Ludwigsburger Stadtteil Hoheneck: Auf der wohl umstrittensten Fläche der Stadt werden Bauzäune errichtet, der Boden platt gewalzt und Container aufgestellt – und keiner weiß wofür. Wird auf der Wiese, auf der bald eine Flüchtlingsunterkunft für rund 90 Menschen entstehen soll, unerlaubt gebaut? Nein, das steht mittlerweile fest. Fragezeichen bleiben aber trotzdem.
Ende vergangener Woche häuften sich Berichte über einen unbekannten Bautrupp in der Hackstraße. Daraufhin schickte die Stadtverwaltung ihre Baukontrolle nach Hoheneck. Die Kontrolleure fanden einen Bauzaun, Lagerflächen und provisorische Unterkünfte, die mit Duschen und Toiletten ausgestattet sind. „Die Baustelle wird eingestellt, da sie in keinem Zusammenhang mit einem genehmigten Bauvorhaben steht“, erklärte die Pressestelle der Stadt Ludwigsburg zu Beginn dieser Woche.
Leitungsarbeiter im Einsatz
Es dauerte jedoch einige Tage, bis das Bürgerbüro Bauen herausfand, wer hinter den Bauarbeiten steckte. Laut Stadtsprecherin Meike Wätjen handelt es sich um eine Firma für Leitungsbau, die „Wasserhaltungsarbeiten im Zusammenhang mit Arbeiten an der Süddeutschen Erdgasleitung“ ausführt. Die Firma hatte offenbar die Zustimmung des Grundstückseigentümers erhalten, Container aufzustellen.
„Es ist nicht immer ganz einfach, schnell festzustellen, welche Firmen involviert sind und wer für die Bauarbeiten verantwortlich ist“, erklärt Wätjen die anfängliche Unwissenheit der Stadtverwaltung. Die Arbeiten sind nun bis auf Weiteres gestoppt. Das Bürgerbüro Bauen steht in Kontakt mit der Leitungsbaufirma und dem Grundstückseigentümer, wie es weitergeht, ist jedoch unklar.
Emotionale Vorgeschichte
Im vergangenen August war bekannt geworden, dass der Landkreis auf der Wiese am Ende der Hackstraße eine Unterkunft für Flüchtlinge bauen möchte. Die Anwohner fühlten sich übergangen, viele erfuhren erst über die Presse von dem Projekt. Bei einer Informationsveranstaltung entlud sich der Unmut der Bewohner, der Ton war rau. Über die Monate hinweg gelang es den Verantwortlichen jedoch, die Wogen zu glätten – nicht zuletzt, weil sich Oberbürgermeister Matthias Knecht öffentlich für die schlechte Kommunikation entschuldigte.
Aktuell werden die Pläne für die Unterkunft überarbeitet, anstatt 114 sollen maximal 90 Personen auf der Anlage wohnen. „Sobald die Planunterlagen überarbeitet und die weiteren Schritte mit der Stadt Ludwigsburg abgestimmt sind, werden wir das Verfahren weiterbetreiben“, so Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamts.
