Weinbau in Hessigheim: Wie geht es mit der Felsengartenkellerei weiter? „Die Verunsicherung ist groß“

Der Felsengartenkellerei Besigheim gehören rund 1300 Mitglieder an. Diese hoffen, nach einigen turbulenten Jahren, wieder auf mehr Konstanz an der Spitze der Genossenschaft.
Werner Kuhnle (Archiv)- Felsengartenkellerei mit rund 1300 Mitgliedern: erneute Führungskrise und Verunsicherung.
- Mehrere Chefwechsel binnen weniger Jahre, zuletzt wurde Martin Fischer freigestellt.
- Probleme im Weinbau halten an – sinkender Weinkonsum, schrumpfende Flächen, Lücken in Steillagen.
- Strategiepapier existiert, doch Umsetzung stockt; Sortiment und Trend zu Weißwein im Fokus.
- Traubengeld bei 50–60 Cent pro Kilo, Ziel bleibt höhere Auszahlungen und Mitgliederbindung.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Das Amt des Vorstandschefs der Felsengartenkellerei hat sich in den vergangenen Jahren als schwierig erwiesen. Im September 2023 trat Joachim Kölz, der frühere Erste Bürgermeister von Bietigheim-Bissingen, nach nur zweieinhalb Jahren als Chef zurück. Nach halbjähriger Vakanz folgte im April 2024 dann Eberhard Wolf aus den eigenen Reihen. Mit Martin Fischer wurde im Juli 2025 wieder ein Externer an die Spitze der Genossenschaft gehievt. Fischer hatte zuvor das Weingut Sonnenhof in Gündelbach geleitet. Er wurde im September von seinen Aufgaben entbunden.
Kein Wunder also, dass die Verunsicherung in den Reihen der rund 1300 Mitglieder groß ist. Das ist auch Heike Ruck klar, der Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Felsengartenkellerei. Austritte von Mitgliedern wegen der Freistellung Fischer habe es zwar keine gegeben. Doch die Probleme bleiben: Die bewirtschaftete Fläche schrumpft, in den Steillagen werden die Lücken immer größer, der Weinkonsum sinkt, der Markt ist schwierig. „Wie geht es jetzt weiter, fragen sich die Mitglieder?“, so Ruck. Welche Lösungsmöglichkeiten haben Vorstand und Aufsichtsrat?
Uneins in der strategischen Neuausrichtung
In einer Mitteilung anlässlich Fischers Entlassung war die Rede von unterschiedlichen Vorstellungen über die Strategie und einer bevorstehenden strategischen Neuausrichtung der Genossenschaft. Doch bereits seit 2023 liegt bei der Felsengartenkellerei ein Strategiepapier auf dem Tisch, das den Weg in die Zukunft beschreibt. Erstellt wurde es damals laut Ruck von externen Beratern. Warum also ist die Umsetzung so schwierig? „Man muss viele Schlaufen drehen“, charakterisiert Heike Ruck die Aufgaben, um die Felsengartenkellerei wieder aufs Gleis zu bringen.
Das habe auch Martin Fischer versucht. „Er hat sich reingekniet“, lobt Ruck seine Arbeit. Was aus Sicht der Genossenschaft zu seiner Freistellung geführt hat, deutet sie nur sehr zurückhaltend an. Fingerspitzengefühl sei nötig, um Mitglieder und Gremien einer Genossenschaft auf ein Ziel hin zu vereinen. „Wir können miteinander, aber die Entscheidungswege könnten kürzer sein.“ Die Hauptversammlung hatte dem Vorstand kurz vor Fischers Freistellung die Entlastung verweigert.
Einer der Punkte mit Änderungsbedarf ist aus Rucks Sicht die Sortimentsstruktur. Die Felsengartenkellerei habe ein großes Spektrum unterschiedlicher Sorten und Marken. „Da muss man drübergehen“, so Ruck. Auf den Trend hin zum Weißwein muss ebenso reagiert werden wie auf die Nachfrage nach Mischgetränken. Auch alkoholfreie Weine gehören für Ruck künftig zum Angebot der Felsengartenkellerei – alles Dinge, die Martin Fischer bereits angesprochen hatte.
Ein zentraler Punkt: „Die Mitglieder müssen bei der Stange gehalten werden.“ Seit vielen Jahren sinkt das Traubengeld, das die Wengerter für die angelieferten Trauben erhalten. Aktuell liegt es bei 50 bis 60 Cent pro Kilo. Schon unter der Führung Martin Fischers war es das Ziel gewesen, die Auszahlungen anzuheben, um die Mitglieder zu motivieren, weiterzumachen. „Das streben wir weiter an“, sagt Ruck. Klar sei allerdings auch: „Wir werden nicht alle Flächen halten können.“
Weine sollen national bekannt gemacht werden
Der Schrumpfungsprozess wird also weitergehen. Brachen sind in den Jahren seit der Pandemie vor allem in den Steillagen entstanden. Doch in welchem Umfang und wo sollen weitere Flächen stillgelegt und gerodet werden? Welche Rebsorten betrifft es? „Darüber sind wir uns noch nicht einig“, räumt Ruck ein.
Mit Jörg Hepfer hat die Kellerei vor Kurzem einen neuen Vertriebsleiter eingestellt. Auch diese Entscheidung fiel noch unter der Ägide von Martin Fischer. Hepfer soll die Weine über die Region hinaus in Deutschland bekannt machen und verkaufen. Die Kundschaft soll er im gehobenen Handel suchen, nicht nur bei den vier großen Discountern in Deutschland, die zu den Großabnehmern der Felsengartenkellerei gehören – ein Ziel, das die Kellerei seit Jahren proklamiert.
Der häufige Wechsel an der Spitze hat dem Renommee der Genossenschaft jedenfalls nicht geschadet. Schon kurz nach dem Bekanntwerden der Freistellung Fischers lagen Bewerbungen auf dem Tisch, sagt die Aufsichtsratschefin Heike Ruck: „Wir sind schon ziemlich weit mit der Personalsuche.“ Aktuell fungiert der bisherige Stellvertreter Peter Knoll als Vorstandschef.