Umgehungsstraße für Affalterbach: „Wir kommen kaum aus unserer Garage raus“ – Gemeinde sind die Hände gebunden

Die Baustelle im Juni sorgte in Affalterbach für noch mehr Verkehrschaos.
Werner KuhnleWenn Brigitte Geibel aus ihrem Fenster schaut, zeigt sich ihr meist das gleiche Bild: Ein Auto nach dem anderen bahnt sich seinen Weg durch die Winnender Straße in Affalterbach. Stau gehört vor ihrer Haustüre zum Alltag. „Wir ersticken im Verkehr“, sagt die Anwohnerin.
Es gibt Zeiten, da denkt die 60-Jährige sogar darüber nach, ihr Haus zu verkaufen und wegzuziehen. Der starke Verkehr habe große Auswirkungen auf alle Bewohner Affalterbachs. „Die Straße ist ein offizieller Schulweg“, sagt Geibel. Auch zum Arzt oder Friedhof müssen viele Menschen die Straße überqueren. „Die meisten Fahrradfahrer fahren lieber auf dem Gehweg“, berichtet sie. „Ich auch, ich will ja noch eine Weile leben.“ https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.blechlawine-im-ort-bekommt-affalterbach-doch-noch-seine-ortsumfahrung.9296e204-0ca1-4b02-8254-33a06dd39da6.html
Döttinger kämpft für Verkehrsberuhigung in Affalterbach
Bürgermeister Steffen Döttinger versucht schon seit Jahren, das Problem gemeinsam mit dem Landratsamt Ludwigsburg zu beheben. Die zulässige Geschwindigkeit wurde bereits im Jahr 2014 in großen Bereichen der Ortsdurchfahrt aus Lärmgründen auf 30 km/h beschränkt.
Außerdem wurde in den letzten Jahren der Fahrbahnbelag auf einen lärmarmen Belag umgestellt, der zu einer Lärmentlastung um etwa zwei Dezibel führt. Die Einhaltung der angeordneten Geschwindigkeit wird regelmäßig durch das Landratsamt überwacht.
„Wir kommen kaum mehr aus unserer Garage raus“
Für Brigitte Geibel sind die Maßnahmen nicht ausreichend. Besonders in der Nacht würden sich viele Fahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Ihre Vorschläge: ein stationärer Blitzer oder eine Pförtnerampel, die den Verkehrsfluss in die Ortsmitte regulieren könnte. „Wir kommen kaum mehr aus unserer Garage raus“, sagt sie.
Bürgermeister Steffen Döttinger hat sich diese Möglichkeiten ebenfalls schon überlegt. „Das Problem mit dem stationären Blitzer ist, dass es einen Welleneffekt gibt“, sagt er. Die Autofahrer bremsen vor dem Blitzer und geben danach wieder Gas. Auch eine Pförtnerampel müsse man sich stark überlegen, da es zu Ausweichverkehr komme – das habe man bei einer Baustelle im Sommer bereits bemerkt. „Allein die einseitige Sperrung mit Ampel hat in diesem Jahr zu einem Verkehrschaos geführt“, sagt der Bürgermeister.

Auch Fußgänger haben es beim Überqueren der Straße in Affalterbach nicht leicht.
Foto: Werner KuhnleOrtsumgehung scheitert an rechtlichen Hürden
Die Wunschlösung: eine nachhaltige Entlastung der Ortsdurchfahrt durch eine Ortsentlastungsstraße. Seit 2008 liegen diese Pläne in der Schublade. Die Zuständigkeit hierfür liegt allerdings beim Land. Vor knapp einem Jahr hat der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim es für nicht rechtens erklärt, wenn die Affalterbacher Ortsentlastungsstraße als Gemeindestraße geplant und gebaut würde. „Die Gemeinde ist seitdem ein Stück weit ratlos“, so Döttinger. „Wir dürfen nichts ohne Zustimmung machen.“
„Nachdem eine Ortsumgehung Affalterbach im Maßnahmenplan zum Generalverkehrsplan des Landes nicht enthalten ist, gibt es seitens des Landes derzeit keine Möglichkeit, diese zu bauen“, so eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.shitstorm-auf-social-media-influencerin-beschwert-sich-auf-instagram-ueber-amg-testfahrer.ed4a1434-adfe-4b83-bb5f-f9b228f06f34.html
Förderung durch das Land unwahrscheinlich
Der Maßnahmenplan läuft noch bis 2035, erst danach wäre eine Aufnahme in den Plan möglich. Falls die Gemeinde Affalterbach oder der Landkreis Ludwigsburg die Ortsenlastungsstraße schon vorher umsetzen wollen, „wäre dies aller Voraussicht nach nur ohne Förderung möglich, da es als äußerst unwahrscheinlich angesehen wird, dass die Planung den Klimacheck bestehen kann“, so die Sprecherin weiter.
„Das Land macht es sich sehr einfach“, sagt Döttinger. Die Gemeinde ist momentan in Abstimmungsgesprächen mit dem Landratsamt Ludwigsburg und versucht weiterhin, das Projekt in die Umsetzung zu bekommen – ob das klappt, scheint aber noch völlig offen.
Brigitte Geibel wünscht sich vor allem eine schnelle Lösung – große Hoffnung hat sie jedoch nicht. „Affalterbach sind die Hände gebunden.“ Zum Schluss möchte sie jedoch noch etwas betonen: Die eigentliche Belastung seien Pendler, laute Motorräder und nächtliche Rennen – nicht die Autos vom nahegelegenen Mercedes-AMG-Hauptsitz. Mit deren Fahrern habe sie bisher überwiegend gute Erfahrungen gemacht.
Affalterbach im Fokus
Beschwerde von Influencerin
Bereits Anfang September stand die Gemeinde im Fokus. Eine Frau aus dem Kreis Ludwigsburg beschwerte sich auf Social Media über rücksichtslose Testfahrer von AMG, und sorgte mit ihrem Video für Diskussionen. Was genau vorgefallen ist, ließ sie offen.
Mitarbeiter werden geschult
Laut der Mercedes-Benz-Tochtergesellschaft werden die Entwickler umfassend geschult. Hinweise anderer Verkehrsteilnehmer auf Fehlverhalten nehme das Unternehmen sehr ernst, Beschwerden über Fahrer seien allerdings selten.