Vintage Markt in Ludwigsburg: „Wir lieben das Individuelle“ – Ein Abend für Designliebhaber und Sammler

Die Betreiberinnen von Hi Francky haben das neue Konzept entwickelt.
Simon GranvilleDJ Cuezy wies am Samstag mit lauter Beschallung den Weg zu einer Premiere: Claudia Hoppe und Claudia Pelz feierten am Samstag ihr neues Format mit Drinks und frisch zubereiteter Italian Streetfood auf dem Ludwigsburger Frank-Areal. „Hi Francky“ heißt ihre Bar am Eingang des Geländes, „Art, Fashion & Vintage Market“ tauften sie ihr neues Konzept, das DJ Cuezy mit coolen Grooves begleitete. Der mit Liegestühlen, Tischen und Stühlen ausgestattete Hof mitten in der Stadt, wurde einen Abend lang zum Treffpunkt für Kreative, Menschen mit Sammelleidenschaft und solche, die besonderes Design lieben.
Zwar ist der darbietende und komplett überdachte Raum recht klein und überschaubar, aber die Exponate, die zum Kauf bereit gehalten wurden, hatten es in sich. Etwa die Retro-Brillen von Judith Krautt und Tanja Reinke. Die Augenoptikermeisterinnen, die in Ludwigsburg die „Wunschbrille“ führen, hatten Brillen im Angebot, die weitaus älter als 50 Jahre sind und aus dem französischen Jura stammen. Von dem Rentnerpaar, dem früher die Brillenfirma gehörte, konnten sie noch einige Modelle ergattern. „Wenn die Eheleute Lust darauf hatten, haben sie immer mal wieder Exemplare mit den alten Materialien hergestellt“, beschrieb Judith Krautt die Herkunft der Brillen und war auch rasch mit den spezifischen Vorteilen bei der Hand: „Hierbei handelt es sich nämlich um abgelagertes Material, bei dem sich die Weichmacher verabschiedet haben“.
Katzenauge und Wintersun-Tönung

Unikate für Liebhaber von besonderen Design waren im Frank-Areal zu finden.
Foto: Simon GranvilleMit einem liebevollen Blick glitten ihre Augen über die Präsentationsbox mit unterschiedlichsten Gestellen und Formen von Sonnenbrillen. Etwa die Cat-Eye, die mit einem eleganten Schwung nach oben punktet. Einige Brillen wiesen den Effekt der „Wintersun“-Tönung auf; eine dezente Abdunklung, bei der das Auge für das Gegenüber sichtbar bleibt.
Auch farbige Gläser mit gelblicher oder blauer Tönung oder Gestelle mit einer doppelten Materialschicht – etwa vorne braun und hinten blau – buhlten um die Gunst derer, die sich ihnen neugierig näherten. „Wir lieben das Individuelle und bedienen eine Nische mit ausgewählten, kleinen Labels, die jeweils eine Geschichte dahinter haben“, erklärte Judith Krautt. Die Optikerinnen können die historischen Modelle mit der jeweils benötigten Stärke eines Kunden verglasen.
Besonderes für Individualisten hatte auch Olaf Finke zu bieten: ein antik anmutendes E-Bike. Der Liebhaber exklusiver Ausführungen weist inzwischen Merkmale einer gewisser Verrücktheit auf und lächelt vergnügt-nachsichtig über diese Erkenntnis. Wie sonst sollte es erklärbar sein, dass der gelernte Schreiner – der eine Halbtagsstelle an der Pädagogischen Hochschule hat, um Studenten, die später im Werkunterricht Maschinen bedienen sollen, fit für ihre Aufgabe zu machen – „mit Irrsinnsaufwand“ gut tausend Stunden für die Umgestaltung eines E-Bikes investierte, um dieses in einen Hybridstatus zu versetzen?
Ein Fahrrad für 45 000 Euro
Das moderne Fat-Bike der Marke Ruff-Cycles trägt nun das Antlitz eines Oldtimer-Motorrads und firmiert unter dem Logo Ruffinke. Inklusive aufwendig gestalteter Holz- und Leder-Details. Es brauchte aber nicht allein Zeit und Hingabe beim Basteln; denn auch die Besucher, die ihr Interesse auf das ausgestellte Objekt legten, das zwar nicht unbedingt verkauft werden will, aber falls doch, auf den Verkaufspreis von etwa 45 000 Euro veranschlagt wird, sollten sich gebührend auf das Rad einlassen, um all die unzähligen Veränderungen und sorgfältig ausgeführten Details zu erkennen. Allein das Cockpit auf der Lenkstange – das Handy liegt plan auf und wird mit Hebeltechnik ausgeworfen – der mechanische Tacho, die hölzerne Gepäckbox genauso wie die Oldtimer-Hupe eines alten BMW-Motorrads, die mit einem Sanitärschlauch gekoppelt wurde und deutlich auf den Radler aufmerksam macht. Sein exklusives Modell führt er übrigens nur bei Schönwetterlage aus.
Hochwertige Schmuckgürtel sowie eine Vielfalt auffälliger, edler Schuhe, manche aus Mesh- oder Satinstoffen, oder auch textile Unikate finden sich ebenfalls auf dem neuen Markt im Frank-Areal. Kreatives Upcycling ist die Spezialität des Modedesigners Christopher Herrmann, der seine Arbeiten in der hinteren Hälfte des Ausstellungsbereichs präsentierte. Bei ihm führen textile Produkte ein symbiotisches Dasein mit schmückenden Elementen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt zusammenpassen. Alte, ausdrucksvolle Broschen und farblich kontrastierende Stoffe auf nüchternen Caps etwa. Aber auch Shirts, Jacken oder Jeanstaschen, die mit künstlerischen Feinheiten – etwa eine Hand, die quasi auf dem Po liegt – ein neues Dasein führen, lockten vorwiegend jüngere Menschen an die Kleiderstangen und Auslagen.
„Ich suche gezielt hochwertige Secondhand-Mode, die ich nach meinen Vorstellungen gestalte und umarbeite“, beschrieb Christopher Hermann sein Vorgehen, das mit der Absicht verknüpft ist, dass die Mode-Produkte „dadurch ein neues Leben und Einzigartigkeit bekommen. Nachhaltiger geht es kaum“.